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Was sagt man einem verzweifelten Corona-Patienten?

Die Grünen Damen dürfen derzeit keinen Dienst im Klinikum Pirna machen. Die Seelsorge ist aber dennoch abgesichert. Und einmal mehr wichtig.

Monika Schlegelmilch ist Klinikseelsorgerin in der Helios-Klinik Pirna.
Monika Schlegelmilch ist Klinikseelsorgerin in der Helios-Klinik Pirna. © Archivfoto: Karl-Ludwig Oberthuer

Sieben Grüne Damen und ein Grüner Herr betreuen die Patienten im Helios-Klinikum Pirna. Normalerweise. Aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen dürfen die Ehrenamtlichen, von denen die meisten im wohlverdienten Ruhestand sind, derzeit ihren freiwilligen Dienst am Patienten nicht verrichten. Aufgrund der Infektionslage gilt im Klinikum immer noch ein generelles Besucherverbot mit strengen Sonderbesuchsregelungen. Dennoch haben die Patienten einen Ansprechpartner und können seelische Hilfe bekommen, sofern dies gewünscht wird. Darüber sprach Sächsische.de mit Monika Schlegelmilch. Sie ist die Klinikseelsorgerin und Leiterin der Grünen Damen im Pirnaer Krankenhaus.

Frau Schlegelmilch, wie wird die Klinikseelsorge derzeit gewährleistet?

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Diese Aufgabe übernehmen ein Seelsorger und ich als Klinikseelsorgerin. Wir sind auf den Stationen präsent und bieten den Patienten Gespräche sowie Unterstützung an. Das heißt also, wir warten nicht darauf, dass sich die Patienten an uns wenden, sondern wir gehen zu ihnen.

Wird momentan von Ihrem Gesprächsangebot besonders oft Gebrauch gemacht?

Das ist unterschiedlich. Wir besuchen ja auch Corona-Patienten. Bei einigen habe ich den Eindruck, dass sie einfach nur in Ruhe gelassen werden möchten. Das respektieren wir natürlich. Andere fragen sich und damit letztlich uns: Warum ausgerechnet ich? Warum habe ich mich angesteckt, wo ich mich doch immer so geschützt habe?

Was sagen Sie diesen Betroffenen? Wie können Sie als Seelsorger helfen?

Oftmals ist es für die Patienten schon eine Hilfe und ein Trost, dass wir da sind und zuhören. Auf keinen Fall reden wir die Ängste und Sorgen klein. Wir versuchen, ihnen nah zu sein und Mut zu machen. Wir können immer sagen, dass in dem Klinikum alles, aber wirklich alles, getan wird, um die Kranken wieder gesund zu machen. Aber manchmal habe ich selber auch keine Antworten auf die Fragen der Patienten. Das müssen wir dann zusammen aushalten.

Wie schaffen Sie das?

Ich muss sagen, es fällt auch mir schwer. Ich versuche, die Probleme nicht mit nach Hause zu nehmen. Aber das gelingt mir nicht immer, weil ich stets mit Kopf und Herz bei meinen Gesprächspartnern bin. Eine Corona-Erkrankung ist noch einmal vielschichtiger als andere Erkrankungen, so will es mir scheinen. Es macht etwas mit der Seele der Menschen, mit der Atmosphäre.

Unter welchen Schutzmaßnahmen dürfen Sie zu den Patienten?

Mein Kollege und ich werden ständig getestet. Wenn ich Covid-Patienten besuche, sehe ich aus wie ein Marsmensch. Ich trage einen langen Schutzkittel, Handschuhe, Kopfbedeckung und natürlich eine FFP2-Maske. Somit sieht der Patient lediglich unsere Augen. Eine Mimik in unseren Gesichtern kann er nicht erkennen. Es kommt auch manchmal zu Verständigungsschwierigkeiten. Wir müssen versuchen, langsamer und deutlicher zu sprechen. Patienten, die selber noch geschwächt sind, können ebenfalls nicht so laut sprechen.

Sie haben in vorangegangenen Gesprächen immer wieder betont, wie wichtig ein Streicheln der Hand des Patienten sei ...

Das sage ich auch jetzt. Berührung und Nähe sind wichtig für den Heilungsprozess. Ich selber berühre den Patienten auch in diesen Zeiten, wenn er es zulässt. Dabei trage ich Handschuhe.

Wie geht es weiter? Wann werden die Grünen Damen und der Grüne Herr voraussichtlich wieder Dienst im Klinikum Pirna machen können?

Derzeit gilt im Helios Klinikum Pirna aufgrund der Corona-Pandemie ein generelles Besuchsverbot. Dieses gilt selbstverständlich auch für die Ehrenamtlichen zum Schutz für die Mitarbeiter im Klinikum, die Patienten und sie selbst. Aktuell ist nicht absehbar, wann die Grünen Damen und der Herr wieder alle ihre ehrenamtliche Arbeit aufnehmen können. Den grünen Damen und Herren fehlt es ebenfalls, dass sie derzeit nicht das Klinikum betreten und den Patienten nahe sein können.

Mit dem Neubau des Pirnaer Klinikums auf dem Sonnenstein im Jahr 2007 hat sich die Gruppe der Grünen Damen gegründet. Derzeit sind sie mit zwei weiteren Interessentinnen im Gespräch, die nach dem Lockdown dazustoßen möchten. Brauchen Sie zusätzliche Unterstützer?

Diese Frage kann ich mit einem klaren Ja beantworten. Wir heißen neue Interessenten in unserer Gruppe sehr herzlich willkommen. Gerne auch jüngere Menschen und Männer.

Und welche Qualifikationen sollten die Freiwilligen mitbringen?

Sie sollten mental stark und sehr sensibel sein. Außerdem müssen sie gut zuhören und für sich selbst die Verantwortung übernehmen können. Eine Grüne Dame hatte im vergangenem Jahr aufgehört. Sie sagte mir, dass sie alles mit nach Hause nehme und nicht mehr könne. Das habe ich verstanden. Jeder muss seine eigene Grenze ziehen. Empathie ist für den Dienst der Grünen Damen auch wichtig, soweit das möglich ist. Ich sage den Grünen Damen immer, dass wir Patienten begleiten können. Was in dem Betroffenen aber vorgeht, welche Ängste und Nöte er hat, das wissen wir oftmals nicht.

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