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Was wird aus Pirnas Jugendtreffs?

Die Jugendtreffs in Pirna mussten coronabedingt schließen. Ein Sozialarbeiter sagt im Gespräch, was trotzdem geht.

Der Jugendsozialarbeiter Lucas Vogel trifft sich mit einem Jugendlichen im Park in Copitz.
Der Jugendsozialarbeiter Lucas Vogel trifft sich mit einem Jugendlichen im Park in Copitz. © Norbert Millauer

Der Verein Hanno betreibt drei offene Kinder- und Jugendtreffs in der Stadt Pirna: in Copitz, in der Altstadt und auf dem Sonnenstein. Normalerweise tobt hier nach der Schule das Leben. Die Treffpunkte sind bei den Jugendlichen beliebt. Hier können sie chillen, spielen oder sich mal in Ruhe aussprechen. In Corona-Zeiten geht das nicht. Die Treffpunkte sind noch mindestens bis zum 14. Februar geschlossen. Um ihre Klientel aber dennoch zu erreichen, gehen die vier Sozialarbeiter vom Hanno jetzt verstärkt auf die Straße. Einer von ihnen ist Lucas Vogel. Die SZ sprach mit ihm.

Herr Vogel, wie funktioniert die Jugendarbeit aktuell in Pirna?

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Laut Verordnung dürfen wir die Treffpunkte nicht öffnen. Da die Jugendlichen nicht zu uns kommen können, gehen wir zu ihnen. Wir führen verstärkt mobile Arbeit durch. Das heißt konkret, dass wir die Jugendlichen im öffentlichen Raum aufsuchen, an Punkten, wo wir sie vermuten. Wenn wir junge Menschen treffen, versuchen wir mit ihnen ins Gespräch zu kommen, und loten aus, was aktuell ihre Bedürfnisse sind, welche Sorgen, welche Probleme haben sie.

Was sind das für Sorgen?

Am häufigsten hören wir, dass die sozialen Kontakte untereinander fehlen. Vielen jungen Menschen fällt es schwer, eine Alltagsstruktur zu finden. Schularbeiten und Freizeit spielen sich größtenteils zu Hause ab. Das führt bei manchen Jugendlichen zu Frustration. Es ist aber auch für die Familie, also für die Eltern, eine belastende Situation. Junge Menschen und Familien, die sich schon vor der Pandemie in einer prekären Situation befanden, drohen jetzt noch einmal tiefer in die Krise zu rutschen.

Welche Hilfsangebote können Sie den Jugendlichen machen?

Zum einen stehen wir beratend zur Seite. Wir bieten Gespräche an, zum Beispiel während der Spaziergänge unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Sich auszutauschen hilft oftmals. Das nimmt den Druck. Aber wir können auch an andere Fach-Beratungsstellen weiter vermitteln. Ich möchte aber sagen, dass diese Treffen trotzdem nicht unter die optimalen Bedingungen stattfinden. Ein geschützter Raum, in dem man auch vertrauliche Themen besprechen kann, fehlt.

Erreichen Sie denn auf diese Weise alle Jugendlichen?

Diese Frage muss ich eindeutig mit einem Nein beantworten. Denn die meisten Jugendlichen haben sich, wie bereits erwähnt, in ihre Wohnungen zurückgezogen. Deshalb versuchen wir auch verstärkt mit ihnen über die sozialen Medien zu kommunizieren und Kontakt zu halten. Über diese Kanäle informieren wir ebenso über die jeweils aktuellen Einschränken, die speziell Jugendliche betreffen. In den Winterferien wollen wir kleine Geschenktüten verteilen, in denen unter anderem aktuelle Information über Corona, ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel enthalten sind.

Was macht der Lockdown mit einem Jugendlichen? Drohen eventuell sogar Depressionen?

Ich denke, am schwierigsten ist für sie die Unsicherheit darüber, wie es weitergeht. Das Stichwort lautet: Perspektivlosigkeit. Ob das im Extremfall zu Depressionen führt, kann ich nicht sagen, aber es führt leider oftmals zu Motivationslosigkeit. Das haben wir im Team schon oft in den Gesprächen mit den Jugendlichen festgestellt.

Halten Sie vor diesem Hintergrund als Jugendsozialarbeiter die Einschränkungen für gerechtfertigt?

Da bin ich in einem Dilemma. Auf der einen Seite stehen die Maßnahmen dafür, dass die Pandemie eingeschränkt wird. Das ist wichtig. Aber ich sehe auch die Bedürfnisse der Jugendlichen. Sie wollen sich treffen. Sie haben Probleme, über die sie reden möchten. Entweder mit uns oder mit ihren Freunden in ihrer Peergroup. Das fand vor der Pandemie in den Treffpunkten statt. Ich fürchte, es ist wahrscheinlich, dass sich jetzt Jugendliche in belasteten Familien in einer noch schwierigeren Situation befinden. Es fehlt der außerfamiliäre Treffpunkt. Dagegen versuchen wir mit unserer mobilen Arbeit anzusteuern.

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