merken
PLUS Pirna

So lief der Warntag

Wer einer Motorsirene nahe war oder gerade vorm Fernseher saß, konnte sich retten. Für alle anderen sah es düster aus. Zum Glück war's nur eine Übung.

Auch die Sirene auf dem Dach der Grundschule Oberottendorf bei Neustadt heulte am Donnerstag pünktlich auf.
Auch die Sirene auf dem Dach der Grundschule Oberottendorf bei Neustadt heulte am Donnerstag pünktlich auf. © Daniel Schäfer

Die Angst währte nur 20 Minuten. Pünktlich um 11 Uhr heulte am Donnerstag die Sirene in Dippoldiswalde und vielen anderen Orten im Landkreis los. Auch die Grundschüler in Oberottendorf bei Neustadt hielten kurz inne, als die Sirene auf dem Schulgebäude aufheulte. Um 11.20 Uhr gab es Entwarnung. 

Wer sich auskannte, wusste, dass das erste Signal die Warnung vor Gefahr war. Wer noch besser informiert war, blieb völlig gelassen, weil es sich lediglich um die größte Warn-Übung handelte, die es in den vergangenen 30 Jahren gab. Es war der erste bundesweite Warntag.

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Wie nötig diese Übung war, zeigte sich am besten in der Innenstadt von Pirna. Denn dort hörte man von einer Warnung nichts. Die wenigen Sirenen, die es in der Stadt gibt, liegen weit draußen in Graupa, Liebethal und Neundorf. Lediglich diejenigen, die gerade das Fernsehprogramm der öffentlich rechtlichen Sender von ZDF und ARD sahen oder deren Rundfunkprogrammen zuhörte, wurde in Pirna gewarnt. Auch auf RTL und im Livestream der Fernsehsender im Internet wurden Texte mit Hinweis auf die Warn-Übung und die folgende Entwarnung angezeigt. 

Im laufenden Fernsehprogramm des ZDF wurde am 10. September um 11 Uhr eine amtliche Warnung als Übung eingeblendet, ebenso im Livestream des Senders. Um 11.20 Uhr folgte die Entwarnung.
Im laufenden Fernsehprogramm des ZDF wurde am 10. September um 11 Uhr eine amtliche Warnung als Übung eingeblendet, ebenso im Livestream des Senders. Um 11.20 Uhr folgte die Entwarnung. © Screenshot/SZ

Warn-App bleibt stumm

Neben dem Sirenensystem zur Warnung der Bevölkerung nutzen Bund und Länder schon seit 1997 Rundfunk und Fernsehen zur Sendung von amtlichen Gefahren-Durchsagen. Die bewährte Technik funktionierte offenbar.

Erst mit erheblicher Verzögerung oder überhaupt nicht funktionierten dagegen Apps für Smartphones. Viele Nutzer der Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, auch Warn-App "Nina" genannt, berichteten über späte oder gar keine Nachrichten.

Ähnlich verhielt es sich im Landkreis mit der Biwapp. So nennt sich die Bürger-Informations- und Warn-App. Die haben sich inzwischen mehr als 30.000 Nutzer im Landkreis auf ihr Smartphone heruntergeladen, immerhin jeder 8. Einwohner zwischen Altenberg und Sebnitz. Das ist eine Zahl, auf die die Betreiber zurecht stolz sein können. Bislang waren keine größeren Schwierigkeiten bei der Anwendung bekannt. 

Die einzigen Meldungen im September waren bisher steigende Zahlen bei Corona-Infektionen. Im August informierte das Landratsamt darüber, dass wegen der Trockenheit kein Wasser mehr aus Bächen und Flüssen entnommen werden darf. 

Am Donnerstag sollte nun über die Probe-Warnung informiert werden. Manche Nutzer erhielten sie 35 Minuten nach 11 Uhr, manche erhielten nur die Entwarnung - aber auch verspätet. Wiederum andere erhielten überhaupt keine Meldung angezeigt. Etwas besser soll es bei der App Kat-Warn gelaufen sein.

Mehr als das Startbild kam bei vielen Nutzern der Warn-App Biwapp nicht auf dem Smartphone an. Beim bundesweiten Warntag ging Manches schief.
Mehr als das Startbild kam bei vielen Nutzern der Warn-App Biwapp nicht auf dem Smartphone an. Beim bundesweiten Warntag ging Manches schief. © SZ/ Gunnar Klehm

Erste Ursache der Panne erkannt

Der Warntag sollte eigentlich die Leistungsfähigkeit der Biwapp zeigen. Doch wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nach einer ersten Analyse erklärte, konnte die bundesweite Meldung über das Modulare Warnsystem nur verspätet zugestellt werden. "Grund dafür ist eine nicht vorgesehene zeitgleiche Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen über das Modulare Warnsystem gewesen." Das im Vorfeld mit den beteiligten Partnern besprochene Auslösekonzept habe eine reine Auslösung durch den Bund vorgesehen.

Diese Meldungen sollten direkt in die Biwapp eingespeist werden. "Sie sollte ausschließlich vom Bund angesteuert werden, deshalb haben wir als Landkreis nicht eingegriffen", erklärt der für den Katastrophenschutz zuständige Amtsleiter für Sicherheit und Ordnung, Steffen Klemt. 

Wie das Bundesamt mitteilte, werden nun die Ergebnisse aus Ländern und Kommunen zusammengetragen und es werde später über die Auswertung berichtet. "Dass war ja nur eine Zielstellung des Warntags, dass vom Bund aus Meldungen über die Länderbehörden hinweg bis in die Kommunen gebracht werden", erklärt Klemt.

Dieses Ziel wurde nicht wie gewünscht erreicht. Ein anderes aber schon. "Die Menschen wurden mit vielen Veröffentlichungen mal wieder für Warnungen und Warnsysteme sensibilisiert", sagt Klemt.

Sirenen haben sich bewährt

Gut funktioniert hätten im Gegensatz zu Apps die Sirenen, jedenfalls dort, wo es welche gibt. In der Pirnaer Innenstadt existiert kein einziger Standort. Dass die Feuerwehrleute seit einiger Zeit nicht mehr mit Sirenen, sondern mit Piepern zum Einsatz gerufen werden, freut alle, die einen gesunden Nachtschlaf brauchen. 

Der Landkreis, der per Gesetz für den Katastrophenschutz zuständig ist, greift gern auf die Sirenen zu. An sämtlichen rund 300 Standorten habe die Probe-Warnung funktioniert, erklärt Klemt. Um die Bevölkerung auch dort zu warnen, wo es keine Sirenen mehr gibt, sollten die Warn-Apps helfen. 

Weiterführende Artikel

Warntag: Sirenen heulten nicht überall in Sachsen

Warntag: Sirenen heulten nicht überall in Sachsen

Um 11 Uhr wurde es vielerorts laut in Sachsen. Doch offenbar lief nicht alles glatt. Das Bundesinnenministerium spricht von einem Fehlschlag.

"Trotzdem haben wir Pläne für neue Sirenen-Standorte", erklärt Klemt. Die Kosten je digitaler Sirene inklusive Aufbau werden auf 15.000 bis 17.000 Euro geschätzt. Insgesamt wären vier Millionen Euro nötig, um Gebiete mit viel Bevölkerung wie in Pirna, den Gebieten nach Talsperren oder in der Umgebung von Betrieben mit potenziellen Störfällen ausreichend abzudecken. Wie das finanziert werden soll, ist aber unklar.

Das sind die Standorte der Sirenen im Landkreis.
Das sind die Standorte der Sirenen im Landkreis. © Landratsamt Pirna

In Sachsen gibt es nur drei Sirenen-Signale.

Signal 1: Ein zwölf Sekunden anhaltender Ton ist eine Signalprobe.

 Signal 2: Bei Feueralarm gibt es dreimal einen zwölf Sekunden langen Ton mit jeweils zwölf Sekunden Pause dazwischen. 

Signal 3: Warnung vor einer Gefahr. Dann erschallen sechs Töne à fünf Sekunden, nach einer Pause erneut sechs Töne à fünf Sekunden und das Ganze eine Minute lang.

1 / 3

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.

Mehr zum Thema Pirna