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Müglitztal: "Es geht uns nicht um generelle Fahrverbote"

Schilder und Kontrollen halten Raser nicht auf. Was aber dann? Eine Bürgerinitiative gegen Bikerlärm im Müglitztal hat konkrete Vorschläge.

Bärbel Lehmann machte sich am 4. Juli selbst ein Bild von den Kontrollen in Schlottwitz. Die Kontrollen sind im Moment die einzige Möglichkeit, sagt sie.
Bärbel Lehmann machte sich am 4. Juli selbst ein Bild von den Kontrollen in Schlottwitz. Die Kontrollen sind im Moment die einzige Möglichkeit, sagt sie. © Marko Förster

Die Saison hat begonnen. Die Motorradfahrer freut es, die Anwohner nicht. Am 4. Juli gab es die erste Großkontrolle des Jahres im Müglitztal. Sie bestätigte trotz der elf zu lauten Maschinen bei 115 kontrollierten Motorrädern: Die meisten Biker halten sich an die Regeln und ärgern sich genauso wie die Anwohner über die, die es nicht tun. Was aber mit denen machen, die es nicht tun? Bärbel Lehmann aus Mühlbach kämpft seit Jahren mit einer Bürgerinitiative gegen den Lärm. Warum der Lärm ein Problem ist, warum Kontrollen nicht wirklich helfen und doch die einzige Möglichkeit sind und was die Forderungen sind, hat Sächsische.de nachgefragt.

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Was haben Sie gegen Motorradfahrer, Frau Lehmann?

Wir Mitglieder der IG Müglitztal und alle deutschen Bürgerinitiativen treten für ein sozialverträgliches Motorradfahren ein. Soll heißen, wer rücksichtsvoll für Mensch und Natur fährt, ist willkommen. Nicht aber diejenigen, die unser schönes Müglitztal, welches ein Natur- und Landschaftsschutzgebiet ist, als Rennstrecke in Lautstärke und Geschwindigkeit missbrauchen. Aufgrund der steigenden Anzahl von Motorrädern müssen endlich die Anwohner mehr Schutz vor unnötigem Lärm erfahren.

Das Müglitztal ist zwischen Weesenstein und Altenberg voller Schilder, die auf das Bemühen der Bürgerinitiative zurückgehen. Was bringen diese Schilder?

Die Schilder sollen sensibilisieren. Der Lärm ist leider dadurch nicht spürbar weniger geworden. In Gesprächen mit Motorradfahrern hören wir, dass die „schwarzen Schafe“ so etwas nicht stoppt.

Am vergangenen Sonntag gab es eine Großkontrolle. Weitere sollen folgen. Trotzdem gibt es sie nur sehr selten. Warum begrüßen Sie sie trotzdem?

Die Großkontrollen sind im Moment die einzige wirksame Möglichkeit, das Problem einzudämmen. 18 Prozent Ordnungswidrigkeiten an nur einem Tag in sechs Stunden, und es konnte nur ein Teil kontrolliert werden. Erst wenn die Straßenverkehrsordnung, das gesamte Zulassungsgeschehen und die Bußgelder der tatsächlichen Situation angepasst werden, kann man die Kontrollen zurückfahren. Es muss auch ein Umdenken bei den Motorradfahrern und der Industrie stattfinden. Lautes Fahren darf nicht mehr cool sein. Allen ist klar, das wird dauern, deshalb diese Maßnahmen.

Sie sagen selbst, die meisten Biker fahren ordentlich, rund ein Fünftel zu schnell, zu laut. Denen sei nur mit Restriktionen beizukommen, die aber auch die vier Fünftel treffen. Ist das gerecht?

Es geht uns nicht um generelle Fahrverbote, wie das auf Bikerdemos behauptet und kommuniziert wird. Diese Maßnahmen richten sich gegen diese 20 Prozent. Wir haben mit vielen Bikern gesprochen, die ordentlich fahren. Für diese ist es okay, dass kontrolliert wird, damit die schwarzen Schafe identifiziert werden. Aber: Ist es gerecht, dass Rasenmähen und Lkw am Sonntag verboten sind, laute Motorräder aber nicht? Ist es gerecht, dass an Spitzentagen, wie Pfingstmontag von den etwa 800 Maschinen rund 150 Maschinen Lautstärken 80 – 106 Dezibel in einem Landschafts- und Naturschutzgebiet fahren dürfen? Ist es gerecht, dass mit der neuen Euro-4-Norm die Motorräder lauter statt leise geworden sind? Ist es gerecht, dass Menschen, die nur ihr Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und den Schutz ihres Eigentums einfordern, derart darum kämpfen müssen und das in einem Rechtsstaat?

Was wäre aus Ihrer Sicht gerecht?

Gerecht für uns wäre, wenn alle Motorräder und Pkw nicht lauter als 80 Dezibel in allen Fahr- bzw. Betriebszuständen fahren dürften und könnten.

Sie plädieren für die Geräuschpegel-Grenze und ein Verbot für Motorräder, die sie überschreiten. Lösen Verbote das Problem oder verlagern sie es nicht nur?

Wir plädieren für das Tiroler Modell. Dort können alle rücksichtsvollen Fahrer unterwegs sein bzw. hat jeder Motorradfahrer die Möglichkeit, laute Maschinen auf leise zurückzurüsten. Um so schneller das passiert, um schneller können alle überall fahren. An erster Stelle muss stehen, welcher Lärmpegel darf noch in den Gärten der Anwohner ankommen und nicht, was steht in der Zulassung. Dort gibt es zu viele Gesetzeslücken.

Welche zum Beispiel?

Die Auspuffklappen. Sie sind ein zentrales Manipulationsinstrument für mehr "legalen" Auspufflärm ab Werk. Sie müssen verboten werden.

Sie sind seit über zehn Jahren mit der Bürgerinitiative aktiv. Was hat sich in dieser Zeit wie verändert?

Das Problem hat alle politischen Ebenen erreicht, also die Aufmerksamkeit hat sich erhöht. Da immer mehr landschaftlich reizvolle Gebiete, vor allem in den Mittel- und Hochgebirgen betroffen sind, nimmt die Anzahl der Bürgerinitiativen ständig zu. Mittlerweile gibt es ein gesamtdeutsches Netzwerk, dem wir angehören und einen europäischen Austausch. Alle große Medien haben das Thema aufgegriffen und wollen sich weiterhin damit befassen. Deshalb ist es wichtig, dass man sich auf allen Ebenen sachlich austauscht und eine ehrliche Analyse des Geschehens vornimmt. Miteinander reden ist immer gut.

In Mühlbach und Lauenstein stehen Blitzer, die auch Motorradfahrer erfassen können. Sind da andere Anwohner neidisch?

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Schönes Wetter ist gut für Biker und damit schlecht für Anwohner. Im Müglitztal ist die Polizei mit einer Großaktion in die Saison gestartet.

Wo die Blitzer aufgestellt wurden, haben Fachleute entschieden und nicht die Anwohner oder die Initiative. Um Neid geht es hier nicht. Hier geht es einzig und allein darum, dass Gerechtigkeit ausgeübt werden kann. Mit normalen Blitzern können Motorräder nicht erfasst werden. Diese Blitzer könnten auch gern in anderen Orten des Tales stehen, es müssen aber immer verkehrsrechtliche und bauliche Gegebenheiten stimmen. Leider bringen diese Anlagen relativ wenig. Von den Motorradfahrern wird die Anlage gern umfahren und danach mit entsprechenden Lautstärken beschleunigt.

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