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„Ich bin Dynamo-Anhänger durch und durch“

Marcel Reck kehrt zum VfL Pirna-Copitz zurück und trifft dort auch auf seinen früheren Förderer Enrico Mühle.

April 2012: Marcel Reck (li.) zieht an seinem Gegenspieler vorbei. Fünf Jahre nach seinem Weggang kehrt er zurück.
April 2012: Marcel Reck (li.) zieht an seinem Gegenspieler vorbei. Fünf Jahre nach seinem Weggang kehrt er zurück. © Marko Förster

Fünf Jahre nach seinem Abschied vom VfL Pirna-Copitz kehrt Marcel Reck zu den Lila-Weißen zurück. Der 30 Jahre alte Flügelspieler trifft dabei auch auf seinen einstigen Förderer Enrico Mühle. „Er hat mich im Kindesalter beim Stützpunkttraining betreut und mir sozusagen die Türen geöffnet, damit ich nach Dresden ans Sportinternat gehen konnte.“

Mühle bildet auch in der kommenden Saison zusammen mit Frank Paulus das Trainerduo beim Pirnaer Landesliga-Team. „Mit Frank habe ich noch zusammen gespielt. Der Kontakt zu beiden ist nie abgerissen und wir haben immer mal wieder geflachst, ob und wann ich wieder zum VfL zurückkehre. Jetzt hat es gepasst, und darüber bin ich sehr froh“, sagt Reck.

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Angefangen hatte alles beim TSV Graupa. „Mein Vater spielte Fußball und ich ging oft mit zum Training. Der Schritt war dann folgerichtig.“ Im Alter von fünf Jahren war der gebürtige Pirnaer zum ersten Mal im Training am Ball. „Eine großartige Zeit, die Graupaer haben damals viel für den Nachwuchs getan und waren auch recht erfolgreich“, erinnert sich Reck, der noch vier Geschwister hat. Mit seinem Wechsel ins Sportinternat im Dresdner Jägerpark nahm die sportliche Laufbahn an Tempo auf. „Meine Trainer waren Thomas Baron, André Müller oder Tino Gaunitz. Ich denke, sie waren mit das Beste, was Ostdeutschland im Nachwuchsbereich an Trainern zu bieten hatte.“

Marcel Reck gewann mit dem FV Dresden-Nord (heute Borea) u. a. die NOFV-Meisterschaft. „Eine Riesensache, denn wir verteidigten damals den Titel, den ein Jahr zuvor spätere Bundesligaspieler wie Tony Jantschke oder Toni Leistner gewonnen hatten.“ Auch der große Traum, einmal für Dynamo zu spielen, erfüllte sich. „Mein Uropa war früher Ordner im Stadion, zu Hause hatten wir einige Auszeichnungen, die es damals für solche ehrenamtliche Tätigkeiten noch gab. Für mich war es das Größte, für diesen Verein zu spielen.“ 2007/08 bestritt Reck 22 Partien in der U 17-Bundesliga für die Schwarz-Gelben, stand in der sächsischen Landesauswahl.

Wie schwer der Sprung in den Erwachsenenbereich sein kann, musste auch Marcel Reck erfahren. „Mit 20, 21 war mir klar, dass es für ganz oben nicht reichen wird. Ich war wieder zu Borea zurückgekehrt, bekam 2010 aber die Chance, bei der Dritten von Dynamo in der Landesliga Fuß zu fassen. Daher bin ich noch einmal dorthin gewechselt, auch mit der leisen Hoffnung, im Verein sportlich nach oben zu klettern.“ Ein Jahr später wurde die „Dritte“ aber aufgelöst – es ging wie so oft auch ums liebe Geld. „Heiko Bandulewitz hatte dann Kontakt zu Pirna-Copitz, wo Elvir Jugo als Trainer arbeitete. Elvir kannte ich aus den Zeiten im Jägerpark gut. Schnell war klar, dass dort meine sportliche Zukunft liegt.“ Rückblickend sagt Marcel Reck: „Wir hatten damals eine Riesentruppe beim VfL“. Erfahrene Kicker wie Falk van Kolck, Frank Paulus, Axel Keller, Steffen Dörner oder Ronny Kreher hätten die Marschroute angegeben. „Für mich als junger Dachs waren das fantastische fünf Jahre.“ Nach drei Vizemeistertiteln gelang 2015 der lang ersehnte Landesliga-Aufstieg. Ein Jahr später wechselte Reck zum Hainsberger SV. Über die „persönlichen Gründe“, warum er Pirna-Copitz damals verließ, will er nicht sprechen.

Nun also noch einmal 6. Liga, warum aber nicht in Freital? „Im Vorjahr hatte ich mich für die zweite Mannschaft entschieden, auch, weil ich zeitlich nicht in der Lage war, dreimal in der Woche zu trainieren.“ Neben seiner beruflichen Tätigkeit im Bereich Kundenservice/Technik bei der Wälzlagertechnik GmbH Dresden warteten zu Hause die Freundin und deren zwei Kinder. „Privat hat sich die Situation inzwischen geändert, ich bin wieder solo“, erzählt der Allrounder. „In Dresden bin ich gerade umgezogen, habe mein Privatleben neu geordnet. Und jetzt greife ich beim VfL noch einmal so richtig an.“

Eigene Trainingspläne aufgestellt

Recks Fitness hat durch den langen Corona-Lockdown nicht gelitten. „Die erste Zeit war eigentlich ganz gut, man konnte am Wochenende ein paar andere Dinge machen, die sonst durch den Sport eher zu kurz wegkamen.“ Doch dann kam die Waage ins Spiel. Plötzlich hattest du zwei, drei Kilo mehr auf den Rippen und hast gemerkt, wie sehr dir der Sport fehlt“, so Reck. „Dann ging es mit Joggen los, drei-, viermal pro Woche. Schließlich haben wir eigene Trainingspläne aufgestellt und im Ostragehege die Fitnessgeräte in den Außenanlagen genutzt. Ich bin fit.“ Frank Paulus wird seinen Schützling am 15. Juni zur ersten Einheit erwarten. „Erst einmal musste der Vertrag unterzeichnet werden, um versicherungstechnisch alle Vorgaben einzuhalten.“

Die vielen Abgänge von Leistungsträgern beim VfL kommen für Reck überraschend, aber sie hätten an seiner Entscheidung nichts geändert, sagt er: „Beim VfL fing alles an und im besten Fall höre ich hier in fünf, sechs Jahren mit dem Fußballspielen auf. Bis dahin will ich mein Bestes für den Verein geben.“ Spieler wie Ron Wochnik, mit dem er sich einst im Internat ein Zimmer teilte, oder Ronald Wolf kennt er aus seinen Dresdner Zeiten. Marcel Reck sieht sich selbst als Stimmungskanone, als einen „Kabinenspieler“, wie er sagt.

Erlaubt es seine Zeit und werden die Corona-Einschränkungen aufgehoben, wird Reck auch wieder als Zuschauer im Harbig-Stadion sein. „Ich bin Dynamo-Anhänger durch und durch, fahre, wenn möglich, zu den Auswärtsspielen.“ Und dann erinnert er sich doch wieder an seinen Traum vom Profifußball: „Klar, habe ich schon manchmal gedacht, wie geil wäre es, nicht als Fan im Stadion zu sein, sondern als Dynamo-Spieler da unten auf dem Rasen zu stehen.“

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