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Südumfahrung Pirna: Der Brückenbauer

Ulrich Gawlas ist Bauoberleiter des größten und teuersten Straßenbauprojektes in Pirna. Dafür verschob er sogar seinen Ruhestand.

Ulrich Gawlas, Bauoberleiter der Südumfahrung, vor den Brückenpfeilern im Gottleubatal: Dieses Projekt bringe ich noch zu Ende.
Ulrich Gawlas, Bauoberleiter der Südumfahrung, vor den Brückenpfeilern im Gottleubatal: Dieses Projekt bringe ich noch zu Ende. © Norbert Millauer

Das derzeitige Hauptbüro von Ulrich Gawlas liegt im Obergeschoss eines weißen Zweckbaus, direkt über der örtlichen MAN-Niederlassung an der Zehistaer Straße in Pirna. Hier sitzt er, wenn er nicht gerade draußen unterwegs ist, oft bis spät in die Nacht hinein und arbeitet, in einem Alter, in dem andere ihrem Berufsleben längst ade gesagt haben.

Gawlas ist jetzt 68, weil er aber seinen letzten Großauftrag noch beenden will, hat er seinen eigenen Ruhestand einstweilen verschoben.

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In Pirna wacht er nun über ein 100-Millionen-Euro-Projekt, Pirnas mit Abstand größtes und teuersten Straßenbauvorhaben. Gawlas ist Bauoberleiter der Südumfahrung, eingesetzt in dieser Funktion von der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges), die die 3,8 Kilometer lange Trasse vom Pirnaer Autobahnzubringer bis zur B 172 auf dem Sonnenstein derzeit errichten lässt.

Von seinem Büro aus schaut Gawlas direkt auf die Baustelle, sieht die Brücken an der Zehistaer Straße, den Feistenberg, den Tunneleingang am Kohlberg. Als Leiter der Bauüberwachung ist er zuständig dafür, dass alles reibungslos läuft, bei einem Projekt, bei dem es auch 2020 gewaltige Fortschritte gab.

Im Januar soll die Brücke erstmals wandern

So begannen am Jahresanfang die Arbeiten am Knotenpunkt Feistenberg, wo sich Südumfahrung und der Pirnaer Autobahnzubringer vereinen. Weil eine der Auf- und Abfahrten der Südumfahrung unter dem Autobahnzubringer hindurch führt, muss eine Brücke errichtet werden. Dafür verschwand vorübergehend ein Teilstück des Autobahnzubringers, der Verkehr wird einstweilen über die sogenannte Nordumfahrung geleitet.

Die Brücken sind inzwischen betoniert, im Frühsommer 2021 soll der Autobahnzubringer dann wieder auf regulärer Strecke freigegeben werden.

Im Frühjahr richteten sich auch die Tunnelbauer am Kohlberg ein, errichteten Unterkünfte, eine Werkstatt und eine Betonmischanlage, damit das Baumaterial auf kurzem Weg zum Tunnel kommt.

Unterdessen wuchsen die Pfeiler für die große Brücke übers Gottleubatal weiter, acht Stützen und zwei Widerlager werden es insgesamt sein.

Anfang August trafen die ersten stählernen Hohlkästen - die Grundkonstruktion für die Gottleubatal-Brücke - auf dem Sonnenstein ein, sie werden in Tschechien und Ungarn gefertigt. Mehrere dieser Einzelteile sind bereits verschweißt, der sogenannte Vorbauschnabel, der die Brücke beim Verschub in der Waagerechten hält, ist montiert. Im Januar 2021 ist der erste Probeverschub geplant.

Bauoberleiter Ulrich Gawlas im Juni 2018: Damals waren die Brücken im Seidewitztal gerade im Bau.
Bauoberleiter Ulrich Gawlas im Juni 2018: Damals waren die Brücken im Seidewitztal gerade im Bau. © Marko Förster
Knotenpunkt Südumfahrung/Autobahnzubringer: Die Brücke ist inzwischen betoniert.
Knotenpunkt Südumfahrung/Autobahnzubringer: Die Brücke ist inzwischen betoniert. © Thomas Möckel
Betonmischanlage am Kohlberg: Von hier aus kommt das Baumaterial auf kurzem Weg zum Kohlbergtunnel
Betonmischanlage am Kohlberg: Von hier aus kommt das Baumaterial auf kurzem Weg zum Kohlbergtunnel © Thomas Möckel
Kohlbergtunnel im Dezember: Die ersten Meter unter Tage sind geschafft.
Kohlbergtunnel im Dezember: Die ersten Meter unter Tage sind geschafft. © Deges
Arbeiten auf dem Sonnenstein: Im August wurden die ersten Teile für die Gottleubatal-Brücke montiert.
Arbeiten auf dem Sonnenstein: Im August wurden die ersten Teile für die Gottleubatal-Brücke montiert. © Thomas Möckel
Feier im September: Mit dem Tunnelanstich beginnt der Bau des Kohlbergtunnels.
Feier im September: Mit dem Tunnelanstich beginnt der Bau des Kohlbergtunnels. © Daniel Förster

Trotz Corona läuft alles reibungslos

Im September gab es dann eine große Feier, Anlass war der sogenannte Tunnelanstich, offizieller Baubeginn für den 300 Meter langen Kohlbergtunnel. Der Einschnitt und das künftige Portal mussten zunächst aufwendig gesichert werden, inzwischen sind die Mineure in den Berg vorgedrungen. Etwa 27 Monate werden sie bis zum Durchbruch auf der Kohlberg-Ostseite brauchen.

Die Corona-Pandemie konnte dem Bauvorhaben insgesamt kaum etwas anhaben, alles lief weitgehend problemlos, selbst die Brückenteile-Transporte aus Tschechien und Ungarn.

So kann auch Ulrich Gawlas wie geplant weiter seiner Arbeit nachgehen, einen anderen Job als auf dem Bau konnte er sich nie vorstellen. "Ich wollte immer etwas mit Beton machen", sagt er, "vor allem der Brückenbau hat mich sehr gereizt." Und das Bauhandwerk, das hat er von der Pike auf gelernt.

Das Bauhandwerk von der Pike auf gelernt

Gawlas, geboren in Würzburg, ließ sich nach der Schule in seiner Heimatstadt zum Stahlbetonbauer ausbilden. Weil ihm dieses Handwerk lag, durfte er schon nach zwei statt nach drei Jahren seine Prüfung ablegen. Den Facharbeiter in der Tasche, zog es ihn mit 17 in die weite Welt, mehrere Jahre arbeitete er weltweit auf Großbaustellen.

Zurück in der Heimat, studierte er Bauingenieurwesen in Gießen und schloss das Studium als Diplom-Bauingenieur ab.

Weil es dann aber keine freien Stellen für Bauingenieure auf dem Arbeitsmarkt gab, begann er nach dem Studium zunächst wieder als Stahlbetonbauer zu arbeiten, bei einem großen Baukonzern.

Dort ging es für ihn schnell bergauf, rasch landete er beim Brückenbau, machte nebenher noch seinen Maurermeister sowie den Meister für Stahlbetonbau. Gawlas wurde erst Bauleiter, wenig später Bauoberleiter.

Bauaufsicht am Rügendamm

Nach der Wende ging er im Auftrag seines Arbeitgebers nach Erfurt, wo er heute seinen Hauptwohnsitz hat und ein Haus besitzt. Später baute er mit zwei Kollegen in Erfurt eine Niederlassung für eine andere Baufirma auf, machte sich dann selbstständig, in dieser Zeit baute er 13 Brücken.

Als selbstständiger Ingenieur hatte Gawlas auch schon mit dem Büro "EHS Ingenieure" - sein heutiger Arbeitgeber - zusammengearbeitet. 2002 holte ihn diese Firma zu sich, weil ihr ein Bauoberleiter für den Neubau einer der schönsten und größten Brücken Deutschlands fehlte: für den Rügendamm. Seit 2003 ist Gawlas als Bauoberleiter für "EHS Ingenieure" tätig, die Brücke über den Strelasund entstand unter seiner Überwachung.

Südumfahrung verzögert Ruhestand

2010 holte sich EHS auch den Auftrag für die Pirnaer Südumfahrung, doch das Projekt ließ lange auf sich warten. Erst Ende 2017 begannen die Bauarbeiten, nachdem der Bund die Gelder dafür freigegeben hatte.

Trotzdem sich der Baustart zu lange verzögerte, sagte Gawlas zu, auch dieses Projekt als Bauoberleiter zu betreuen. Läuft alles nach Plan, soll die Südumfahrung insgesamt 2023 fertig sein. "Dieses Vorhaben", sagt er, "bringe ich auf alle Fälle noch zu Ende."

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