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Südumfahrung Pirna: Brücke bewegt sich

Im Januar soll die Brücke übers Gottleubatal zum ersten Mal verschoben werden. Es ist zunächst ein Test, ob die Technik zuverlässig funktioniert.

Fertige Brückenteile mit Vorbauschnabel (rot) auf dem Pirnaer Sonnenstein: Von hier aus wird die Brücke über die Pfeiler zum Kohlberg verschoben.
Fertige Brückenteile mit Vorbauschnabel (rot) auf dem Pirnaer Sonnenstein: Von hier aus wird die Brücke über die Pfeiler zum Kohlberg verschoben. © Daniel Förster

Im Sommer vergangenen Jahres nahm ein weiteres großes Bauwerk Gestalt an: die Brücke übers Gottleubatal für die Pirnaer Südumfahrung, die die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) derzeit errichten lässt. Die 3,8 Kilometer lange Trasse führt einmal vom Pirnaer Autobahnzubringer bis zur B 172 auf dem Sonnenstein und soll die Innenstadt spürbar vom Durchgangsverkehr entlasten.

Per Schwerlasttransport trafen im August 2020 die ersten Teile auf dem Sonnenstein ein, wo die Brücke vormontiert, ehe sie von dort aus in Richtung Kohlberg wandert.

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Stählerne Hohlkästen bilden die Grundkonstruktion der Brücke, die Elemente werden in Werken in Tschechien und Ungarn produziert. Auf dem Sonnenstein angekommen, hebt ein Spezialkran die Teile in den sogenannten Taktkeller - eine riesige betonierte Wanne - wo sie zusammengefügt und verschweißt werden.

Ein solches Stahlteil ist etwa 23 Meter lang und wiegt 30 Tonnen. Jeweils vier dieser Elemente ergeben zusammengefügt einen stählernen Hohlkasten, die Fachleute nennen das "Schuss. Etwa 40 dieser Schüsse braucht es, um auf die Gesamtlänge der Brücke von 916 Meter zu kommen.

Die ersten drei Schüsse liegen fertig im Taktkeller, die Schüsse vier und fünf liegen bereit, um später montiert zu werden.

Es geht in gemächlichem Tempo vorwärts

Und nun steht der nächste Schritt bevor: Noch im Januar soll sich der erste Brückenteil erstmals in Bewegung setzen, es ist ein Probeverschub. Die Brücke wird dabei etwa 45 Meter wandern, der erste Pfeiler in der Viehleite wird dabei noch nicht erreicht.

Zunächst geht es in sehr gemächlichem Tempo vorwärts, damit die Fachleute alles genau beobachten können. "Bei dem ersten Teilverschub wird vor allem viel geübt und ausprobiert", sagt Ulrich Gawlas, Bauoberleiter der Südumfahrung. Die Experten wollen sehen, ob alles funktioniert, ehe die Konstruktion eine wesentlich längere Strecke zurücklegt.

Damit die Brücke wandern kann, waren in den vergangenen Wochen zahlreiche weitere Vorarbeiten erforderlich. So montierten die Arbeiter vorn an der Spitze der Brücke den sogenannten Vorbauschnabel, 50 Meter lang, 100 Tonnen schwer. Dieser Hilfskonstruktion obliegt eine äußerst wichtige Aufgabe.

Startet der Verschub, hängen Brückenanfang samt Vorbauschnabel aufgrund ihres Gewichtes zwischen den Pfeilern etwa fünf Meter nach unten. Laut Gawlas mache der Brückenstahl diese Bewegung problemlos mit.

Vor dem jeweils nächsten Pfeiler hebt der Vorbauschnabel mit seiner speziellen Hydrauliktechnik die Brückenkonstruktion an, damit sie über die Pfeiler gleiten kann.

Die bereits fertige Brückenkonstruktion im Taktkeller auf dem Sonnenstein: Die "Nägel" auf den Seitenarmen sorgen später für eine feste Verbindung mit dem Straßenoberbau.
Die bereits fertige Brückenkonstruktion im Taktkeller auf dem Sonnenstein: Die "Nägel" auf den Seitenarmen sorgen später für eine feste Verbindung mit dem Straßenoberbau. © Daniel Förster

Eine spezielle Bremse hält die Brücke fest

Ebenso installierten die Fachleute unter der Stahlkonstruktion die sogenannten Wippen - bewegliche Bauteile, die die gewaltigen Lasten austarieren. Laut Gawlas sorgen diese Wippen dafür, dass die einwirkenden Kräfte beim Verschub konzentriert in die Pfeiler geleitet werden - weil die normalen Pfeilerköpfe für den Verschub zu klein sind und keine ausreichend große Fläche bieten.

Auch benötigt die Brücke beim Verschub eine spezielle Bremse, die im Taktkeller verankert ist. Denn die Brücke verläuft nicht gerade, sondern vom Sonnenstein mit Gefälle in Richtung Kohlberg. Vom Sonnenstein aus muss die mehrere Tausend Tonnen schwere Stahlkonstruktion bergab einen Höhenunterschied von 40 Meter überwinden. Das entspricht in etwa der Höhe eines zwölfstöckigen Wohnhauses. "Dabei wirken gewaltige Abtriebskräfte", sagt Gawlas.

Deshalb muss die Brücke auf dem Sonnenstein gut gehalten werden, damit sie nicht zu schnell auf die andere Seite rutscht oder gar entgleitet.

Im März ist die erste längere Strecke geplant

Derzeit gibt es nun die erste Belastungsprobe. Die fertigen Brückenteile samt Vorbauschnabel - bislang noch auf einem Hilfsgerüst aufgebockt - werden abgesenkt und auf die Wippen gesetzt. "Zugleich wird das ganze System erkundet und ertüchtigt", sagt der Bauoberleiter.

Eine erste Vorkontrolle verlief positiv. Nach den ersten Abnahmen gemeinsam mit den Prüfingenieuren habe sich laut Gawlas gezeigt, dass soweit alles in Ordnung ist. Gelingt in Kürze auch der erste Probeverschub, steht dem weiteren Prozedere nichts im Weg.

So richtig zur Sache gehen soll es im Frühjahr, voraussichtlich im März soll die Brücke um 100 Meter verschoben werden. Sobald durch den Verschub wieder Platz ist im Taktkeller, werden an den hinteren Teil der Brückenkonstruktion weitere Teile montiert.

Bis die Brücke am Kohlberg ankommt, wird es etwa anderthalb Jahre dauern, die Südumfahrung insgesamt soll 2023 fertig sein.

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