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Aus Pirna abgeschoben: Familie am Abgrund

Jetzt berichtet der Vater aus Tirana, Albanien. Unterdessen haben hiesige Helfer und Unterstützer eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Die Kinder der abgeschobenen albanischen Familie sind traumatisiert. Die Familie ist bei Verwandten in Tirana untergekommen.
Die Kinder der abgeschobenen albanischen Familie sind traumatisiert. Die Familie ist bei Verwandten in Tirana untergekommen. © privat

Erst vor einigen Wochen wurde eine albanische Familie aus Pirna nach Tirana abgeschoben. Sächsische.de berichtete über den Fall, der auch in den sozialen Medien stark diskutiert wurde.

Betreut wird die Familie unter anderem von der AG Asylsuchende des Landkreises SOE. "Es geht der Familie nicht gut", erklärt Christina Riebesecker von der AG. Die Situation in Albanien sei für die sechsköpfige Familie stark belastend, sie verfüge kaum über finanzielle Mittel, um Nahrungsmittel und winterfeste Kleidung zu beschaffen. Mithilfe einer ehrenamtlichen Betreuerin und der mit dem Fall beauftragten Anwältin Carolin Helmecke aus Dresden konnte Kontakt zur Familie hergestellt werden.

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Hungrig ins Bett in Albanien

"Als wir in Albanien ankamen, waren wir ratlos. Unsere Kinder weinten durchweg. Wir leben jetzt übergangsmäßig bei meinem Bruder, mit elf Personen in zwei Zimmern. Es ist eng, wir haben keine Betten, kaum winterfeste Kleidung", erklärt der Familienvater. Ganz offensichtlich fehlt es an Lebensmitteln. "Oft klagen die Kinder abends, dass sie hungrig sind. Ich sage ihnen dann, es dauere nur noch fünf Minuten, in der Hoffnung, dass sie bald einschlafen."

Gesundheitliche Probleme

Erschwerend kommt der gesundheitliche Zustand der Mutter und der ältesten Tochter hinzu, was der Familie große Sorgen bereitet. "Meine Frau ist depressiv und durch die Abschiebung zusätzlich traumatisiert. Meine älteste Tochter muss dringend in ärztliche Behandlung, sie war zuvor in Dresden in der Trauma-Ambulanz gewesen. Zum Arzt können wir hier in Albanien nicht gehen, denn das nötige Geld dafür fehlt", so der Vater.

Kinder wollen zurück nach Pirna

Folglich fehlen die Zukunftsperspektiven. "Ich kann meine Kinder noch nicht mal zur Schule anmelden, weil wir keine permanente Adresse haben!" Der Aufbau sozialer Kontakte ist durch die prekäre finanzielle Situation belastet: "Meine Kinder trauen sich nicht, draußen mit den anderen Kindern zu spielen, denn sie haben nicht genug Kleidung, um sich richtig anzuziehen." Der Vater selber leidet unter dieser Situation enorm. "Meine Kinder verstehen nicht, was los ist, sie wollen nach Hause, nach Pirna. Aber was soll ich ihnen darauf antworten?", fragt er sich.

Spendenaufruf in Deutschland gestartet

Eine baldige mögliche Rückkehr nach Deutschland sei nicht sehr realistisch, schätzt die Anwältin ein. "Infolge der Einreisesperre darf die Familie für einen bestimmten Zeitraum nicht in das Bundesgebiet einreisen, noch sich darin aufhalten, und auch kann kein Aufenthaltstitel vor Ablauf der Sperre erteilt werden. Die Kosten der Abschiebung in nicht geringer Höhe kommen auch noch auf die Familie zu", sagt Carolin Helmecke.

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Aus ihrer Sicht hätte es gar nicht zur Abschiebung kommen dürfen, und sie verweist auf den schlechten Gesundheitszustand der Mutter und der Tochter. "Den beteiligten Behörden hätte klar sein müssen, in was für eine prekäre und gesundheitsgefährdende Lage sie die Familie, insbesondere die vier minderjährigen Kinder, damit bringt. Und das mitten in einer Pandemie im Winter. Wir sind immer noch fassungslos über dieses Vorgehen und werden die Familie, so gut es möglich ist, weiter unterstützen," betont die Juristin.

Gemeinsam mit der AG Asylsuchende SOE hat die Anwältin einen Spendenaufruf gestartet.

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