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Wie fahrradfreundlich ist Pirna?

Der ADFC ruft erneut zum Fahrradklima-Test auf. Die Stadt hat zwar vieles getan. Aber immer noch gibt es knifflige Ecken.

Der Radweg auf der Stadtbrücke ist relativ eng und hoch. Wer hier ins Trudeln gerät, droht zu stürzen.
Der Radweg auf der Stadtbrücke ist relativ eng und hoch. Wer hier ins Trudeln gerät, droht zu stürzen. © Norbert Millauer

Alle zwei Jahre sind die Radfahrer gefragt, auch in Pirna. Erneut ruft der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC)  zum Fahrradklima-Test auf. So ganz rund läuft es in Pirna offensichtlich noch nicht. Bei der vorigen, nicht repräsentativen, Umfrage im Jahr 2018 gaben 81 Prozent der Pirnaer an, sich beim Radfahren gefährdet zu fühlen. 85 Prozent sahen sich mit dem Rad auch an Baustellen unzureichend geschützt und 83 Prozent vermissten einen guten Winterdienst auf den Radwegen der Stadt. Viele klagten über Konflikte mit Autofahrern.  Nur elf Prozent der Radfahrer in Pirna fühlten sich als gleichwertige Verkehrsteilnehmende akzeptiert. Fazit: Auf der Skala von eins bis sechs schnitt  Pirna mit der Gesamtnote 4,2 nicht sonderlich ruhmvoll ab. 

Allerdings hat die Stadtverwaltung in den zwei vergangenen Jahren durchaus etwas für die Sicherheit für Radfahrer vorangebracht. Alle kniffligen Ecken wurden allerdings nicht entschärft. Sächsische. de listet auf. 

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Problem 1: Radweg auf der Stadtbrücke schmal und hoch

Das Dauerthema: Immer wieder beklagen sich Radfahrer über den Radweg auf der Stadtbrücke, der von Copitz in die Altstadt führt. Zu schmal und zu hoch, lauten die Kritikpunkte. Steffen Hoffmann, Ansprechpartner vom ADFC Landesverband Sachsen für die Region Oberes Elbtal, hat nachgemessen. "Der Radweg ist lediglich 1,40 Meter breit, inklusive der Pufferzone", was nicht der Norm eines benutzungspflichtigen Radweges entspreche. Dennoch hat der Radweg zwischen den Eisenbahnschienen und der Fahrbahn Bestandsschutz. "Das hat das Amtsgericht Dresden vor zwei Jahren bestätigt", erklärt Hoffmann. Für den Radfahrlobbyisten eine nicht nachvollziehbare Entscheidung, denn nicht nur die Breite sei das Problem, sondern auch die Höhe. Der Bordstein misst 16 Zentimeter. "Die Gefahr von Stürzen ist sehr hoch, gerade wenn hier ein Lkw vorbeifährt, der den Radfahrer mit seinem Luftsog beeinträchtigt. Der Radler gerät dann ins Trudeln", erklärt Hoffmann. Für einen Radfahrer mit Doppelsitz-Anhänger sei der Weg praktisch nicht nutzbar. Die Folge ist klar: Viele nehmen den Radweg auf der gegenüberliegenden Fahrbahnseite, obwohl dieser nur in Richtung Copitz freigegeben ist. Und das kann teuer werden. Wer von der Polizei erwischt wird, zahlt ein Bußgeld. 

Problem 2: Fehlende Direktverbindungen

Besonders die Ost-West-Achse sei für Radfahrer nicht optimal gelöst.  Skeptisch steht Steffen Hoffmann vor der Gartenstraße schaut in Richtung Altstadt. Weder Autos noch Radfahrer dürfen hier durch, da es sich um eine Einbahnstraße handelt. "Es wäre sinnvoll, die Trasse stadteinwärts für Radfahrer zu öffnen, sodass sie einen direkten Zugang vom Bahnhof zur Innenstadt haben", erklärt der Experte. Derzeit müssen Radler die Klosterstraße oder Bahnhofstraße nutzen, um in die Altstadt zu kommen.

Problem 3: Gefahrenstelle auf dem Elberadweg

Kein Radweg in der Region ist so stark frequentiert wie der Elberadweg, auf dem Touristen aus ganz Deutschland und Europa entlang radeln. Allerdings beklagt der ADFC-Fachmann diverse Gefahrenstellen auf dieser Strecke in Pirna.  Schnell um die Ecke sausen beim Elbschlösschen geht jedenfalls gar nicht. "Der Elberadweg ist an dieser Stelle eindeutig zu schmal und schlecht einsehbar", erläutert Hoffmann. Dabei sei der Radweg stark genutzt, besonders im Sommer. "Dass hier noch nichts passiert ist, grenzt an ein Wunder", meint er. Um diese Gefahrenstelle zu entschärfen, schlägt er vor, den Elberadweg über den Steinplatz, Ziegelstraße bis zum Straßenbeginn Am Wasserwerk umzuverlegen. "Die Radfahrer fahren dann durch eine sehr schöne Ecke von Pirna jenseits des Bahndammes, was sie auch gleichzeitig in die Altstadt locken würde", überlegt der Pirnaer laut.

Problem 4: Autofahrer sehen Radfahrer schlecht am PEZ

Der Fuß-/Radweg an der Rottwerndorfer Strasse, Höhe, der Ausfahrt vom PEZ, ist ein Gefahrenpunkt.
Der Fuß-/Radweg an der Rottwerndorfer Strasse, Höhe, der Ausfahrt vom PEZ, ist ein Gefahrenpunkt. © Norbert Millauer

Die Ausfahrt am Pirnaer Einkaufszentrum (PEZ) auf die Rottwerndorfer Straße ist knifflig. Die Sichtbeziehungen für Autofahrer sind schlecht, sodass sie sich auf dem Radweg vortasten müssen. Somit droht die Gefahr von Kollisionen. "Es ist wirklich eine sehr gefährliche Ecke", bestätigt ein Pirnaer, der oft mit seinen Kindern den Fuß-/Radweg an dieser Strecke nutzt. 

Gelöst 1: Neue Radwege im Stadtgebiet

Der Radweg an der Rottwerndorfer Straße im Bereich der Südvorstadt wurde neu gebaut. Allerdings stören sich viele an den Pollern.
Der Radweg an der Rottwerndorfer Straße im Bereich der Südvorstadt wurde neu gebaut. Allerdings stören sich viele an den Pollern. © Norbert Millauer

Im Frühsommer 2018 wurde der neue Rad- und Gehweg an der Rottwerndorfer Straße von der Einmündung Bachstraße bis zum Evangelischen Schulzentrum endgültig freigegeben. Davor mussten Radfahrer und Fußgänger auf einem unbefestigten Randstreifen fahren beziehungsweise gehen, der bei Regen einer Schlammstrecke glich. Einen Haken gibt es dennoch. Zahlreiche Radfahrer kritisieren die aufgestellten Poller auf dem neuen Weg. Doch die Stadtverwaltung will an der Situation nichts ändern. "Damit keine Pkws den Geh- und Radweg unerlaubt befahren, ließ die Stadt zwei Absperrpfosten mit einem Abstand von je einem Meter setzen", betont Rathausprecherin Jekaterina Nikitin. Der Abstand erfülle die vorgegebenen Anforderungen für Radfahrer sowie auch Rollstuhlnutzer oder Fußgänger mit Kinderwagen. Die Pfosten dienten somit der Sicherheit der Nutzer des neuen Geh- und Radweges, unterstreicht Nikitin. Auch an der Äußeren Pillnitzer Straße in Copitz wurde der Fuß-/Radweg im Bereich der Wesenitzkreuzung bis zum Autohaus auf einer Länge von 150 Meter erneuert. 

Gelöst 2: Neue Fahrradbügel in der Innenstadt

Auf Anregung  des ADFC ließ die Stadt mehrere neue Fahrradbügel aufstellen, unter anderem an dem Rathaus und in der Breiten Straße beziehungsweise in der Gartenstraße. Außerdem plant Pirna mittel- bis langfristig einen großen P+R-Parkplatz in Bahnhofsnähe, er soll nach derzeitigen Plänen auf dem Areal zwischen Bahnhof und Elberadweg entstehen. Dort sind ebenfalls Radparkplätze geplant - wie viele und in welcher Form, wird jedoch erst bei der Planung festgelegt. Pirna ist derzeit mit Anbietern von diebstahlsicheren Fahrradparksystemen bzw. Fahrradboxen im Gespräch. Damit soll ein Angebot geschaffen werden, um dem subjektiven Sicherheitsbedürfnis der Radler Rechnung zu tragen - indem sie beispielsweise hochwertige Räder wie E-Bikes sicher anschließen oder verwahren können. Ein erster Standort könnte noch 2020 am Bahnhof realisiert werden.

Gelöst 3: Kürzere Wartezeiten auf der Stadtbrücke

Radfahrer, die auf dem separaten Radweg auf der Pirnaer Stadtbrücke von Copitz in Richtung Altstadt unterwegs sind, müssen jetzt nicht mehr so lange an der eigens für sie eingerichteten Ampel am Abzweig Brückenstraße warten wie bisher.
Ostern 2020 wurde für die Radfahrer aus Richtung Copitz die Schaltzeit an der Lichtsignal-Anlage geändert. Wenn nach Aussage der Stadt ein Radfahrer, der die Stadtbrücke queren will, den sogenannten Anforderungs-Taster betätigt, bekommt dieser so schnell wie möglich "Grün". Auf diese Weise will das Rathaus verhindern, dass sich Radfahrer auf dem ohnehin schon sehr schmalen Radweg zurückstauen. (mit SZ/tmö)

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