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Das Warten auf ein Länderspiel

Die Pirnaerin Annemarie Hörr schoss die meisten Treffer in der 6. Liga. Inzwischen spielt sie in der Landesliga, das hat auch mit ihrer verstorbenen Oma zu tun.

Geht nun beim Landesligisten Heidenauer SV auf Torejagd: Annemarie Hörr (links).
Geht nun beim Landesligisten Heidenauer SV auf Torejagd: Annemarie Hörr (links). © Nico Zeisl

Seit 1964 verleiht das Fachmagazin „Kicker“ in der Bundesliga seine legendäre Torjägerkanone. Nach der Saison 2019/2020 sollten erstmals auch die erfolgreichsten Torjäger und Torjägerinnen der Amateurligen ausgezeichnet werden. Das war das Ziel der gemeinsamen Aktion „Die Torjägerkanone für alle“, ins Leben gerufen vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), dem Fachmagazin „Kicker“, in Kooperation mit Volkswagen. Die Corona-Pandemie bremste den Wettbewerb aus.

Geplant war, bei den Männern die besten Torjäger von der 3. Liga bis zur 11. Liga sowie bei den Frauen die treffsichersten Spielerinnen bis zur 7. Liga offiziell mit der Torjägerkanone auszuzeichnen. Alle Siegerinnen und Sieger sollten anschließend zu einem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft mit Rahmenprogramm eingeladen werden.

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Die Pirnaerin Annemarie Hörr, damals für die SpG Bad Schandau/Lohmen/Graupa auf Kleinfeld spielend, führte die Torjägerliste in der 6. Liga deutschlandweit mit 76 Toren in 14 Punktspielen an. „Eigentlich waren es sogar 85 Tore, aber ein Spiel, bei dem ich neunmal ins Schwarze getroffen hatte, wurde aus der Wertung genommen“, berichtet sie.

Neue Herausforderung gesucht

Trotz des corona-bedingten Abbruchs in der Premierensaison sollten die im deutschlandweiten Ranking führenden Stürmer und Stürmerinnen der Saison 2019/20 nicht leer ausgehen. „Wir werden sie zu einem der nächsten Länderspiele einladen“, versprach Gerd Voss, Leiter Sportkommunikation bei Volkswagen im November 2020. Bis heute wartet Annemarie Hörr auf diese Einladung. „Die Aktion war bei mir fast schon in Vergessenheit geraten, denn Corona hat gelehrt, dass andere Dinge im Leben zählen.“

Die 25-Jährige stürmt inzwischen für den Landesligisten Heidenauer SV. „Ich wollte im sportlichen Bereich noch einmal eine Herausforderung. Ein neues Team, stärkere Gegner und auf dem Großfeld spielen.“ Ein privater Schicksalsschlag hat sie in ihrem Entschluss bestärkt. „Meine Oma ist an Corona gestorben. Zusammen mit meinem Opa war sie bei fast jedem Spiel dabei. Unser Verhältnis war sehr, sehr gut, jedes Tor ist jetzt für meine Oma.“

Gleich im ersten Spiel für Heidenau traf Annemarie Hörr, die ihren Master in Sportwissenschaften im Oktober 2020 abschloss und jetzt als Sporttherapeut arbeitet, doppelt.

In puncto „Die Torjägerkanone für alle“ konnte die SZ nun erfreuliche Neuigkeiten überbringen. „Wir haben immer noch vor, die seinerzeit bei Abbruch der Saison führenden Torjägerinnen und Torjäger zu einem Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einzuladen. Das war bis heute leider nicht möglich, da, von den EM-Spielen abgesehen, Corona-bedingt alle Heim-Länderspiele der DFB-Auswahl unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden“, teilte Christian Schiebold, Sprecher Sportkommunikation bei Volkswagen, auf Anfrage mit. „Wir können Frau Hörr aber versichern, dass das Thema bei uns nicht in Vergessenheit geraten ist.“

Für die gerade begonnene Saison habe man mit den Kollegen vom Kicker und vom DFB nun beschlossen, einen neuen Anlauf in Sachen „Die Torjägerkanone für alle“ zu wagen. „In der Hoffnung, dass uns Corona nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht und wir die Aktion erstmalig ins Ziel bringen können“, sagt Schiebold.

Annemarie Hörr würde es begrüßen, sollte die Wahl ein fester Bestandteil des Amateurfußballs werden. „Ich finde das Konzept sehr gut. Oft sichten Trainer junge Spielerinnen nur in höheren Ligen, so zumindest ist meine Erfahrung“, sagt die Angreiferin, die auch schon für Fortuna Rähnitz kickte. „Ich finde, dass es vor allem für jüngere Spielerinnen eine gute Sache ist, um auf sich aufmerksam zu machen. Natürlich gibt es ligabedingt auch Unterschiede, etwa zwischen Kleinfeld und Großfeld. Trotzdem ist es eine tolle Aktion, weil ich es schön finde, wenn die Amateure dadurch so eine Wertschätzung bekommen.“

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