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THW Pirna: Ohne Mampf kein Kampf

Seit drei Jahren beköstigt Tomáš Pác die Einsatzkräfte mit nahrhafter Kost. Dabei kocht er nicht nur sein eigenes Süppchen.

Pirnas THW-Köche Philipp Scholz (l.), Tomáš Pác: Hunger macht die Helfer grillig.
Pirnas THW-Köche Philipp Scholz (l.), Tomáš Pác: Hunger macht die Helfer grillig. © Susan Schmidt/THW Pirna

Auch wenn im vergangenen Jahr vieles herunterfuhr, bescherte die Corona-Pandemie dem Ortsverband Pirna des Technischen Hilfswerkes (THW) nicht wirklich eine Pause. Zwar fielen die meisten Ausbildungszeiten flach, weil viele Lehrgänge gestrichen wurden.

Gleichwohl spulten die 72 Einsatzkräfte 2020 rund 19.500 Einsatzstunden ab. Unter anderem halfen sie dabei, an der deutsch-polnischen Grenze einen Zaun gegen Wildschweine aufzubauen, damit sich die Afrikanische Schweinepest nicht weiter ausbreitet. Sie bauten die Abstrichambulanz am Copitzer Berufsschulzentrum auf und ab, unterstützten Spezialisten bei der Brandursachenermittlung, übernahmen jede Menge Kurier- und Logistikfahrten, halfen dabei, den Borkenkäfer zu bekämpfen, THW-Taucher bargen ein Entwässerungsrohr.

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Damit diese oft kräftezehrenden Einsätze reibungslos ablaufen, muss die Technik funktionieren, jeder Handgriff muss sitzen.

Allerdings ist noch etwas anderes essentiell wichtig: gesunde, nahrhafte Kost, die die Einsatzkräfte stärkt und sättigt. "Denn Hunger macht die Helfer grillig und leistungsunfähiger", sagt Susan Schmidt, Sprecherin des Pirnaer THW-Ortsverbandes.

Mit Gulasch und Knödeln überzeugt

Herr über Töpfe und Pfannen, und damit einer der wichtigsten Männer bei der Truppe, ist seit drei Jahren Tomáš Pác. Der 32-Jährige ist in Prag geboren und aufgewachsen, ließ sich später in Tschechien zum Lokführer ausbilden und steuert nun schon seit zwölf Jahren Züge übers Schienennetz.

Vor fünf Jahren kam Pác der Liebe wegen nach Deutschland, wenig später entdeckte er auch seine Liebe zum THW, seit Juni 2016 ist er Mitglied im Pirnaer Ortsverband. Nach einem Jahr Grundausbildung gehörte er für ein Jahr der Bergungsgruppe an, dann wechselte er als Koch in die Küche.

Das schwere Bergungsgerät tauschte er eher zufällig mit Messer und Kochlöffel. Damals gab es bereits einen Koch beim THW, der aber aus beruflichen Gründen keine Zeit mehr für diese Aufgabe hatte. "Da habe ich mich angeboten", sagt Tomáš Pác.

Um die anderen von seinen Garkünsten zu überzeugen, kochte er probeweise etwas aus seiner Heimat: Gulasch und Knödel. Das kam so gut an, dass er seither der Mann der Gaumenfreuden ist.

Löffel und Schüssel müssen oft reichen

Pác kocht oft Gerichte, die er bereits zuhause ausprobiert und für gut befunden hat. Inspirieren lässt er sich aber auch von einem Kochbuch, das es eigens fürs THW gibt. Darin ist unter anderem beschrieben, wie man viele Menschen beköstigt und auch Reste verwertet, um so wenig Lebensmittel wie möglich wegzuwerfen.

Pác kümmert sich aber nicht nur um den reinen Speiseplan, er muss auch stets kalkulieren, wie lange die Vorbereitungszeit dauert und wie viele Einsatzkräfte zu bekochen sind. Je mehr Leute, desto mehr Zeit benötigt er.

Hilfreich ist zuweilen auch das Internet. Hier informiert sich der Koch über Bedarf und Aufwand und entscheidet, was machbar ist. "Im Idealfall ist es ein Gericht, was man mit einem Löffel und einer Schüssel gut essen kann", sagt er.

Die THW-Kräfte im Einsatz benötigen auch größere Portionen im Vergleich zu den sonst alltäglichen Mengen, weil sie gerade bei körperlich schweren Einsätzen mehr Kalorien verbrennen.

Koch wacht auch über Ruhe und Schlaf

Je nach Bedarf muss Tomáš Pác bis zu drei Mahlzeiten an einem Ausbildungs- oder Einsatztag bereitstellen, da ist nicht nur seine Kochkunst gefragt. Er muss auch die benötigten Lebensmittel planen und besorgen. Zudem überwacht er die Vorräte und deren Haltbarkeit, er ist auch zuständig für die Hygiene.

Pác muss die Mahlzeiten sowohl in der ortsfesten als auch in der Feldküche zubereiten können. Im Einsatzfall sorgt er darüber hinaus für Schlaf- und Ruhestellen für die Helfer und versorgt sie mit Getränken und zwischendurch auch mal mit kleinen Snacks.

Der gebürtige Tscheche ist kein gelernter Koch von Berufswegen. Um die Hungrigen zu sättigen, absolvierte er nach seiner Grundausbildung beim THW noch eine als Feldkoch. Unterstützt wird er bei seiner Arbeit von Philipp Scholz, dem zweiten Koch beim THW Pirna. "Die beiden schlüpfen bei uns super in diese Rollen", sagt Susan Schmidt.

Auch das gehört zur Aufgabe eines THW-Kochs: Tomáš Pác überprüft das Haltbarkeitsdatum von gefrosteten Brötchen.
Auch das gehört zur Aufgabe eines THW-Kochs: Tomáš Pác überprüft das Haltbarkeitsdatum von gefrosteten Brötchen. © Susan Schmidt/THW Pirna

Kochen, anrichten, kalkulieren, nichts vergessen

Für die Essenszubereiter beginnt der Dienst oft schon vor allen anderen. Mindestens eine Stunde vor Dienstbeginn ist Tomáš Pác zur Stelle, damit das Frühstück pünktlich auf dem Tisch steht. Danach ist Aufräumen angesagt, und schon geht's ans Mittagessen. Manche Gerichte bereitet er sogar schon am Vortag vor.

Unabhängig von den Einsätzen gibt es beim Pirnaer THW ein oder zwei Ausbildungstage im Monat, dort sind die Köche stets mit eingeplant, um die Helfer zu verpflegen. Zugleich trainieren sie dabei wichtige Abläufe.

Sie kochen verschiedene Mengen, testen Vorbereitungs- und Anrichtzeit, kalkulieren die Anreise zum möglichen Einsatzort, proben, wie die Speisen in die Thermoboxen verladen werden, müssen sicherstellen, dass ausreichend Getränke und Besteck mit auf den Transport gehen. Denn im Ernstfall sollte das Essen immer pünktlich und frisch an der Einsatzstelle ankommen. Hungrige Mägen warten ungern.

Mehr Vorräte als sonst gebunkert

Die Corona-Pandemie stellt Tomáš Pác dabei vor besondere Herausforderungen. So muss er derzeit mehr als sonst darauf achten, dass die Hygieneregeln eingehalten werden. Essen darf nur noch er ausgeben, Wurst und Käseplatten beispielsweise müssen stets abgedeckt sein, wenn sich gerade keiner daran bedient. Und die Essenszeiten sind jetzt gestaffelt, um die nötigen Abstände einzuhalten und größere Ansammlungen zu vermeiden.

Ebenso gelten beim Vorrat andere Richtlinien. Im Lager stehen nun so viele Zutaten, dass es für sieben Tage á drei Mahlzeiten für 50 Personen reicht. Mit diesem aufgestockten Vorrat sollen die Einsatzkräfte im Notfall länger autark agieren können. Im Normalfall müssen nur Vorräte für drei Tage gelagert werden.

Bei seinen Mitstreitern ist Tomáš Pác sehr beliebt. "Er ist immer hilfsbereit, freundlich und sehr engagiert. Man muss ihn einfach mögen", sagt Susan Schmidt.

Er übernimmt beim THW auch gern Aufgaben außerhalb der Küche und ist dann beispielsweise - ausgerüstet mit einem Lkw-Führerschein - auch als Kurierfahrer unterwegs. Am liebsten bekocht er aber seine THW-Kollegen. "Essen und Trinken", sagt Tomáš Pác, "hält schließlich Leib und Seele zusammen."

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