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Todesfahrer von Lohmen muss doch ins Gefängnis

Koch Nico P. hatte sich ans Steuer gesetzt, obwohl er getrunken hatte. Für eine junge Frau endete das tödlich. Gegen die Strafe war der Mann mehrfach angegangen.

Beim Unfall im Oktober 2018 war Alkohol im Spiel. Der Koch, der eine junge Frau totfuhr, ging trotzdem schon mehrfach gegen seine Verurteilung vor.
Beim Unfall im Oktober 2018 war Alkohol im Spiel. Der Koch, der eine junge Frau totfuhr, ging trotzdem schon mehrfach gegen seine Verurteilung vor. © Marko Förster

Man kann sich kaum vorstellen, welchen Schmerz die Mutter des Opfers durchlitten haben muss. Am Abend des Unfalls, so schilderte sie gestern am Landgericht in Dresden, war sie schon zu Bett gegangen, als sich der Freund ihrer Tochter telefonisch meldete, weil Aline D. nicht wie verabredet bei ihm angekommen war.

Zusammen mit ihrem Sohn hatte sich die heute 41-Jährige damals sofort auf den Weg gemacht, um zu schauen, was passiert war. Doch unterwegs erreichte sie ein weiterer Anruf. Er kam von ihrem Mann, der ihr sagte, sie solle umkehren. Die Polizei sei da. „Ich kann mich noch daran erinnern, wie mein Mann mir die Tür öffnete und weinte. Als ich dann erfuhr, dass mein Kind tot ist, brach ich zusammen“, erzählte sie leise.

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Dieser Abend liegt inzwischen zwei Jahre und acht Monate zurück und noch immer kann die zierliche Frau nicht damit abschließen. Denn gestern wurde bereits zum vierten Mal gegen den Mann verhandelt, der für den Tod ihrer Tochter verantwortlich ist.

Was war passiert? Am Abend des 26. Oktober 2018 war Nico P. auf dem Heimweg vom elterlichen Gasthaus in Dohna. Der Koch hatte einen anstrengenden Dienst in der Küche hinter sich. Und er hatte getrunken. 1,21 Promille wurden später bei ihm festgestellt. Kurz hinter dem Ortsausgang Lohmen, in Richtung Hohnstein fahrend, setzte er trotz durchgezogener Linie zum Überholen an. Dass ihm Aline D. entgegenkam, sah er nicht. Frontal war Nico P. mit seinem Renault in den Mazda der jungen Frau gekracht. Sie hatte keine Chance und verstarb noch an der Unfallstelle.

Wegen fahrlässiger Tötung wurde der 45-Jährige im Sommer 2019 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Doch obwohl der Angeklagte seine Schuld eingeräumt und beteuert hatte, Verantwortung für seine Tat übernehmen zu wollen, war er gegen das Urteil vorgegangen. Ein Argument war, dass er nicht abkömmlich sei, weil seine Eltern ohne ihn als Koch ihr Gasthaus schließen müssten. Doch dem folgte man am Landgericht nicht. Die Richterin sah es wie das Pirnaer Amtsgericht und bestätigte das Urteil. Nico P. ging in Revision – mit Erfolg.

Das Oberlandesgericht Dresden verwies wegen Ungenauigkeiten in der Argumentation für die Strafzumessung das Verfahren zurück ans Landgericht. Dort wurde am 25. Mai 2020 vor einer anderen Strafkammer erneut verhandelt. Es blieb auch da bei einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Wieder wurde das Urteil zur rechtlichen Überprüfung beim OLG eingereicht und wieder verwies dieses das Verfahren zurück ans Landgericht.

Gericht lehnt Bewährungsstrafe ab

Eine weitere Strafkammer hat sich gestern erneut mit dem Fall auseinandergesetzt. Nicht nur für den Angeklagten war es ein schwerer Gang. Auch die Mutter des Opfers, die als Nebenklägerin auftrat, musste erneut aussagen. Doch auch die 10. Strafkammer verhängte keine Bewährungsstrafe für den bisher unbescholtenen Deutschen. Betrunken, mit überhöhter Geschwindigkeit bei durchgezogener Linie am Berg zu überholen, sei einfach extrem, betonte der vorsitzende Richter. Hier würde eine Bewährungsstrafe bei der Bevölkerung auf Unverständnis und Ablehnung stoßen. Allerdings setzte er das Strafmaß wegen der langen Verfahrensdauer auf ein Jahr und zehn Monate herab. Auch gegen dieses Urteil kann der Angeklagte wieder in Revision gehen.

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