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Ex-Dynamo Paulus: „Ich hatte noch nie höher verloren“

Fußball-Landesligist Pirna kämpft gegen den Abstieg. Trainer Frank Paulus kennt die Gründe – und vertraut seinem Team.

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Hält Rang acht noch für erreichbar: Copitz-Trainer Frank Paulus.
Hält Rang acht noch für erreichbar: Copitz-Trainer Frank Paulus. © Archiv: Marko Förster

Pirna. Die Saison in der Fußball-Landesliga Sachsen ist unterbrochen – wie geht es weiter? Zumindest scheint sicher, dass die geplante Meisterrunde sowie die Abstiegsrunde, die Mitte März 2022 beginnen sollten, nicht gespielt werden können. Eine Abrechnung der laufenden Serie nach der Hinrunde (19 Spieltage) zeichnet sich deshalb ab. Im ungünstigsten Fall müssten dann acht Vereine absteigen.

Der VfL Pirna-Copitz befindet sich als Tabellen-16. in akuter Gefahr, hat nur zwei seiner zehn Punktspiele gewonnen. Ganz so überraschend dürfte der Leistungsabfall für das Trainerduo Frank Paulus - als Profi von 1999 bis 2003 bei Dynamo Dresden unter Vertrag - und Enrico Mühle allerdings nicht kommen, schließlich verließen viele Stammspieler im Sommer den VfL.

Herr Paulus, Ihr Töchterchen wird sicher nicht böse sein, dass der Fußball aktuell ruht, oder?

Stimmt, ich habe jetzt mehr Zeit für die Kleine, vor allem an den Wochenenden. Dennoch ist die aktuelle Situation für mich als Fußball-Trainer nicht sehr angenehm. Mir geht es da nicht anders als den meisten Spielern. Das macht so keinen Spaß. Angesichts unseres zuletzt aufgrund von Verletzungen und Corona arg dezimierten Kaders kam die Pause allerdings nicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Am 30. Oktober stand das letzte Punktspiel an – und es war ein rabenschwarzer Tag für den VfL. Wie ging es Ihnen nach dem 0:7 in Kamenz?

Ich hatte noch nie höher verloren. Mit Alemannia Aachen haben wir mal bei Greuther Fürth ein 1:7 kassiert. Das war aber für mich persönlich fast ein „Gewinn“. Trainer Jörg Berger hatte mich damals nicht aufgestellt und ich saß 90 Minuten auf der Bank. So gesehen, habe ich dort nur mitgelitten. Aber zurück zur Schlappe in Kamenz: Zwei, drei Tage danach war ich kaum ansprechbar. Das war schon ein Schock. Die Vorzeichen standen zwar nicht gut, weil wir große Personalprobleme hatten, trotzdem hätten wir das anders regeln müssen.

Der Saisonstart mit dem 7:1-Landespokalsieg gegen Niesky weckte Hoffnungen. War der Kantersieg Gift für Ihre jungen Spieler?

Weil sie sich überschätzt haben? Nein, das glaube ich nicht. Aber der Auftakt sorgte für eine gewisse Euphorie, zumal auch der Punktspielstart gegen Motor Wilsdruff erfolgreich verlief. Vielleicht dachte der eine oder andere, wir sind schon weiter, als wir es tatsächlich waren. Ich persönlich bin aber nach wie vor davon überzeugt, dass wir mit diesem Team sportlich im Mittelfeld der sechsten Liga mithalten können.

Hatten Sie mit so vielen Abgängen im Sommer gerechnet?

Gerechnet nicht, aber geahnt. Der Verein musste, auch bedingt durch die Corona-Pandemie, Einsparungen vornehmen. Wir haben einen der besten Rasenplätze in Sachsen, die Strukturen im Verein stimmen, Trainer und Management arbeiten professionell. Das sind viele Pluspunkte, aber wenn ein Spieler in dieser Liga bei einem anderen Verein eine höhere Entschädigung, teilweise mehr als das Doppelte, erhält, darf man es den Jungs nicht verübeln, wenn sie sich zu einem Wechsel entschließen. Dann kann er vielleicht einmal mehr in den Urlaub fahren, weil sein finanzieller Spielraum größer ist. Das ist legitim.

Geht es im Amateurbereich auch nur ums Geld?

Nein, natürlich nicht. Wie Sie wissen, ist der VfL ein reiner Landesliga-Verein. Selbst wenn wir oben mitspielen würden, käme ein Aufstieg in die Oberliga nicht in Frage. Es gab und gibt aber Spieler, ich denke da an Kay Weska oder Eric Ranninger, die noch einmal in der Oberliga spielen wollten. Kay hat das in Bautzen jetzt schon, und Eric möchte mit dem SC Freital aufsteigen.

Sehen Sie Chancen, personell in den kommenden Wochen nachzulegen?

Nein, wir haben da kaum finanziellen Spielraum. Wichtig wird sein, dass alle Spieler bis zum Re-Start gesund werden. Wir haben nicht mehr diesen großen Kader mit 23, 24 Spielern, dementsprechend sind wir qualitativ in der Breite nicht mehr so gut aufgestellt. Spieler wie Ron Wochnik, John-Benedikt Henschel, Ronald Wolf oder Nico Wermann, die uns fehlten, brauchen wir für die Mission Klassenerhalt. Wichtig wird sein, alle möglichst fit zu halten oder zu bekommen, gerade während der Phase, in der wir kein Mannschaftstraining absolvieren können. Selbst unsere abgewanderten Führungsspieler hatten nach der letzten Lockdown-Phase Probleme, wieder in Tritt zu kommen. Das müssen wir diesmal besser hinbekommen.

Was passiert, sollte es 2022/23 in der Landesklasse weitergehen?

Es wird richtig schwer, aus der unteren Tabellenhälfte rauszukommen. Da muss bei einigen Spielern auch im Kopf etwas passieren. Abstiegskampf hat viel mit Druck zu tun. Da geht es nicht mehr um schönen Fußball, sondern um gute Ergebnisse. Das müssen alle Spieler begreifen. Sollte es uns doch erwischen, werden wir uns alle zusammensetzen und analysieren. Ich bin dem Verein schon sehr lange verbunden, am Ende geht es aber um den VfL und nicht um meine Person. Im Moment mache ich mir zu diesem Thema allerdings keine Gedanken und werde auch die nächste Saison zusammen mit Enrico Mühle und Geschäftsführer Oliver Herber planen.

Wo landet der VfL in der Endabrechnung – und wer steigt auf?

Ich denke, für uns ist Rang acht noch realistisch. Als Aufsteiger sehe ich die Freitaler. Die spielen zwar nicht den schönsten Fußball im 20er-Feld, aber sie haben viel Erfahrung im Kader, treten geschlossen auf und sind durch ihre Physis den anderen Teams meist überlegen.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.