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Wie Pirnas Verkehr der Zukunft aussieht

Die Stadt ächzt unter der Autolast, Parkplätze und Radwege fehlen. Um Abhilfe zu schaffen, startet das Rathaus jetzt einen Bürgerdialog.

Parkplatz-Sucher an der Straße Am Zwinger: Pirna ächzt unter der Autolast.
Parkplatz-Sucher an der Straße Am Zwinger: Pirna ächzt unter der Autolast. © Archiv: Daniel Förster

Pirnas Verkehrsprobleme sind hinlänglich bekannt. In verkehrsstarken Zeiten staut es sich regelmäßig auf den viel befahrenen Routen, Parkplätze sind Mangelware, Radwege fehlen. Vor allem im Innenstadtbereich kommen sich Autofahrer, Radler und Fußgänger ins Gehege, die Busverbindungen - vor allem in die entlegenen Ortsteile - sind unzureichend.

Um die Mängel zu beseitigen und alles besser in Einklang zu bringen, beschloss der Pirnaer Stadtrat bereits 2015 den "Verkehrsentwicklungsplan 2030" (VEP), ein Konzeptpapier, um die Mobilitätsverhältnisse in Pirna langfristig zu verbessern. Der Plan gibt bestimmte Leitlinien vor, die anschließend mit konkreten Projekten untersetzt und umgesetzt werden sollen.

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So sollen beispielsweise die Innenstadt möglichst unattraktiv für den Durchgangsverkehr, das Radwegenetz sowie das Parkplatzangebot ausgebaut werden.

Markt wird testweise gesperrt

Einiges ist schon konkret in Planung: Pirna will den Dohnaischen Platz zu einem verkehrsberuhigten Bereich umbauen, im Frühjahr 2021 den Markt testweise für den Durchgangsverkehr sperren, neue Parkplätze sowohl für Anwohner als auch für Pendler schaffen sowie die ehemaligen Bahntrassen im Seidewitz- und Gottleubatal als Radwege ausbauen.

Weil aber all das noch nicht reicht und viele Ziele noch zu unkonkret sind, will die Stadt nun gemeinsam mit den Einwohnern nach ganz konkreten Vorschlägen und Ideen suchen. Das ist auch dringend nötig, um die Verkehrsprobleme zu minimieren.

Mehr als 70 Minuten pro Tag im Verkehr unterwegs

Denn eine Umfrage der TU Dresden hat ergeben: Pirna ist eine äußerst mobile Stadt. Aus dieser Studie ergibt sich, dass jeder Pirnaer im Durchschnitt mehr als 70 Minuten pro Tag im Verkehr unterwegs ist.

Dabei werden täglich insgesamt knapp 129.000 Wege zurückgelegt, sei es zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder zu Freizeitaktivitäten. Oft wird dabei das Auto genutzt (51 Prozent), aber auch zu Fuß (27 Prozent), mit dem Rad (10 Prozent) und mit öffentlichen Verkehrsmitteln (11 Prozent) sind die Pirnaer mobil.

Hinzu kommt ein starker Pendlerverkehr, wie eine Studie eines Dresdner Verkehrsplanungsbüros offenbart. So gibt es täglich etwa 9.700 Einpendler und 9.200 Auspendler. Der Pendelverkehr erstreckt sich auf fünf Hauptkorridore: Dresden, Neustadt/Sebnitz, Königstein/Bad Schandau, Bad Gottleuba und Dohna/Glashütte.

Die Pendlerbeziehungen von und nach Dresden haben dabei mit 70 Prozent den größten Anteil. Dazu kommt: Knapp 40 Prozent der etwa 15.000 in Pirna Beschäftigten - etwa 5.700 - pendeln innerhalb der Stadt von und zur Arbeit.

Mobilität ist wichtig, birgt aber auch Konflikte

Nach Aussage des Pirnaer Rathauses sei diese Mobilität die Voraussetzung für die Entwicklung der Stadt, für Wirtschaftswachstum, Handel, Kreativität und auch fürs persönliche Wohlbefinden. Denn wer sich durch die Stadt bewegen könne, habe letztendlich mehr vom Leben.

Allerdings lässt sich diese Mobilität nicht immer konfliktfrei gestalten. Dies betrifft aus Sicht des Rathauses insbesondere den dicht bebauten Innenstadtbereich, in dem die Verkehrs- und Platzbedürfnisse von Autofahrern, Radfahrern, Fußgängern und dem öffentlichen Nahverkehr aufeinandertreffen.

Weil aber der Verkehrsraum nur begrenzt verfügbar ist, sei es aus Sicht der Stadt kaum möglich, allen Bedürfnissen gleichermaßen gerecht zu werden.

Daher gibt der VEP die Grundsätze und Richtlinien vor, mit denen ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Mobilitätsangebot für die nächsten zehn bis 15 Jahre geschaffen und die dafür erforderliche Infrastruktur bedarfsgerecht und bezahlbar weiterentwickelt werden soll.

Pirna setzt auf eine starke Bürgerbeteiligung

Nun gehe es laut der Stadt darum, dazu konkrete Ziele und Projekte zu formulieren. Dabei sollen alle Verkehrsbelange im Fokus stehen: Radverkehr, Fußverkehr, Autoverkehr, Liefer- und Wirtschaftsverkehr, Mobilitätsmanagement und Verkehrssicherheit.

Diese Verkehrsbelange sind bei den Pirnaern mit ihren Vor- und Nachteilen sowie ihren Chancen und Risiken sehr präsent - und werden schon heute kontrovers diskutiert.

Daraus entspringt beispielsweise ein Projekt, für das Dresdner Verkehrsplaner derzeit ein Konzept erarbeiten. Es soll zeigen, wie der Pirnaer Stadtbusverkehr neu ausgerichtet werden kann und sich die Verbindungen in die einzelnen Ortsteile verbessern lassen.

Im weiteren Prozess will die Stadt nun die Einwohner stärker mitnehmen und sie in die Entscheidungen einbeziehen - und dabei ihre Meinungen, Ideen, Vorschläge und Befürchtungen hören. Geplant ist eine starke Bürgerbeteiligung.

Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen sind jedoch die klassischen Formate wie Info-Veranstaltungen oder öffentliche Diskussionsforen derzeit nicht möglich.

Einwohner können Ideen liefern und Defizite aufzeigen

Daher startet jetzt eine Online-Beteiligung. Auf der Internetseite der Stadt findet sich ab sofort ein Fragebogen, der Hinweise und Einschätzungen zum vorhandenen Verkehrsangebot aufnimmt. Diese sollen in der weiteren Planung berücksichtigt werden und bilden gleichsam die Grundlage für eine zweite Bürgerbeteiligung in der ersten Hälfte des Jahres 2021.

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Online-Umfrage bilden die Themen Radverkehr, Parken, Kfz-Verkehr, Fußgängerverkehr sowie alternative Angebote wie beispielsweise Carsharing.

Dabei können alle Interessierten mitteilen, womit sie zufrieden sind, welche Probleme und Defizite sie bei den Verkehrsthemen sehen und was ihnen wichtig ist, um die Verkehrsentwicklung in den kommenden Jahren neu auszurichten.

Die Hinweise und Ideen können auch per Post an die Stadtverwaltung Pirna, Fachgruppe Stadtentwicklung, Stichwort "VEP 2030", Am Markt 1/2, 01796 Pirna, geschickt werden.

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