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Wer hat den Wreesmann-Markt angezündet?

Wegen des Brandes zu Weihnachten 2019 auf dem Pirnaer Sonnenstein stehen zwei Männer vor Gericht. Das Feuer hatte einen bestimmten Zweck.

Feuer im Wreesmann-Markt auf dem Pirnaer Sonnenstein. Zwei Männer müssen sich jetzt wegen Brandstiftung verantworten.
Feuer im Wreesmann-Markt auf dem Pirnaer Sonnenstein. Zwei Männer müssen sich jetzt wegen Brandstiftung verantworten. © Marko Förster

Ein Brand, mehrere Einbrüche und zwei Verdächtige. Am 26. Dezember 2019 kam es im Wreesmann Sonderpostenmarkt zu einem verheerenden Brand und anschließender Sprengstoffexplosion durch Feuerwerkskörper. Durch das Feuer, bei dem die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass es gelegt wurde, entstand ein Sachschaden in Höhe von fast einer halben Millionen Euro. Der Verdacht: Brandstiftung, um einen Einbruch zu verschleiern.

"Eine totale Chaosakte"

Verantwortlich sollen dafür Michael U. und Ricardo P. gewesen sein. Sie sollen eine Palette mit Feuerwerkskörpern angezündet und die Zerstörung des Geschäfts billigend in Kauf genommen zu haben.

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Michael U., der angibt seinen Mitangeklagten nur vom Sehen zu kennen, wird noch etlicher weiterer Straftaten bezichtigt. Ihm wird zur Last gelegt, am 1. Januar 2020 noch ein weiteres Mal in das Geschäft eingedrungen zu sein und einen Tresor mit Geld gestohlen zu haben. Dazu kommen noch weitere Einbrüche und eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, bei der er fahrlässig Menschen gefährdete. "Eine totale Chaosakte", befindet der Vorsitzende Richter Beeskow am Pirnaer Amtsgericht mit Blick auf die Vorgeschichte des Mannes.

Beinahe ein Geständnis

Nach anfänglichem Schweigen beim Prozess beschließt Michael U. in Absprache mit seiner Anwältin sich zu den Vorwürfen zu äußern. Er bekennt sich zu sämtlichen Tatvorwürfen schuldig, allerdings nicht zum Einbruch und der mutmaßlichen Brandstiftung am 26. Dezember 2019. Bei der Befragung durch den Staatsanwalt macht der 42-Jährige geltend, bei allen aufgeführten Straftaten unter dem Einfluss von Drogen gestanden zu sein. Er spricht von einer langjährigen Abhängigkeit, vornehmlich von Chrystal Meth und Cannabis. Bis August 2019 sei er in Therapie gewesen, war kurz darauf aber wieder rückfällig geworden.

Bei den Raubzügen, so erklärt Michael U., der keine abgeschlossene Ausbildung hat, ist er nicht allein gewesen. Wer allerdings die Einbrüche mit ihm durchgezogen hat, will er nicht sagen.

Brandstifter mit schwachem Alibi

Der zweite Angeklagte, Ricardo P., gilt des Einbruchs am 26. Dezember und der damit einhergehenden Brandstiftung so gut wie überführt. Der Berufskraftfahrer weist zwar für den betreffenden Tag ein Alibi vor, doch die Beweislast ist erdrückend.

Nach dem Eindringen in die Gebäude durch einen Hintereingang tauschte der Täter das Schloss aus. Das Problem? An dem neuen Schloss befinden sich Ricardo P.´s Fingerabdrücke. Zwar bringt der 47-Jährige vor, dass seine Fingerabdrücke auf das Schloss gekommen sind, als er sich kurz davor im Geschäft um eine Stelle beworben hat, für plausibel hält der vorsitzende Richter Beeskow das aber nicht.

Auch gegen seine Aussage spricht, dass er an Silvester zur Feier mit seiner Ex-Freundin feierte eine große Tasche mit Feuerwerkskörpern mitgebracht hat. Vom Entzünden dieser hat er ein Video gemacht, auf dem der Regionalleiter von Wreesmann die Sprengkörper als Produkte von Wreesmann identifizieren konnte.

Wie sind die Täter hineingelangt?

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Michael U. gab an, nach dem Brand nur am 3. Januar bei Wreesmann eingestiegen zu sein, weil er gehört habe, dass die Hintertür nicht richtig verschlossen ist. Auch sonst kam es in der folgenden Zeit häufiger zu Erkundungen des ausgebrannten Ladens durch Unbekannte. Auf die Frage, wieso die Tür nicht verriegelt war und wie das unbemerkt bleiben konnte, wurden vor Gericht stundenlang mehrere Zeugen befragt und noch immer ist keine eindeutige Antwort gefunden. Es gilt in diesem Fall auch noch weitere Zeugen anzuhören und noch wichtige Details zu erörtern. Am 20. Januar wird die Verhandlung fortgesetzt.

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