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Kletterunfall in Pirna: Rätsel ums Gipfelbuch

Mitte Juni stürzte ein Mann an den Pirnaer Bastionen ab. Danach wollte die Stadt die illegale Kletterroute entschärfen. Doch jemand war schneller.

Absturz an den Bastionen: Helfer versorgen den lebensgefährlich verletzten Mann an der Unfallstelle.
Absturz an den Bastionen: Helfer versorgen den lebensgefährlich verletzten Mann an der Unfallstelle. © Daniel Förster

Pirna. Die offenkundig illegale Klettertour eines Mannes an den Bastionen der ehemaligen Festung Pirna-Sonnenstein gibt auch einen Monat nach dem tragischen Unfall noch Rätsel auf. Inzwischen sind einige Gegenstände aus der Wand verschwunden, die eigentlich die Stadt entfernen lassen wollte. Doch offenbar ist ihr jemand zuvorgekommen. Wer das gewesen sein könnte, ist noch unklar, das Rathaus will aber die Umstände ermitteln.

Der 38-jährige Mann war am Abend des 13. Juni bei dem Versuch, die Bastionen-Mauer zu erklimmen, abgestürzt. Dabei verletzte er sich lebensgefährlich.

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Mehrere Stunden notoperiert

Der Kletterer war unterhalb des Schlosses Sonnenstein eine mehr als 18 Meter hohe Wand der einstigen Wehranlagen emporgeklettert. Dabei waren noch zwei Jugendliche, die ihn offenbar unterstützten und ihm wohl folgen sollten. Der Mann hatte eine Kletterausrüstung bei sich. Nach den ersten Metern legte er eine Sicherung, dazu befestigte er in einer Höhe von etwa sieben, acht Meter einen Haken mit Schlinge.

Nachdem der Mann etwa ein Drittel der Wand erklommen hatte, löste sich die Sicherung. Er stürzte ab und schlug auf dem unterhalb der Mauer liegenden Canalettoweg auf. Der Notarzt versetzte den lebensgefährlich Verletzten noch an der Unfallstelle in ein künstliches Koma. Wenig später kam er auf schnellstem Weg in die Klinik, wo er mehrere Stunden notoperiert wurde.

Mysteriöses kleines Kästchen an der Bastionen-Wand: Was es beherbergte, ist unklar, inzwischen ist es verschwunden.
Mysteriöses kleines Kästchen an der Bastionen-Wand: Was es beherbergte, ist unklar, inzwischen ist es verschwunden. © Daniel Förster

Aufstieg trotz Verbot

Warum der Mann dort hinauf wollte, ist nach wie vor unklar. Vielleicht war bei der Aktion auch Alkohol im Spiel. An der Absturzstelle fand sich neben der Kletterausrüstung auch eine Flasche Bier. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Laut der Ermittler gebe es keinen Verdacht auf eine Straftat.

Aber eigentlich hätte der Mann die Mauer gar nicht erklimmen dürfen. Nach Aussage der Stadt sei das Klettern an der Außenwand der Bastionen nicht gestattet - da es sich nicht um einen Felsen, sondern um dem Teil eines Gebäudes handelt. Aber der abgestürzte Mann war offenbar nicht der Erste, der an dieser Stelle einen Aufstieg wagte.

War es eine illegale Kletterroute?

Mehrere Gegenstände legen den Verdacht nahe, dass es sich um eine illegale Kletterroute handeln könnte. So befand sich zum Zeitpunkt des Absturzes in etwa 15 Meter Höhe ein kleines Kästchen an der Wand, es sah aus wie die blecherne Hülle eines Gipfelbuches.

Weiter unten in der Wand hing zudem eine Seilschlinge mit einem Karabinerhaken. Kurz nach dem Unfall gab die Stadt bekannt, dass sie die betreffende Wand untersuchen lassen will. Wenn sich dort illegal angebrachte Sicherungssysteme für Kletterer befinden, sollten diese entfernt werden. Doch offenbar war jemand schneller.

Seilschlinge mit Karabinerhaken als Kletterhilfe: Unbekannte entfernten den Karabiner kürzlich.
Seilschlinge mit Karabinerhaken als Kletterhilfe: Unbekannte entfernten den Karabiner kürzlich. © Daniel Förster

Wer kam der Stadt zuvor?

Seit einigen Tagen sind sowohl das an ein Gipfelbuch erinnernde Kästchen als auch der Karabinerhaken verschwunden, lediglich die Seilschlinge hängt noch etwa in sechs Meter Höhe im Mauerwerk, was inzwischen auch das Rathaus bei einer Kontrolle feststellte. "Die Stadt hat die Gegenstände aber nicht entfernt", sagt Stadtsprecher Thomas Gockel. Er vermutet, dass Kästchen und Karabiner von jemand anderem beseitigt wurden, mutmaßlich, um Spuren der illegalen Kletterroute zu verwischen.

Doch in diesem Fall hätte erneut jemand die Wand emporklettern müssen, weil sich weder Kästchen noch Karabiner auf anderem Weg erreichen lassen. Das wäre aber wieder ein Verstoß gegen das dort geltende Kletterverbot gewesen. Das Rathaus will nun ermitteln, wer die Gegenstände zunächst an der Bastionen-Wand befestigte und nachher wieder entfernte. Ebenso prüft die Stadt, ob sie an dieser Stelle künftig Schilder aufstellt - mit einem deutlichen Hinweis auf das Kletterverbot.

Offensichtlich kein Geocache

Allerdings bleibt nun vorerst weiter unklar, was sich tatsächlich in der kleinen grauen Box befand. Anzeichen darauf, dass es sich um ein verstecktes Schatzkästchen - ein sogenanntes Geocache - handelt, verdichteten sich bislang nicht.

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Beim Geocaching werden üblicherweise solch kleine Kästchen, oft auch an schwer zu erreichenden Stellen, platziert. Es gilt dann, sie mithilfe von GPS-Daten aufzuspüren, der Finder kann sich in einem kleinen Büchlein verewigen - und die Box dann wieder verstecken. Nach Informationen aus der Geocaching-Szene gebe es aber an der Bastionen-Wand in Pirna keinen Geocache - zumindest keinen offiziellen.

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