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Wie lange warten auf ein neues Fahrrad?

2020 kam mit Corona die Lust aufs Radeln. Verkaufszahlen und Wartezeiten schossen in die Höhe. So geht es dieses Jahr weiter.

Fahrrad, Mund-Nasen-Schutz: Zwei Top-Artikel aus dem Jahr 2020.
Fahrrad, Mund-Nasen-Schutz: Zwei Top-Artikel aus dem Jahr 2020. © dpa

René Barthels, dem Inhaber von "Bike und Snow Barthels" in Pirna bringt es in einem Satz auf den Punkt. "Als wir nach Ostern 2020 wieder den Verkauf starten konnten, waren unser Lager und Verkaufsraum innerhalb von drei Wochen leer." Das Fahrradjahr ist geprägt von enormen Verkaufszahlen und Wartezeiten von teilweise mehreren Monaten für Kunden. Sächsische.de erklärt, welche Räder am beliebtesten sind und wie viel sie kosten.

Lag das Absatzplus nur an Corona?

Dass die Nachfrage an Fahrrädern wächst, war vor allem im Frühjahr und Frühsommer 2020 zu spüren. "Gegenüber dem Vorjahr stieg der Verkauf um 300 Prozent", erklärt Barthels. Und dabei geht es nicht ausschließlich um Fahrräder, sondern auch um deren Reparatur und um Zubehör. Wegen der Kontaktbeschränkungen wurde Radfahren als individuelle Beschäftigung immer beliebter, mehr Leute achteten auf ihre Gesundheit und fuhren auch mit dem Rad auf Arbeit.

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Nicht allein das Virus ist aber für die erhöhte Nachfrage an Fahrrädern verantwortlich. Die steigende Beliebtheit ist auch im wachsenden Umweltbewusstsein begründet, so Krause.

René Barthels: "Unser Lager und Verkaufsraum waren innerhalb von drei Wochen leer."
René Barthels: "Unser Lager und Verkaufsraum waren innerhalb von drei Wochen leer." © Die Fahrrad-Kette

Welche Fahrräder sind am stärksten gefragt?

Durch alle Kategorien hindurch ist in der Nachfrage das E-Bike das Maß aller Dinge. Egal ob E-Mountainbike, E-Trekkingbike oder E-Cityrad - für viele Händler machen motorisierte Zweiräder inzwischen einen Großteil des Verkaufes aus. Und das nicht nur unter älteren Menschen. Das E-Bike hat es über die letzten Jahre geschafft, sein Image als Rentner-Gefährt loszuwerden und erfreut sich eines breiteren Klientels.

Laut einer statistischen Erhebung des Zweirad-Industrie-Verbandes sind 65 Prozent der in Deutschland erworbenen Zweiräder E-Bikes. Im Jahr zuvor waren es noch 58 Prozent. Auf dem zweiten Platz, aber deutlich dahinter kursieren Mountainbikes mit etwa 10 Prozent in beiden Jahren. Die Fahrräder auf den darauffolgenden Plätzen wie Trekkingräder, Kinderfahrräder und Rennräder sind fast ausschließlich in der Beliebtheit gesunken. Das geht aus einer Auswertung des Preisvergleichsportals Idealo.de hervor.

Der in Deutschland laut Verkaufszahlen beliebteste Hersteller für E-Bikes ist "Cube". Ein Viertel aller verkauften Räder sind von dieser Marke. Den zweiten Platz belegt die Marke "Haibike" mit etwa 16 Prozent, dicht gefolgt von "Kalkhoff" mit knapp 14 Prozent.

Wie viel kostet mein Wunschfahrrad?

Mit der Nachfrage stieg auch der Preis. Vor allem bei E-Bikes stieg der Preis auch aufgrund neuer Technik wie neueren Motoren und größeren Akkus. "Einige Hersteller haben die Preise erhöht, da sich die Preise der Überseecontainer extrem erhöht haben," erklärt Barthel.

Wie Andreas Krause, kaufmännischer Leiter der Firma Fahrrad-Kette mit Standorten in Freital und Pirna, sagt, geht die Tendenz seiner Kunden eher in Richtung qualitativ hochwertig und nachhaltig. Ein E-Bike kostet, abhängig von der Marke, ab 2.000 Euro aufwärts. "Nach oben sind dem Preis praktisch keine Grenzen gesetzt", sagt er. Manche der Zweiräder sind teurer als ein Kleinwagen.

Laut einer Auswertung des Portals Idealo.de hat ein Fahrrad mit Elektromotor im Jahr 2019 im Mittel noch rund 2.400 Euro gekostet, ein Jahr später lag der Durchschnitts-Preis bei etwa 2.800 Euro. Auch andere Räder wurden kostenintensiver. Während ein Mountainbike vorletztes Jahr noch rund 1.700 Euro teuer war, ist der Preis im vergangenen Jahr auf etwa 2.000 Euro geklettert. Auch Rennräder sind mit nunmehr etwa 2.300 Euro über 300 Euro teurer als vorher. Nur Trekkingräder, Kinderfahrräder und Klappräder sind im Preis kaum gestiegen. Citybikes waren 2020 mit 580 Euro sogar etwas günstiger als 2019 (590 Euro). Das geht aus einer Statistik des Einkaufsportals Idealo hervor.

"Die Menschen wissen, dass ein Helm zum Fahrrad gehört wie das Anschnallen zum Auto."
"Die Menschen wissen, dass ein Helm zum Fahrrad gehört wie das Anschnallen zum Auto." © Die Fahrrad-Kette

Dass sich der Verkauf trotz der gestiegenen Preise so entwickelt hat, begründet der Fahrrad-Kette-Chef Krause auch mit Finanzierungssystemen wie beispielsweise Leasingoptionen, die einige Händler anbieten.

Einzig beim Zubehör sind die Preise gleich geblieben. Das beliebteste Zubehörstück 2020 war übrigens der Helm. "Endlich wollen viel mehr Leute einen Helm tragen. Die Menschen wissen, dass dies zum Rad gehört wie das Anschnallen zum Auto", so Gollmann. Ansonsten standen auch Rucksäcke, Schlösser und Radtaschen hoch im Kurs.

Wie sind die Wartezeiten bei Bestellungen?

Der Verkauf von Rädern vom Fachhändler läuft aktuell ausschließlich über das Internet - die Beratung bei Bedarf über das Telefon. Geschäfte wie die Fahrrad-Kette, Zweirad Gollmann oder Bike und Snow Barthel haben sich auf den Verkauf auf den Onlinehandel umgestellt. Viele Geschäfte bieten einen Abholservice an. Wie lange man auf sein Zweirad warten muss, ist von vielen Faktoren abhängig, erklärt Andreas Krause. Nicht nur die Händler sind teilweise ausverkauft, auch einige Anbieter geben an, am Ende ihrer Kapazitäten zu sein. Dementsprechend kann man - je nachdem, für welches Fahrrad man sich entscheidet - mit Wartezeiten von einigen Monaten rechnen. Obwohl Barthel von "Bike and Snow Barthel" hofft, seine Kundschaft im Frühjahr 2021 zufriedenstellen zu können, geht er davon aus, dass sich die Situation erst ab 2022 wieder zum Normalzustand zurückfindet.

Auf die Frage, wann ein Neukauf am besten ist, erklärt Andreas Krause, dass man warten sollte, bis die Geschäfte wieder geöffnet haben. Denn auch, wenn sich die Läden mittlerweile zum Großteil auf kompetente Telefonberatung eingestellt haben, sei eine Vor-Ort-Beratung doch der beste Weg, so der Fachmann. Wer jedoch sein Fahrrad fit für den Sommer machen möchte, der schafft es besser gleich in die Werkstatt, bevor die Saison wieder richtig losgeht.

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