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Pirna: Darum avanciert die WGP zum Kulturveranstalter

Der Großvermieter lädt zu einer neuen Veranstaltungsreihe auf dem Sonnenstein ein und möchte somit den Stadtteil auch ins rechte Licht rücken.

Von Mareike Huisinga
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Der Dresdner Autor Frank Goldammer las am Sonnabend aus seinem neuen Buch „Feind des Volkes" und kam anschließend ins Gespräch mit den Gästen. Es war der Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe Sonnensteiner Lesenacht.
Der Dresdner Autor Frank Goldammer las am Sonnabend aus seinem neuen Buch „Feind des Volkes" und kam anschließend ins Gespräch mit den Gästen. Es war der Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe Sonnensteiner Lesenacht. © WGP

Am vergangenen Sonnabend fand die erste Sonnensteiner Lesenacht statt. Der Dresdner Autor Frank Goldammer las aus seinem neuesten Buch „Feind des Volkes“. Dazu eingeladen hatte die Städtische Wohnungsgesellschaft Pirna (WGP). Rund 30 Personen waren der Einladung gefolgt und kamen ins Soziokulturelle Zentrum Sonnenstein. Eine Eintagsfliege? Mitnichten! Die WGP wird künftig in loser Folge Lesungen auf dem Sonnenstein anbieten und damit das kulturelle Angebot im Stadtteil aufwerten. Über die neue Veranstaltungsreihe sprach Sächsische.de mit Sören Sander von der WGP-Geschäftsführung.

Sören Sander von der WGP-Geschäftsleitung in Pirna äußert sich zum Image des Stadtteils Sonnenstein.
Sören Sander von der WGP-Geschäftsleitung in Pirna äußert sich zum Image des Stadtteils Sonnenstein. © Norbert Millauer

Herr Sander, warum avanciert der Großvermieter WGP jetzt zum Kulturveranstalter?

(schmunzelt). Wir sind natürlich kein klassischer Kulturveranstalter, wollen allerdings das bereits umfangreiche kulturelle Angebot auf dem Sonnenstein erweitern. Seit einigen Jahren bieten wir Kleinkunst in den Sonnensteiner Höfen an. In diesem Rahmen finden beispielsweise musikalische Veranstaltungen oder auch Puppenspiele statt. Parallel dazu bieten wir regelmäßig im August unser Kinderfest in den Sonnensteiner Höfen an, das immer gut besucht wird.

Welche Zielgruppe sprechen Sie mit den Sonnensteiner Lesenächten an?

Es ist zunächst ein Angebot für unsere Mieter, die hier wohnen. Aber auch alle anderen Kulturinteressierten aus Pirna und Umgebung sind herzlich willkommen. Da die Lesenacht kostenlos ist, reden wir von einem sehr niedrigschwelligen Angebot und hoffen, somit auch Personen auf den Sonnenstein zu locken, die diesen Stadtteil sonst eher nicht besuchen würden.

Der Sonnenstein hat nicht unbedingt den besten Ruf. Werten diese Veranstaltungen den Stadtteil auf?

Das möchte ich einordnen. Wir sind der Meinung, dass der Sonnenstein besser als sein Ruf ist. Viele sind begeistert von der einmaligen Lage mit dem weiten Blick in alle Richtungen bis nach Dresden, dem Osterzgebirge und in die Sächsische Schweiz. Einige ziehen extra deswegen hierher, beziehungsweise wollen nicht wegziehen. Die Infrastruktur ist hervorragend. Auch die Stadt Pirna hat in den vergangenen Jahren viel gemacht, unter wurden Straßenzüge erneuert und neue Grünflächen sowie Spielplätze angelegt. Zahlreiche Menschen kommen im Soziokulturellen Zentrum zusammen. Dort hat sich u.a. der Verein ATZE etabliert, der allein im November fast täglich zu mehreren Veranstaltungen einlädt.

Dennoch kommt es immer wieder zu Problemen, zum Beispiel auf dem Parkplatz des neuen Rewe-Markts, wo sich Jugendliche treffen, die sich nicht immer an die Regeln halten ...

Ja, aber auch das muss man einordnen. Auf dem Sonnenstein wohnen circa 6.000 Menschen. 50 unter ihnen fallen vielleicht negativ auf. Also sind es nur ganz wenige, die nicht stellvertretend für den Stadtteil stehen. Sie bilden nicht das Gesicht des Sonnensteins ab. Das machen die Menschen, die hier friedlich in guter Nachbarschaft zusammen wohnen. Allerdings bleiben Negativschlagzeilen immer mehr im Gedächtnis als positive Nachrichten. Ich denke, auch deshalb hat der Sonnenstein ein negatives Image, das ungerechtfertigt ist.

Kommen wir zurück zu der neuen Lesereihe. Sind die Veranstaltungen eine Konkurrenz zu den Lesungen, die in der Stadtbibliothek stattfinden?

Nein, sondern vielmehr eine Ergänzung. Wir arbeiten auch sehr eng mit der Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna (KTP) zusammen. Ebenso wollen wir dem Verein ATZE keine Konkurrenz sein, auch hier besteht eine gute Absprache und Zusammenarbeit.

Jetzt stellte der Dresdner Autor Frank Goldammer sein jüngstes Buch auf dem Sonnenstein vor. Welcher Schriftsteller wird der nächste in der Veranstaltungsreihe sein?

Das ist noch nicht bekannt. Aber die nächste Lesung soll im Februar stattfinden. Bei der Auswahl der Autoren vertrauen wir auf die Ratschläge und Anregungen, die wir von der KTP erhalten.

Schwenken wir von der Kultur zum Kerngeschäft der WGP. Welche größeren Bauprojekte liegen an?

Gerade sind wir dabei, uns durch Umbauten von Wohnraum breiter aufzustellen. Konkret werden zwei Wohnungen zusammengelegt, wodurch ein Große entsteht, zum Beispiel für Familien. Die Nachfrage ist sehr hoch. Außerdem gestalten wir die Gänge in den Hochhäusern neu und arbeiten weiter an der Fassadenerneuerung. In Copitz, im Quartier Lindenstraße, haben wir zahlreiche Balkone saniert beziehungsweise neu angebaut. Auch zwei Aufzüge wurden hier installiert. Rückbauten von Gebäuden im WGP-Bestand sind nicht vorgesehen. Insgesamt vermietet die WGP rund 6.000 Wohnungen im gesamten Pirnaer Stadtgebiet.