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Warum eine Kita Pippi Langstrumpf nach Pirna holt

Die Diakonie gibt der Einrichtung am Reitplatz einen neuen Namen. Dabei spielen eine berühmte Autorin und ihre Schöpfung eine wichtige Rolle.

Neuer Name "Limonadenbaum": Kita-Leiterin Julia Socher (r.) enthüllt gemeinsam mit Kindern und Erziehern das neue Schild.
Neuer Name "Limonadenbaum": Kita-Leiterin Julia Socher (r.) enthüllt gemeinsam mit Kindern und Erziehern das neue Schild. © Daniel Schäfer

Diese Geschichte kommt nun wahrlich nicht ohne Schweden aus, sie funktioniert auch nur mit einer Kinderbuch-Autorin und einer von ihr erfundenen Figur, beide längst weltberühmt. Es geht um den Ort Vimmerby, Astrid Lindgren und irgendwie auch um Pippi Langstrumpf. Lindgren, 1907 geboren, wuchs auf dem Hof Näs in dem Ort Vimmerby auf. Und auf dem Hof des Elternhauses steht etwas Großes, das in etwas abgewandelter Form in eine ihrer Geschichten einging.

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Es ist eine Ulme, hoch von Wuchs, mit einem gewaltigen Stammumfang. Ihre Rinde ist so dick, knorrig und voller Spalten, dass sich darin tatsächlich ein paar Limonadenflaschen verstecken ließen. Diese kindliche Idee griff Astrid Lindgren später in ihrem Buch über Pippi Langstrumpf auf und entfachte damit in den Köpfen von Millionen Kindern wunderbare Fantasien – weil er auf einmal existierte, der Limonadenbaum, von dem aus Pippi ihre Freunde mit Brause versorgte. Und genau dieses Stück Schweden hält nun Einzug in Pirna.

Das Vorbild steht in Schweden

Die Diakonie Pirna, Betreiberin der Kindertagesstätte „Am Reitplatz“ in Pirna, hat der Einrichtung jetzt einen neuen Namen gegeben. Gemeinsam mit den Kindern enthüllten die Erzieher eine große Tafel, das Haus heißt nun „Limonadenbaum“, als Vorbild dient eben jener ungewöhnliche Getränkeausschank von Pippi Langstrumpf.

Als sichtbares Zeichen haftet nun ein großes rundes Schild an der Kita-Fassade, darauf ist ein Baum zu sehen, Stamm und Äste sind mit brauner Farbe gemalt, rote, grüne und orangefarbene Kreise symbolisieren die Blätter. Über allem thront der in geschwungenen Buchstaben getünchte Name „Limonadenbaum“.

„Astrid Lindgren als die Urmutter der Kinderrechte kann man nie genug würdigen“, sagt Kita-Leiterin Julia Socher. Aus diesem Grund sei sehr schnell klar gewesen, dass etwas von der Autorin in der neuen Kita Einfluss finden muss.

Pippi Langstrumpf und die Bibel

Und das Ganze passt auch bestens zum Konzept. „Für uns ist der Kreislauf des Lebens und der Natur, welcher auch die religionspädagogischen Ansätze vereint, zentral in der Wissensvermittlung der Kinder“, sagt Julia Socher.

Was Kinder bräuchten, lasse sich mit zwei Büchern ausdrücken: Pippi Langstrumpf und die Bibel. Beides passe laut der Kita-Leiterin ganz wunderbar zusammen, da auch die Bibel ausdrücke, dass Kinder geliebt und von Gott gewollt seien. Nichts Anderes verkörpere Pippi Langstrumpf.

Die Liebe zu sich selbst sowie Achtung und Respekt voreinander seien für Pippi und Schöpferin Astrid Lindgren die Grundlage aller Kinderrechte. „Und für uns sind sie die Grundlage der Arbeit mit unseren Kindern im offenen Konzept“, sagt Julia Socher.

Großer Bedarf an Betreuungsplätzen

Der neue Name hielt aber noch aus einem anderen, wesentlich profaneren Grund Einzug. „Das ist für uns die Gelegenheit, uns endlich von dem bisherigen Arbeitstitel zu trennen“, sagt Diakonie-Geschäftsführer Tobias Oertel.

Die Stadt hatte die Einrichtung, vor einem Jahr in Betrieb gegangen, unter dem Titel „Reitplatz I“ errichten lassen. Der Name leitete sich von dem gleichnamigen Bebauungsplan für das Areal ab, dass sich hinter der Sporthalle des Schiller-Gymnasiums an der Seminarstraße in Richtung Hohe Straße erstreckt.

Die neue Einrichtung entsprang dem Umstand, dass die Geburtenzahlen in Pirna nach wie vor anhaltend hoch sind und immer mehr junge Familien mit Kindern in die Stadt ziehen. Damit stieg auch der Bedarf an Betreuungsplätzen, doch das bislang vorhandene Angebot war nahezu ausgereizt. Vor allem im Bereich Altstadt, so ergab eine Analyse des Rathauses, bestand noch ein größeres Defizit, was die neue Einrichtung vorerst ausgleichen sollte.

Neubau in Rekordzeit

Im April 2020 hatten die Arbeiten an der Einrichtung begonnen, reichlich fünf Monate später war sie fertig. Was den Bau so flott voranschreiten ließ, war die spezielle Bauweise. Die Kita entstand aus einzelnen vorgefertigten Modulen, die Fachleute auf der Baustelle zusammenfügten und komplettierten. 18 Module insgesamt bilden das Gebäude mit zwei Etagen – im finalen Zustand lässt es sich nicht von einem Haus in herkömmlicher Massivbauweise unterscheiden.

Die Kita kostete rund 3,2 Millionen Euro, Pirna bekam 1,25 Millionen Euro Fördermittel vom Bund sowie einen Zuschuss von 125.000 Euro vom Landkreis. In der Einrichtung können bis zu 100 Kinder betreut werden, es gibt 76 Kindergarten- und 24 Krippenplätze. Nach Aussage von Tobias Oertel sei die Einrichtung noch nicht voll ausgelastet, was sich aber in Kürze ändern werde. Derzeit seien 13 Erzieher im Haus beschäftigt. Und es gesellt sich in nächster Nähe bald noch ein spezieller Zuwachs dazu.

Hier wird selbst Limo gemacht: Der vierjährige Felix (l.) und die sechsjährige Frieda schütten kleine Apfelstücken in einen Zerkleinerer, die dann zu Apfelsaft in einer Saftpresse werden.
Hier wird selbst Limo gemacht: Der vierjährige Felix (l.) und die sechsjährige Frieda schütten kleine Apfelstücken in einen Zerkleinerer, die dann zu Apfelsaft in einer Saftpresse werden. © Daniel Schäfer

Die nächste neue Kita entsteht

Neben dem Kita-Gelände verläuft ein öffentlicher Fußweg von der Seminarstraße hinauf zur Hohen Straße. Daneben, auf der anderen Seite, liegt ein weiteres städtisches Grundstück. Darauf lässt die Stadt in Kürze ein weiteres Haus bauen, die Kita „Reitplatz II“. Das Gebäude ist die Konsequenz daraus, dass selbst mit der Kita „Limonadenbaum“ die Betreuungsplätze noch immer nicht ausreichen. Auch im zweiten Haus soll es künftig 100 Plätze geben.

Auch diese Kita soll in Modulbauweise entstehen. Geplant ist, dass sie zum Start des Schuljahres 2022/23 in Betrieb geht. Der Neubau kostet rund 3,5 Millionen Euro, Pirna erhält dafür insgesamt Fördermittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Wer diese Einrichtung künftig betreibt, steht noch nicht fest.

Limo vom eigenen Baum

Im bereits vorhandenen Pendant haben die Kinder unterdessen passend zum neuen Namen ihre ganz eigene Geschichte kreiert. Auf dem Gelände findet sich ein Limonadenbaum – allerdings in Gestalt von zwei Apfelbäumchen. „Sie sind gerade so hoch, dass unsere Kinder genau wie damals Astrid Lindgren auch in den Bäumen klettern können und zusätzlich noch etwas zum Ernten haben“, sagt Julia Socher.

Und so wird es dann alljährlich zum Kita-Fest selbst gemachte Apfel-Limonade geben – vom eigenen Limonadenbaum.

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