merken
PLUS Pirna

Südumfahrung Pirna: Es ist angetunnelt

Am Pirnaer Kohlberg arbeiten sich die Tunnelbauer jetzt in den Berg. Bis zum Durchbruch dauert es aber noch eine Weile.

Südumfahrung-Tunnel am Pirnaer Kohlberg: Die ersten 15 Meter sind geschafft.
Südumfahrung-Tunnel am Pirnaer Kohlberg: Die ersten 15 Meter sind geschafft. © Deges

Der 4. Dezember eines jeden Jahres ist stets ein besonderer Tag, dann gedenken all jene, die unter Tage arbeiten wie beispielsweise Bergleute und Tunnelbauer, ihrer Schutzpatronin, der heiligen Barbara. Sie bedanken sich für das unfallfreie Bergbaujahr und bitten um Schutz bei den weiteren Arbeiten.

Verbunden damit ist eine Feier, zur Tradition gehört auch eine geistliche Andacht, für die Bergleute ist der 4. Dezember ein Feiertag. So ruhte auch bei den Mineuren, wie die Tunnelbauer in der Fachsprache heißen, die den Kohlbergtunnel für die Pirnaer Südumfahrung bauen, an diesem Tag die Arbeit.

Anzeige
Fakten statt Fake News
Fakten statt Fake News

Fragen und Antworten zur Corona-Krise am Beispiel des Dreiländerecks

Coronabedingt fiel die Feier in diesem Jahr aber etwas spärlicher aus als sonst, auf eine Andacht mussten die Mineure verzichten. Gleichwohl schaute an diesem Tag die Tunnelpatin Susann Dulig, Gattin des sächsischen Wirtschaftsministers, vorbei und brachte Stollen mit.

Sie hatte bereits zum offiziellen Tunnelanstich im September zugesagt, regelmäßig vorbeizukommen, um sich nach dem aktuellen Baustand zu erkundigen. Beim Rundgang über die Baustelle am Barbara-Tag konnten ihr die Mineure nun einen großen Fortschritt präsentieren.

Die ersten 15 Meter Tunnel sind geschafft

Nach den vielen vorbereitenden Arbeiten graben sich die Tunnelbauer jetzt in den Kohlberg, das Loch ist deutlich zu erkennen. Die ersten 15 Meter von insgesamt 250 Metern Tunnel, die unter Tage entstehen, sind geschafft.

Herausgebrochen ist die sogenannte erste Ulme, der Tunnel entsteht im bergmännischen Ulmenstollenvortrieb. Dabei wird der Tunnelquerschnitt in sechs Segmente eingeteilt. In einer festgelegten Reihenfolge wird dann Segment für Segment aus dem Berg gebrochen.

"Wir haben diese aufwendige Bauweise gewählt, weil die Geologie hier sehr schwierig ist", sagt Manfred Reiter, Geschäftsführer der Baufirma "Alfred Kunz Untertagebau", gemeinsam mit der Firma Bistra Bau zuständig für den Tunnelbau.

Das Gestein im Kohlberg ist sehr brüchig und mürbe, daher können die Mineure die Röhre nur behutsam vorantreiben. Nach jedem Ausbruch wird die Ulme zunächst aufwendig gesichert, damit kein Gestein nachrutscht. Erst dann kann weiteres Material aus dem Berg geholt werden. "Sichern", sagt Reiter, "ist bei diesem Bauwerk das Wichtigste."

Funkenflug am Kohlbergtunnel: Fachleute sichern den Einschnitt, bevor es in den Berg geht.
Funkenflug am Kohlbergtunnel: Fachleute sichern den Einschnitt, bevor es in den Berg geht. © Thomas Möckel
Tunnelpatin Susann Dulig, im Hintergrund die heilige Barbara: Die Schutzpatronin behütet die Mineure bis zum Bauende.
Tunnelpatin Susann Dulig, im Hintergrund die heilige Barbara: Die Schutzpatronin behütet die Mineure bis zum Bauende. © Deges
Die erste Ulme ist herausgebrochen. Jeder Abschnitt muss aufwendig mit Beton und Stahl gesichert werden.
Die erste Ulme ist herausgebrochen. Jeder Abschnitt muss aufwendig mit Beton und Stahl gesichert werden. © Deges

Künstlicher Vorbau schützt die Tunnelbauer

Mit dieser Aufgabe waren die Mineure auch schon betraut, ehe es in den Berg ging. Vor der Tunnelanschlagwand errichteten sie eine sogenannte Luftbogenstrecke, eine Art künstlicher Vorbau. Er soll verhindern, das Gestein auf die Bauleute herunterfällt. Diese Luftbogenstrecke dient nach Aussage von Ulrich Gawlas, Bauoberleiter der Südumfahrung, einzig der Sicherheit, sie wird am Ende wieder abgebaut.

Ebenso entfernten die Fachleute in den vergangenen Wochen weiteres Erdreich vor dem Tunnelportal auf der Westseite des Kohlbergs. Es ist nun fast jenes Niveau erreicht, auf dem die Straße später verläuft.

Zudem schufen sie Platz für wichtige Anlagen. Vor dem Tunnel auf der rechten Seite wird später ein Betriebsgebäude errichtet. Es beherbergt die Elektrik für den Tunnel, die Stromverteilung, Pumpen fürs Löschwasser, Kameras, Anzeigetafeln für den Havariefall, einen gesonderten Raum für Mobilfunktechnik.

Ebenso vor dem Tunnel entsteht künftig ein Löschwasserbehälter, die Löschwasserleitung führt einmal von der Zehistaer Straße bis zu dieser besonderen Zisterne. Hinzu kommt ein Schadstoffbehälter für schmutziges Löschwasser, nach einem Einsatz wird es dort gereinigt, ehe es in die Kanalisation fließen kann.

Der Bau dieser Tunnelausstattung beginnt voraussichtlich 2022, wenn sich der reine Tunnelbau dem Ende nähert.

In 27 Monaten durch den Kohlberg

Unterdessen haben die Bauleute auch auf der Ostseite des Kohlbergs, die zum Gottleubatal zeigt, damit begonnen, den Tunnelbau vorzubereiten. Vor dem dortigen Tunnelportal wird zunächst Erdreich ausgehoben, der Einschnitt für den Ausgang geformt und alles gesichert.

Von dieser Seite dringen die Mineure allerdings nicht in den Berg vor, sie arbeiten sich ausschließlich von West nach Ost, bis der Durchbruch ins Gottleubatal geschafft ist. Etwa 27 Monate sind insgesamt für den Tunnelbau veranschlagt. Reiter rechnet fest damit, dass es die Fachleute in dieser Zeit schaffen.

Bevor dann aber ganz regulär Autos durch die Röhre fahren können, gibt es vor der Eröffnung einen dreimonatigen Probebetrieb im Tunnel. Experten prüfen dabei, ob die Technik einwandfrei funktioniert und alle Systeme aufeinander abgestimmt sind.

Die 3,8 Kilometer lange Südumfahrung, die einmal den Pirnaer Autobahnzubringer mit der B 172 auf dem Sonnenstein verbindet, soll insgesamt 2023 für den Verkehr freigegeben werden.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna