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SOE: Pilzsammler werden bereits fündig

Der feuchte Frühling macht es möglich: Einige Exemplare können schon geerntet werden. Sächsische.de sprach darüber mit Pilzberaterin Heidrun Wawrok aus Pirna.

Pilzberaterin Heidrun Wawrok aus Pirna hat mehrere Glimmertintlinge in der Hand. Der Glimmertintling ist allerdings kein Speisepilz.
Pilzberaterin Heidrun Wawrok aus Pirna hat mehrere Glimmertintlinge in der Hand. Der Glimmertintling ist allerdings kein Speisepilz. © Daniel Schäfer

Frau Wawrok, was findet der Pilzsammler jetzt?

Also, in den Wälder wachsen noch nicht viele Pilze. Die typische Speisepilz-Saison beginnt im Mischwald eher im Spätsommer. Aber an manchen Standorten, hauptsächlich in Gärten auf Wiesen, wird man schon fündig. Besonders die Art Eichensteinpilz ist jetzt verbreitet. Es gibt aber auch sehr viele Mairitterlinge, manche sprechen vom Georgspilz. Allerdings sind diese Arten eher etwas für die hohe Pilzkunde und nicht für Anfänger. Auch der Glimmertintling erscheint bereits jetzt. Aber er ist kein Speisepilz.

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Ist es ungewöhnlich früh für die Pilzernte?

Eigentlich nicht. Es liegt an dem feuchten Frühjahr, dass die Pilze jetzt so sprießen. Ich warte nur noch auf die ersten Täublinge, die ab Mitte Juni komme können. Und dann könnten sich die ersten Perlpilze zeigen. Wenn dieser Schub vorüber ist, müssen wir vermutlich bis zum Herbst auf die eigentliche Pilzsaison warten.

Welche Utensilien sollte ein Pilzsammler unbedingt dabei haben?

Messer und Korb. Ich habe ein spezielles Pilzmesser, an dem auch gleich eine Bürste dran ist. Ich putze die Pilze meistens im Wald. In einem Plastikbeutel würden die Pilze schwitzen. Außerdem dürfen sie nicht gedrückt werden. Bei Lamellenpilzen ist es wichtig, sie ganz mit der Stielbasis herauszunehmen. Deshalb ist ein Messer unerlässlich. Der Hallimasch wächst ohnehin nur am Holz, sodass man ihn ausschließlich abschneiden kann.

Welche Verhaltensregeln sollten beim Pilzesuchen beachtet werden?

Das Zuparken von Wegen im Wald geht natürlich überhaupt nicht. Es sind ja schließlich auch Rettungswege. Generell gilt, dass der Sammler nur so viele Pilze nimmt, wie er für den Eigenbedarf benötigt. Das besagt auch das Sächsische Naturschutzgesetz. So ist es beispielsweise verboten, selber gesammelte Pilze kommerziell zu verkaufen. Wer sich unsicher ist, welcher Pilz genießbar ist, sollte vorsichtig sein. Bei dem Grünen Knollenblätterpilz reicht schon eine Berührung aus, um sich zu kontaminieren, was zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Ich wiederhole: Wer keine ausreichenden Kenntnisse über Pilze hat, sollte sie lieber stehenlassen.

Wagen Sie eine Prognose, wie die diesjährige Pilzsaison im Herbst wird?

(schmunzelt) Nein, das wäre unseriös. Wenn ich in die Kugel gucken könnte, würde ich mein Geld anders verdienen.

Wie sollte man sich bei Verdacht auf Pilzvergiftung verhalten?

Im vergangenen Jahr rief mich das Krankenhaus Pirna an. Ein Kind wurde vorsorglich von den Eltern nach dem Verzehr von einem Pilz in die Klinik gebracht. Der Vorfall war aber glücklicherweise harmlos. Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung lautet die goldene Regel Nummer eins: Ruhe bewahren. Danach sollte man den Notruf des Krankenhauses wählen. Wichtig ist, wer war an der Mahlzeit beteiligt? Wie lang ist die Zeitspanne zwischen ersten Vergiftungserscheinungen und der Einnahme der Pilzmahlzeit? Bereits am Telefon sollten die Symptome so exakt wie möglich angegeben werden. Wenn der Betroffene ins Krankenhaus eingeliefert wird, ist es hilfreich, Mahlzeitreste oder Pilzreste mitzunehmen. Das kann unter Umständen sogar Erbrochenes sein.

Sie selber sind Pilzkennerin durch und durch. Woher kommt die Faszination für Pilze?

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Körbeweise tragen Wanderer derzeit Pilze aus dem Wald. Wie fällt die Saison dieses Jahr aus und was müssen Pilzsammler beachten?

Das ist eine gute Frage. Ich denke, es ist mir angeboren. Meine Großmutter väterlicherseits ging bereits in die Pilze und war eine große Expertin. Als Häuslerin war sie auf Pilze als Speise angewiesen. Sie kannte sich gut aus. Ich denke, dieses Gen habe ich geerbt. Sich mit Pilzen zu beschäftigen, bedeutet ein lebenslanges Lernen. Je länger ich das mache, umso mehr eröffnet sich mir die Welt der Pilzkunde. Im Frühjahr 1989 hab ich als Pilzberaterin eine Prüfung bei dem damaligen Kreispilzberater gemacht. Nach der politischen Wende hatte ich aber nichts mehr in den Händen, weshalb ich einige Jahre später eine weitere Prüfung bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie absolvierte. Deshalb darf ich mich seitdem als Pilzsachverständige der Gesellschaft bezeichnen.

Kontakt: Pilzberaterin Heidrun Wawrok: Tel. 03501 464261

Giftnotruf für Sachsen: Tel. 0361 730730

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