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Riegelt Pirna den Markt-Schleichweg endgültig ab?

Nach dem Willen der Stadt soll die Route am Rathaus entlang für den Durchgangsverkehr dauerhaft tabu bleiben. Und die Pläne gehen noch weiter.

Von Thomas Möckel
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Verkehr auf der Nordseite des Pirnaer Marktes: Nach Plänen der Stadt soll dieser Bereich in Zukunft komplett autofrei werden.
Verkehr auf der Nordseite des Pirnaer Marktes: Nach Plänen der Stadt soll dieser Bereich in Zukunft komplett autofrei werden. © André Liebscher

Am 17. Mai war vorerst Schluss. An diesem Tag riegelte die Stadt den Pirnaer Markt für den Durchgangsverkehr ab, vorbei war es mit dem bei Ortskundigen so beliebten Schleichweg in Richtung Sonnenstein. Mit diesem zunächst als Verkehrsversuch angelegten Interruptus folgte das Rathaus einerseits Vorgaben aus dem Verkehrsentwicklungsplan 2030 und andererseits einem Beschluss des Stadtrates, initiiert vom fraktionslosen Abgeordneten André Liebscher.

Zeitlich gekoppelt war die Sperrung zunächst an eine Großbaustelle der Stadtwerke auf der Schlossstraße und der Oberen Burgstraße. Der Kanalbau hätte in diesem Jahr eine Ausfahrt vom Markt in Richtung Tischerplatz ohnehin unmöglich gemacht.

Nach sieben Monaten Sperrzeit gewann die Stadt einer ersten Zwischenbilanz zufolge mehrere Erkenntnisse: So hatten an der Badergasse, am Markt, an der Schlossstraße und an der Oberen Burgstraße ansässige Händler und Gastronomen grundsätzlich nichts gegen die Sperrung einzuwenden. Die Aufenthaltsqualität auf dem Markt sei deutlich gestiegen, aus einem Ort des Transits sei ein Ort der Interaktion und der Kommunikation geworden.

Darüber hinaus sei die Marktdurchfahrt für das innerstädtische Verkehrsgefüge entbehrlich. Andere Strecken – beispielsweise Gorkistraße und B172 – könnten problemlos die bislang über den Markt verkehrenden Fahrzeuge aufnehmen. Und über die Route am Rathaus vorbei komme man im Vergleich mit anderen Strecken weder schneller noch auf kürzerem Wege durch die Altstadt.

Doch was ist, wenn die Stadtwerke-Baustelle in Kürze beendet ist? Bleibt die Route über den Markt dicht oder wird sie wieder geöffnet? Der Stadt zumindest schwebt ein Zweistufen-Plan vor, bei dem auch der Stadtrat noch ein Wörtchen mitzureden hat. Sächsische.de erklärt die Details.

Was wird ab Januar 2022?

Die Stadtwerke beenden ihre Arbeiten auf der Schlossstraße und der Oberen Burgstraße voraussichtlich am 4. Januar 2022. Danach wäre eine Ausfahrt vom Markt über diese beiden Trassen in Richtung Tischerplatz wieder möglich. Daher soll laut der Stadt spätestens bis zu diesem Zeitpunkt entschieden sein, ob und wie es mit der Sperrung weitergehen soll.

Das Votum der Stadt in dieser Hinsicht ist klar, sie hat eine Verkehrsberuhigung in zwei Stufen geplant. Über Stufe eins soll der Stadtrat am 14. Dezember entscheiden. Nach den siebenmonatigen Sperr-Erfahrungen lautet der Grundtenor des Rathauses: Die Sperrung hat sich durchaus bewährt. „Daher soll die Marktdurchfahrt dauerhaft gesperrt bleiben, auch nachdem die Stadtwerke-Baustelle beendet ist“, sagt Pirnas Bürgermeister Markus Dreßler (CDU).

Für Stufe eins gelten allerdings folgende Grundsätze: Vorerst wird nur der Durchgangsverkehr über den Markt unterbunden. Für den Zielverkehr bleibt der Markt mit dem Auto erreichbar. Auch der Anliefer- und Anliegerverkehr ist weiter in gewohntem Maß möglich.

Welche Verkehrsregeln ändern sich?

Um den Markt für den Durchgangsverkehr zu sperren, ihn aber weiter für Anlieger- und Anliegerfahrzeuge offenzuhalten, müssen einige Verkehrsregeln geändert werden. Um die Sperrung zu markieren, ist zwischen der Südost-Ecke des Rathauses und dem Haus Am Markt 6, Sitz der Adoratio-Schokoladenmanufaktur, eine neue Poller-Reihe geplant, ebenso sollen dort einige neue Pflanzkübel aufgestellt werden.

Damit entfallen zugleich die sieben Parkplätze an der Ostseite des Rathauses, also die bislang schräg angeordneten Lücken zwischen Standesamt und dem Hotel „Pirn’scher Hof“. Zwei Stellplätze vor dem Haus Am Markt 8 mit dem Laden der Bäckerei Toni Beier werden zu Behindertenparkplätzen.

An allen übrigen Parkplätzen ändert sich zunächst nichts, vor allem die 15 Stellplätze auf der Westseite des Rathauses vor der Front mit dem Laden „Schuh-Eppstädt“ bleiben weiterhin nutzbar. In der Wintersaison kommen noch 17 Stellplätze an der Nordseite des Marktes, angefangen an den Ratsherrenstuben, dazu, wenn die Außengastronomie abgebaut ist.

© SZ Grafik

Was ändert sich an den Zufahrten?

Von der Badergasse aus gelangen Kraftfahrer auch künftig auf den Markt, allerdings ist in Richtung Ostseite bereits ab den Ratsherrenstuben der Zusatz „Nur für Anlieger“ ausgeschildert. Denn außer Anlieger- und Anlieferfahrzeugen soll sonst niemand in diese Richtung fahren. Weil die Durchfahrt jedoch tabu ist, wird es im Bereich vor dem Marieneck und dem Tom-Pauls-Theater eine Wendemöglichkeit geben, die vorhandenen Plätze für die Außengastronomie werden dadurch nicht eingeschränkt.

Die wohl gravierendste Änderung: Die bisherige Einbahnstraßenregelung auf der Schlossstraße soll aufgehoben werden, künftig ist dort Begegnungsverkehr möglich. Aus diesem Grund entfallen dort einige Stellplätze, aber nicht alle. Auf diese Weise können Anlieger und Anlieferer auch vom Tischerplatz über Obere Burgstraße und Schlossstraße auf den Markt fahren. Im Bereich vor den Häusern Am Markt 8 und 9 sowie dem Canalettohaus wird es für Fahrzeuge aus dieser Richtung eine Wendemöglichkeit geben.

Um nicht unnötig anderweitigen Verkehr auf den Markt zu ziehen, sind an etwas entfernteren Punkten zusätzlich Schilder geplant. So werden Sackgassenschilder am Tischerplatz sowie an der Ecke Grohmannstraße/Dohnaische Straße/Am Zwinger auf die gesperrte Marktdurchfahrt hinweisen. Ebenso soll ein Hinweis auf der Stadtbrücke am Abzweig zur Brückenstraße kenntlich machen, dass der Markt für den Durchgangsverkehr tabu ist.

Ab wann gelten die Regelungen?

Sofern der Stadtrat einer dauerhaften Marktsperrung zustimmt, soll der Bauhof am 3. und 4. Januar die neue dauerhafte Beschilderung aufstellen. Ebenfalls in der ersten Januarwoche sollen die neuen Poller gesetzt werden. Lässt das Winterwetter kein Betonieren zu, werden dort als Interimslösung Blumenkübel aufgestellt.

Wie sieht die zweite Stufe aus?

In einem zweiten Schritt soll auch die Nordseite des Markes perspektivisch komplett autofrei werden, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Allerdings muss vorab unter anderem geklärt werden, wie es in diesem Bereich dann mit dem Anlieger- und Anlieferverkehr läuft. Einen konkreten Zeitpunkt dafür gibt es noch nicht. „Das Ganze ist noch Zukunftsmusik“, sagt Dreßler.