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Corona: Schlechte Zeiten fürs Taxameter

Das öffentliche Leben steht still, Menschen sollen zu Hause bleiben: Der Lockdown vermiest Taxifahrern das Geschäft. Ein Pirnaer Fahrer erzählt.

Andreas Urban vor seinen Taxen: Nur wenige davon müssen überhaupt vom Schnee befreit werden.
Andreas Urban vor seinen Taxen: Nur wenige davon müssen überhaupt vom Schnee befreit werden. © Urban Taxibetrieb GmbH&CO.KG

Die Motoren stehen still, viele Fahrer müssen in Kurzarbeit - wie so viele Branchen leidet auch das Taxigeschäft unter der Pandemie. Mit Umsatzeinbußen und einem massiven Einbruch an Fahrten erlebte es 2020 ein unvergleichlich schlechtes Jahr. Andreas Urban, Vorstand der Taxigenossenschaft Pirna, erzählt Sächsische.de wie die Taxiunternehmen durch die Coronakrise kommen und gibt einen Ausblick auf die Zukunft.

Umsatzeinbußen von 70 Prozent

Die beiden Lockdowns hätten dem Taxigeschäft übel zugesetzt, sagt der 68-Jährige. Es werden viel weniger Fahrten angefragt, seit Geschäfte und Gaststätten dicht sind. Die Pirnaer Genossenschaft, in der sich etwa zwölf Unternehmen befinden, verzeichnete im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen von etwa 70 Prozent.

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Das zeigt sich vor allem beim Blick auf die Statistik. Durch die Taxizentrale wurden 2020 nur knapp 28.000 Fahrten vermittelt - das sind fast 13.000 weniger als sonst. Noch drastischer sei der Einbruch bei den Fahrten, die nicht in der Statistik der Zentrale auftauchen. Dazu zählen der Schülerverkehr und Behindertenfahrdienst, die seit den Schließungen öffentlicher Einrichtungen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr stattfinden. Außerdem nicht mitgezählt werden spontane Fahrten, beispielsweise wenn jemand am Bahnhof in ein Taxi steigt. "Aber das ist minimal, denn es ist ja niemand mehr unterwegs", erklärt Andreas Urban.

Trotz allem werde sich an den Fahrtpreisen nichts ändern, sagt er. Alle Taxen fahren zu einem festen Tarif, der sich aus einer Grundgebühr, verschiedenen Kilometerpreisen, sowie einer zeitabhängigen Komponente für Stand- und Wartezeiten errechnet. Dieser Tarif wurde für den Raum Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zuletzt im Juli 2015 festgelegt.

Viele Fahrer in Kurzarbeit

Mit der mangelhaften Auftragslage kam die Kurzarbeit. Entlassen könne man die Fahrer nicht, sagt Urban. Denn man würde später, wenn die Corona-Einschränkungen wegfallen, keinen Ersatz finden. "Neue Taxifahrer zu akquirieren ist sehr schwer. Das scheitert schon an der Ortskundeprüfung", erklärt er. Um als Taxifahrer zugelassen zu werden, muss man diese Prüfung ablegen. Allerdings bestehen längst nicht alle Bewerber diese Prüfung.

In den Taxen gelten derzeit die gleichen Hygienemaßnahmen wie in öffentlichen Verkehrsmitteln. Das heißt: Maske tragen und Abstand halten - soweit das im Auto möglich ist. "Wir haben für unsere Fahrzeuge auch Trennwände aus Plastik, damit die Gäste, die hinten sitzen, besser geschützt sind", sagt Andreas Urban. Einige seiner Fahrer halten die Schutzmaßnahmen auf diesem engen Raum dennoch für nutzlos.

In der Taxigenossenschaft Pirna wurde seit Beginn der Pandemie ein Fahrer positiv auf Covid-19 getestet. Aus Sicht von Andreas Urban sei das Taxi die beste Alternative zu Bus und Bahn, weil man hier mit wesentlich weniger Menschen in Berührung komme.

Car-Pooling als Konkurrenz für Taxen

Wie es mit dem Taxigeschäft weiter geht, hängt nun vom Infektionsgeschehen ab. Davon, wann Geschäfte, Restaurants, Schulen und andere Einrichtungen wieder öffnen. Fest steht: Solange das Leben still steht, werden auch Taxen wenig nachgefragt bleiben.

Einen herben Schlag für das Taxigewerbe würden zudem die von der Stadt Pirna vorgelegten Digitalisierungspläne darstellen. Das Konzept der "Smart-City" bringe für Taxifahrer einen Konkurrenten ins Spiel, meint Urban. Neben "Dynamischen Fahrplananzeigen" und "Handyparken" sieht der Plan auch auch "Car-Pooling" vor. Bei dieser Idee soll das bestehende Mobilitätsangebot durch einen Fahrzeug-Pool ergänzt werden, vor allem zu den Zeiten, zu denen keine Busse mehr unterwegs sind. Das bedeutet, dass sich mehrere Menschen ein Mietauto teilen. Per App kann man nach Fahrten suchen und diese buchen. Den Taxifahrern würden damit perspektivisch wichtige Kunden verloren gehen.

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