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Südumfahrung Pirna: Wird sie erst 2023 fertig?

Wirtschaftsminister Martin Dulig besichtigt die Großbaustelle. Er erfährt: Bald ist Licht am Ende des Tunnels, auch wenn der Endtermin wackelt.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig und Ehefrau Susann beim Besuch der Südumfahrung-Baustelle: Selfie vor der Gottleubatalbrücke.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig und Ehefrau Susann beim Besuch der Südumfahrung-Baustelle: Selfie vor der Gottleubatalbrücke. © Marko Förster

Das Pärchen steht am Abgrund, kurz hinter den beiden fällt der Hang steil hinab zur Pirnaer Viehleite. Noch schnell das Handy ausgepackt, den Hintergrund in Szene gesetzt, der Anfang einer gewaltigen Brückenkonstruktion, acht Pfeiler und ein Stück des Pirnaer Kohlbergs werden dort zu sehen sein. Dann lächeln, ein Selfie knipsen.

Das Foto, was der Mann auf den handyinternen Speicher bannt, stammt aber nicht von einem Urlaubsausflug. Es ist eher ein privat-dienstlicher Arbeitsbesuch.

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Der Mann ist Martin Dulig (SPD), Sachsens Wirtschaftsminister, die Frau an seiner Seite Gattin Susann. Das Ziel der Kurzreise: Die Baustelle der Pirnaer Südumfahrung, das derzeit größte Infrastrukturprojekt der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) in Sachsen.

Die 3,8 Kilometer lange Trasse wird einmal vom Pirnaer Autobahnzubringer bis zur B172 auf dem Sonnenstein verlaufen. Und das Ehepaar Dulig ist quasi doppelt mit dem Vorhaben verbandelt.

Der Minister steht im Stau

Der Freistaat Sachsen in Gestalt des Wirtschaftsministeriums ist Auftraggeber für die Trasse, Susann Dulig fungiert zudem als Patin für den Kohlbergtunnel, eines der anspruchsvollsten Bauwerke entlang der neuen Route.

Die Strecke ist nicht nur für Pirna, sondern auch für die Region Dresden und die Sächsische Schweiz sehr bedeutsam. "Touristen können das Elbsandsteingebirge künftig komfortabler erreichen, und für die Wirtschaft erschließt sich ein neuer, guter Transportweg", sagt der Minister.

Ein dritter wichtiger Aspekt der Trasse erschließt sich den Besuchern gleich greifbar. Auf der Rückfahrt vom Sonnenstein steckt der Bus mit der gesamten Entourage erst einmal im Stau in den B172-Serpentinen fest - ein beinahe alltäglicher Zustand in Pirna.

So soll die Südumfahrung künftig auch die Pirnaer Innenstadt spürbar vom Durchgangsverkehr entlasten. Prognosen zufolge wird sich die Zahl der Autos, die derzeit täglich auf der B172 in Pirna unterwegs sind, dann mehr als halbieren.

"Daher wird es Zeit", sagt Ulrich Gawlas, Bauoberleiter der Südumfahrung, "dass wir endlich fertig werden."

Patin mit Tunnel: Während der Bauzeit heißt der Kohlbergtunnel "Susann-Tunnel" - nach der Ministergattin Susann Dulig.
Patin mit Tunnel: Während der Bauzeit heißt der Kohlbergtunnel "Susann-Tunnel" - nach der Ministergattin Susann Dulig. © Marko Förster
Da schaut man in die Röhre: Auf der linken Seite des Kohlbergtunnels sind die Mineure inzwischen 120 Meter unter Tage, hier auf der rechten Seite 80 Meter.
Da schaut man in die Röhre: Auf der linken Seite des Kohlbergtunnels sind die Mineure inzwischen 120 Meter unter Tage, hier auf der rechten Seite 80 Meter. © Marko Förster
Ulrich Gawlas, Bauoberleiter der Südumfahrung, am Taktkeller auf dem Sonnenstein: Im August soll die Gottleubatalbrücke zum ersten Mal 120 Meter verschoben werden.
Ulrich Gawlas, Bauoberleiter der Südumfahrung, am Taktkeller auf dem Sonnenstein: Im August soll die Gottleubatalbrücke zum ersten Mal 120 Meter verschoben werden. © Marko Förster

Arbeiten im Verzug, Kosten steigen

Doch der geplante Endtermin wackelt derzeit etwas. Vorgesehen ist, dass die Südumfahrung im Laufe des Jahres 2023 fertig wird.

Vor allem wegen der Corona-Pandemie sind jedoch die Arbeiten an einigen Stellen arg in Verzug geraten. Daher wird jetzt umso mehr mit Hochdruck gearbeitet. "2023 ist noch zu schaffen, aber es wird sportlich", sagt Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Deges.

Fest steht unterdessen: Das Vorhaben wird wesentlich teurer als geplant. Anfangs lagen die Baukosten bei etwa 97 Millionen Euro.

Doch die Preise insbesondere für Stahl, Holz, Sand und Kies - alles in großen Mengen auf der Baustelle benötigt - sind in der zurückliegenden Zeit erheblich gestiegen, nicht gerade dienlich für die Kostenentwicklung. "Derzeit stehen wir bei 160 Millionen Euro", sagt Brandenburger. Er hoffe sehr, dass die Baupreise in den verbleibenden zwei Baujahren nun recht stabil bleiben.

Aber wie auch immer: An dem Projekt insgesamt will niemand rütteln. "Egal, wie sich die Baupreise entwickeln, die Südumfahrung wird zu Ende gebaut", sagt Dulig. Auch aus seiner Sicht erscheint ein Fertigstellungstermin 2023 als realistisch. "Die Entlastung rückt auf alle Fälle näher", so der Minister.

Uraufführung an der Gottleubatalbrücke

Nach dem coronabedingten Verzug laufen die Arbeiten inzwischen wieder an allen Stellen auf Hochtouren - unter anderem auf dem Sonnenstein, des Ministers erste Besuchsstation.

Die ersten 120 Meter des stählernen Unterbaus für die 916 Meter lange Gottleubatalbrücke liegen weitgehend fertig im Taktkeller. Die Fachleute verschweißen derzeit noch einige Teile und tragen Korrosionsschutz auf das Metall auf.

Anfang oder Mitte August folgt dann eine Art Uraufführung: Die Brücke soll erstmals etwa 120 Meter talwärts verschoben werden. Weil die Brückenkonstruktion hier ausnahmsweise bergab wandert, rutscht sich eigentlich von allein über die teflonbeschichteten Kacheln, die noch mit handelsüblicher Schmierseife eingerieben werden.

Damit sie den Fachleuten nicht entgleitet, hält sie eine riesige Bremse im Zaum, denn immerhin wirken am Befestigungspunkt der Bremse im Taktkeller bis zu 800 Tonnen Zugkraft.

Beim Verschub selbst wandert das Stahlskelett - das später insgesamt 7.250 Tonnen wiegt - zwischen vier und zwölf Meter je Stunde. "Wir hoffen, dass wir in zwölf Stunden durch sind", sagt Oliver Klostermann, Abteilungsleiter Industrie und Stahlbau der Arbeitsgemeinschaft "Gottleubatalbrücke".

Länger als 24 Stunden darf der Verschub jedenfalls nicht dauern, denn nur soweit reichen zuverlässige Wettervorhersagen voraus. Und die Männer sind beim Verschub auf gutes Wetter angewiesen. Vor allem darf es in einer Höhe bis zu 70 Meter nicht zu windig sein. Insgesamt 14 Verschübe sind nötig, etwa in einem Jahr soll die Brücke am Kohlberg angekommen sein.

Bald Licht am Ende des Tunnels

Zügig voran geht es währenddessen auch am Kohlbergtunnel, der im sogenannten bergmännischen Vortrieb entsteht. Dabei wird der Tunnelquerschnitt in einzelne Segmente eingeteilt, die nach einer festgelegten Reihenfolge aus dem Berg gebrochen werden.

Zunächst entsteht links eine Röhre, versetzt in 30 Meter Abstand dahinter eine Röhre rechts. Das Mittelsegment wird als letztes entfernt, bis dahin stabilisiert es den entstehenden Hohlraum.

Links sind die Tunnelbauer inzwischen 120 Meter in den Berg vorgedrungen, rechts 80 Meter. Läuft alles weiterhin gut, wollen die Mineure im Herbst, spätestens vor Weihnachten, auf der linken Seite den Durchbruch zur Westseite des Kohlbergs schaffen.

"Das alles ist sehr spannend und beeindruckend", resümiert der Wirtschaftsminister. Und weil er neugierig ist, wie es weitergeht, will er auf alle Fälle zum ersten Brückenverschub und zum ersten Tunneldurchbruch wiederkommen. "Bis dahin", sagt Dulig, "wünsche ich allen eine unfallfreie Bauzeit."

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