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Das Müglitztal, die Biker und die Probleme

Schönes Wetter ist gut für Biker und damit schlecht für Anwohner. Im Müglitztal ist die Polizei mit einer Großaktion in die Saison gestartet.

Großkontrolle der Polizei am Sonntag in Schlottwitz: Schwerpunkt sind die Motorradfahrer, aber nicht nur.
Großkontrolle der Polizei am Sonntag in Schlottwitz: Schwerpunkt sind die Motorradfahrer, aber nicht nur. © Marko Förster

Sie kommen meist nicht allein und oft sind sie schon zu hören, bevor man sie sieht: Motorradfahrer. Schätzungsweise 20 Prozent aller sind zu laut, zu schnell, zu.... Diese 20 Prozent nerven die Anwohner und ruinieren den Ruf der 80 Prozent. Am Sonntag hat die Polizei in Mühlbach und Schlottwitz sechs Stunden lang - nicht nur Motorräder - kontrolliert. Dass es erst einen Tag vorher einen schweren Unfall einer Motorradfahrerin gegeben hatte, ist Zufall, macht aber das Problem deutlich. Die Polizeireviere Pirna, Dippoldiswalde und Freital sowie die Verkehrsinspektion waren im Einsatz. Schwerpunkt der Kontrollen waren technische Umbauten, die oft mit mehr Lärm verbunden sind. Der Lärm, der durch zu schnelles Fahren entsteht, rückt dabei oft in den Hintergrund.

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Das idyllische Müglitztal gehört zu den beliebten Bikerstrecken. Anders als für die Serpentinen bei Hohnstein gibt es hier kein Fahrverbot am Wochenende. Stattdessen hat die Strecke zwischen kurz vor Weesenstein und Schlottwitz wohl eine der höchsten Dichten von Schildern. Es beginnt mit einem, das auf Lärm aufmerksam macht. In Mühlbach gibt es dann drei Blitzer und eine Geschwindigkeitsanzeige. Ein Stück weiter die Aufforderung "Fahr leise".

Bärbel Lehmann aus Mühlbach hat vor vielen Jahren die Bürgerinitiative gegen den Motorradlärm ins Leben gerufen, der auch die zahlreichen Schilder entlang der Straße zu verdanken sind.
Bärbel Lehmann aus Mühlbach hat vor vielen Jahren die Bürgerinitiative gegen den Motorradlärm ins Leben gerufen, der auch die zahlreichen Schilder entlang der Straße zu verdanken sind. © Marko Förster

Diese vielen Schilder sind maßgeblich dem Engagement der Bürgerinitiative gegen den Motorradlärm im Müglitztal zu verdanken, sagt Polizeirat Rico Sommerschuh, der das Polizeirevier Dippoldiswalde-Freital leitet. Mehr Schilder machen nicht automatisch mehr Sinn, deshalb werden keine mehr dazu kommen. Dafür aber Kontrollen. Die am Sonntag war der Auftakt der Saison. Mindestens zwei weitere sollen noch folgen.

Der Kontroll-Sonntag in Zahlen:

  • 125 Fahrzeuge wurden angehalten.
  • Davon waren 115 Krafträder (Motorräder, Quads) und Mopeds. Dazu kommen neun Pkw und ein Lkw.
  • Es wurden 21 Ordnungswidrigkeiten festgestellt. 15-mal betraf es technische Mängel, davon elfmal zu hoher Geräuschpegel. Zwei Pkw und drei Krafträder waren zu schnell. Bei sieben Fahrzeugen war die Betriebserlaubnis aufgrund von Umbauten erloschen.
  • Vier Straftaten wurden festgestellt. Es handelte sich um das Fahren ohne Fahrerlaubnis.
  • 15 Mängelscheine wurden ausgestellt.
  • Viermal hatten die Fahrzeugführer nicht alle notwendigen Dokumente dabei. Diese müssen innerhalb weniger Tage bei der Polizei vorgelegt werden.
Ist an dem Motorrad irgendwas gemacht worden, was nicht erlaubt ist? Oberkommissar Michael Garschke (r.) entdeckt auch, was man nicht auf den ersten Blick sieht.
Ist an dem Motorrad irgendwas gemacht worden, was nicht erlaubt ist? Oberkommissar Michael Garschke (r.) entdeckt auch, was man nicht auf den ersten Blick sieht. © Marko Förster

Oberkommissar Michael Garschke kontrolliert ein Motorrad, dessen Spiegel statt nach oben nach unten zeigen. Ungewohnt, aber cool, sagt der Fahrer, der so schon seit vier Jahren unterwegs ist. Verboten ist es, weil der Fahrer damit mehr abgelenkt ist. Der junge Mann sagt etwas genervt, er sei ja schon in Mühlbach angehalten worden und da habe keiner was gesagt. "Die haben noch gute Weiterfahrt gewünscht", sagt er. Garschke glaubt ihm das, weil er weiß, die technischen Feinheiten kennt auch nicht jeder Polizist. Er aber ist der Fachmann, der alles sieht. Er lässt den jungen Mann fahren.

"Highway Patrol" ist auf alles vorbereitet

Der Bremshebel ohne Prüfzeichen war für eine junge Frau das Aus. Ihr grünes Motorrad steht nun auf dem Parkplatz, sie durfte nicht weiterfahren. Der Schlüssel wurde eingezogen. Die Fahrerin bekommt ihn wieder, wenn der richtige Hebel eingebaut ist.

Philipp Busch war schon darauf vorbereitet, dass er kontrolliert wird. Sein Chevrolet mit der Aufschrift "Highway Patrol" ist dafür prädestiniert. Er hat alle Papiere für das Fahrzeug Baujahr 1979 in einer Mappe zusammengefasst. Nichts fehlt, alles in Ordnung.

Die häufigsten Verstöße:

  • Auspuff ohne Betriebserlaubnis.
  • Lichter zu klein.
  • Umbauten, die nicht eingetragen und genehmigt sind.

Ein Quad war durch seine kleineren Räder aufgefallen. Aber auch das war laut Eintrag in Ordnung. Dafür hat der Fahrer ein anderes Problem: Der TÜV ist schon vier Monate überfällig. Weiterfahren darf er aber trotzdem.

Die Polizei will niemanden kriminalisieren. Deshalb werden am Sonntag auch die Geschwindigkeit kontrolliert und nicht nur Motorräder rausgewunken. Bei solchen allgemeinen Verkehrskontrollen kommen auch Verstöße zutage, die man weder hören noch sehen kann, wie das Fahren ohne Fahrerlaubnis. Die Geschwindigkeit ist am Sonntag nicht das Hauptproblem.

Problem über Standgeräusch-Grenze lösen

Bärbel Lehmann überrascht das nicht. "Erfahrungsgemäß sprechen sich Kontrollen innerhalb der Biker-WhatsApp-Gruppen schnell herum", sagt die Initiatorin der Bürgerinitiative. Trotzdem ist sie dankbar für die Kontrolle am Sonntag, sei sie doch ein Signal. An Spitzentagen werden im Müglitztal 800 und mehr Motorräder gezählt. Auch wenn sich vier Fünftel davon an alle Regeln halten, die 160 und mehr, die es nicht tun, machen den Anwohnern das Leben schwer.

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Die Lösung, für die sich Bärbel Lehmann einsetzt und die zum Beispiel in Tirol zwischen Juni und Oktober praktiziert wird, ist die Standgeräusch-Grenze. Das heißt Fahrverbote für die Motorräder, bei denen sie 95 Dezibel überschreitet. In Deutschland will der Bundesrat, dass die zulässigen Geräuschemissionen aller Neufahrzeuge auf maximal 80 Dezibel begrenzt werden. Tuning soll härter bestraft, Sound-Design verboten werden. Für Bärbel Lehmann steht fest: "Wir kriegen die Hartnäckigen nur mit Restriktionen." Die nächste Frage ist und bleibt: Wie akzeptabel sind sie, wie werden sie durchgesetzt und was bringen Verbote, die nicht kontrolliert werden.

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