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Pirna will Handyticket, Carpooling und Onlineanträge

Mit dem Konzept "Smart City" treibt die Stadt den digitalen Wandel weiter voran. Woanders ist man in einigen Punkten schon weiter.

Parkautomat für Handyparken in Sebnitz: Auch in Pirna können Parktickets künftig per Smartphone bezahlt werden.
Parkautomat für Handyparken in Sebnitz: Auch in Pirna können Parktickets künftig per Smartphone bezahlt werden. © Steffen Unger

Seit Jahren schon zieht immer mehr digitale Technik in die Lebenswelt ein. So lassen sich beispielsweise schon vielerorts Behördengänge online erledigen, ohne dass man dafür jedes Mal persönlich aufs Amt muss. Viele alltägliche Dinge sind überdies mit dem Smartphone zu bewältigen, das spart oft Zeit. Doch die technischen Möglichkeiten sind längst noch nicht ausgeschöpft.

Daher will auch Pirna den digitalen Wandel weiter vorantreiben. Grundlage dafür bildet das Konzept "Smart City", gemeinsam erarbeitet von der Stadt und dem Berliner Beratungsinstitut "adelphi", spezialisiert in diesem Bereich.

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Dabei geht es darum, digitale Lösungen zu nutzen, um Prozesse in der Verwaltung zu vereinfachen, aber auch darum, Lebenswelten zu vernetzen, um die Lebensqualität der Einwohner zu verbessern.

Der Stadtrat soll das Konzept, wie Pirna eine "schlaue" Stadt werden kann, in der nächsten Sitzung beschließen. Sächsische.de stellt das Projekt anhand ausgewählter Beispiele vorab vor.

Warum gibt es das Konzept "Smart City"?

Pirna will sich damit noch stärker als bisher auf den Weg ins digitale Zeitalter machen. Das Konzept übersetzt Visionen in konkrete Vorhaben, die nicht nur theoretisch einen Mehrwert bringen, sondern sich ganz praktisch anwenden lassen.

Das Konzept mit kurz-, mittel- und langfristigen Zielen dient nun als Fahrplan, den es schrittweise umzusetzen gilt - entsprechend dem "Leitbild Pirna 2030". Das Ziel: Pirna soll auch künftig eine handlungsfähige und lebenswerte Stadt bleiben.

Auf welche Bereiche erstreckt sich das Konzept?

Schwerpunktmäßig beleuchtet werden in diesem Konzept die Bereiche öffentliche Verwaltung, Tourismus und Stadtmarketing, Mobilität, Bürgerbeteiligung sowie Energie und Umwelt.

Wie ist das Konzept entstanden?

Bereits im November 2019 gab es einen Workshop zu diesem Thema, beteiligt daran waren Mitarbeiter des Rathauses sowie der städtischen Tochterunternehmen, beispielsweise der Stadtwerke.

Daraus entstand eine Steuerungsgruppe, die fortan das Konzept detailliert ausarbeitet. Anfang 2020 schloss sich eine Bürgerumfrage an, an der sich 460 Pirnaer beteiligten. "Das ist ein erfreulich hoher Richtwert", sagt Lisa Schäfer von "adelphi".

Das Ergebnis: Die meisten der Befragten erhoffen sich von dem Konzept "Smart City" mehr Lebensqualität und Komfort im Alltag, darüber hinaus verbesserte Mobilitätsangebote, Kostenersparnisse sowie einen besseren Umwelt- und Klimaschutz.

Auch dank konkreter Vorschläge der Pirnaer sind nun elf Vorhaben für die öffentliche Verwaltung, vier für die Bürgerbeteiligung, 18 für den Bereich Energie und Umwelt, acht für die Mobilität und zwei für den Bereich Tourismus und Marketing herausgekommen.

Öffentliche Verwaltung

Online-Terminvergabe: Was bereits läuft, ist die Online-Terminvergabe auf der Pirnaer Internetseite. Darüber können die Einwohner ihren gewünschten Termin im Rathaus buchen und so ihre Anliegen ohne lästige Wartezeiten klären.

Online-Anträge: Auch andere Dingen sollen künftig erledigt werden können, ohne dass man persönlich ins Rathaus muss. So arbeitet die Verwaltung an einem System, mithilfe dessen Anträge online gestellt oder benötigte Urkunden online bestellt werden können, bezahlt wird ebenfalls online.

Online-Anhörung bei Ordnungswidrigkeiten: Knöllchen sollen Parksündern künftig nicht mehr per Post, sondern digital zugestellt werden, der Bescheid ist dann beispielsweise auf dem Smartphone abrufbar. Das Bußgeld kann dann online gezahlt werden. Das spart Zeit, Papier und verringert die Fehlerquote. Auch die Anhörung in solchen Ordnungswidrigkeiten-Verfahren soll künftig online stattfinden, dafür wird eine Eingabemaske für die Internetseite entworfen. Geplanter Start: noch in diesem Jahr.

Tourismus und Marketing

Digitales Stadtgedächtnis: In Arbeit ist ein sogenanntes digitales Stadtgedächtnis. Auf diese Weise soll das kollektive Gedächtnis der Stadt erweitert und vertieft werden. Über eine Online-Plattform können die Pirnaer dann Erinnerungen oder Ereignisse ans Rathaus übermitteln.

Als Grundlage dafür dienen aber auch Ausstellungen, beispielsweise des Stadtmuseums, die irgendwann wieder in den Archiven verschwinden. Über die neue Online-Plattform in Form einer interaktiven Karte bleiben die Erinnerungen, Erlebnisse und Fakten dann für immer und jeden sichtbar - alles zusammen ist dann sozusagen Geschichte zum Nacherleben.

Mobilität

Car-Pooling: Untersucht wird das sogenannte "Car-Pooling", um bestehende Mobilitätsangebote zu ergänzen oder Lücken zu füllen. Das betrifft vor allem jene Zeiten, in denen beispielsweise nur noch wenige oder gar keine Busse mehr fahren. Für solche Fälle soll ein Fahrzeug-Pool gebildet werden. Aus diesem Pool können dann bei Bedarf per App oder Telefon Fahrzeuge gebucht werden, um beispielsweise abends in entlegene Stadtteile zu gelangen, wenn kein anderes öffentliches Verkehrsmittel mehr fährt. Bekannt ist ein solches Projekt auch unter dem Namen "Rufbus".

Dynamische Fahrplananzeige: An allen Bushaltestellen soll es künftig dynamische Fahrplananzeigen geben, damit sich Fahrgäste einfach und übersichtlich darüber informieren können, wann Busse ankommen und abfahren. Die Anzeige passt sich automatisch den Gegebenheiten an und berücksichtigt unter anderem auch mögliche Verspätungen.

Dynamisches Parkleitsystem: In Planung ist auch ein dynamisches Parkleitsystem, das automatisch Parkplätze und noch freie Stellplätze anzeigt, um den Parksuchverkehr künftig besser zu steuern.

Handyparken: Vorbereitet wird ein System, mit dem man Parktickets künftig per Smartphone bezahlen kann, das spart Zeit und erspart die oft lästige Suche nach Kleingeld. Andere Städte, wie beispielsweise Sebnitz, praktizieren das schon.

Bürgerbeteiligung

Mängelmelder: Die wichtigste Neuerung in diesem Bereich ist der sogenannte Mängelmelder. Die Pirnaer können künftig im Stadtgebiet geortete Probleme - beispielsweise Glasscherben auf einem Radweg, defekte Straßenlampen oder illegale Mülldeponien - direkt per App ans Rathaus melden, dazu kurze Texte schreiben und Bilder hochladen. Von der Stadt kommt dann umgehend eine Rückmeldung, sie funktioniert nach einer Art Ampelsystem: Mangel aufgenommen (rot), Mangel in Bearbeitung (gelb), Mangel beseitigt (grün). Eine Projektgruppe arbeitet bereits an diesem Format.

Energie und Umwelt

Intelligente Straßenbeleuchtung: Pirna setzt in Zukunft auf eine intelligente Straßenbeleuchtung. Dabei lassen sich Straßenlampen beispielsweise per Smartphone-App oder Bewegungsmelder steuern. Das bringt bei Bedarf Licht, spart aber ansonsten Energie in der Zeit, wenn die Lampen niemand braucht. Geplant ist dazu ein Modellprojekt "Elbwiese". Am Altstädter Elbufer sollen künftig Laternen aufgestellt werden, die W-Lan-fähig und mit Bewegungsmeldern ausgerüstet sind.

Intelligente Heizungen: Zudem sollen kommunale Gebäude mit intelligenten Heizungen ausgestattet werden. Sie passen sich automatisch dem tatsächlichen Wärmebedarf an und lassen sich auch aus der Ferne steuern. Wichtig ist das vor allem für Gebäude, die zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich stark frequentiert werden.

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