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Wie sicher fühlen sich die Pirnaer?

Mit einer Umfrage will die Stadt das subjektive Sicherheitsgefühl der Einwohner ergründen - um künftig Konflikten vorzubeugen, ehe sie entstehen.

Polizeieinsatz 2018 nach einer Messerstecherei auf dem Pirnaer Sonnenstein: Wie lassen sich solche Situationen künftig verhindern?
Polizeieinsatz 2018 nach einer Messerstecherei auf dem Pirnaer Sonnenstein: Wie lassen sich solche Situationen künftig verhindern? © Archiv: Marko Förster

Auf dem Pirnaer Sonnenstein kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Zwischenfällen. So stach Ende 2018 ein 20-jähriger Libyer vor dem Rewe-Markt an der Remscheider Straße mit einem Messer auf einen 27-jährigen Tunesier ein.

Ende Februar 2019 wurde die Polizei erneut zum Rewe-Markt gerufen, weil Störer die Kunden belästigten. Als die Beamten Platzverweise aussprachen, eskalierte die Situation. Ein 19-jähriger Iraker schlug und trat einen der Polizisten.

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Und im April 2019 pöbelten angetrunkene Jugendliche Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes an, der inzwischen vor dem Rewe-Markt positioniert war.

Der Supermarkt auf dem Sonnenstein war aber nicht der einzige Brennpunkt. Auch im Friedenspark und im Thälmannpark gab es immer wieder Trinkgelage und Randale.

In den vergangenen Monaten ist es, möglicherweise auch durch die Corona-Pandemie, in dieser Hinsicht recht ruhig geworden. Gleichwohl bleibt aber die Frage: Wie lassen sich solche Situationen verhindern, bevor sie entstehen?

Pirna verhängte nach diesen Vorfällen partielle Alkoholverbote und ließ beispielsweise im Friedenspark Sträucher und Büsche auslichten, um Trinker-Verstecke zu eliminieren.

Was aber bislang fehlt, ist eine weitreichende grundsätzliche Präventionsstrategie. Eine solche will die Stadt gemeinsam mit dem vor einiger Zeit wiederbelebten Präventionsnetzwerk entwickeln.

Den Beginn dafür markiert eine Umfrage unter den Pirnaern, mit der das subjektive Sicherheitsempfinden ausgelotet werden soll. Sächsische.de erklärt die Details.

Wozu dient die Umfrage?

Die Landesstrategie "Allianz Sichere Sächsische Kommunen" (ASSKom) des sächsischen Innenministeriums legt seit geraumer Zeit den Fokus auf die Stärkung der Präventionsarbeit vor Ort und bündelt konkrete Unterstützungs- und Beratungsangebote, die den Kommunen dauerhaft zur Verfügung gestellt werden.

Dazu gehören auch derartige Sicherheitsanalysen, wie sie jetzt in Pirna geplant sind. Denn eine lebendige Präventionsstruktur sei eine wichtige Grundlage für kommunale Sicherheit.

Nach Aussage von Anja Herold-Beckmann, verantwortlich für das ASSKom-Projekt, gelte Sachsen generell als sicheres Bundesland. Allerdings passe das subjektive Sicherheitsempfinden nicht immer zu den objektiven Zahlen.

Daher soll die Umfrage in Pirna nun diese subjektiv gefühlte Sicherheit wissenschaftlich ergründen. Mit dem Ergebnis soll Pirna dann ein Instrument sowie eine belastbare Planungsgrundlage erhalten, um kommunale Präventionsangebote zu entwickeln. Pirna ist Pilotprojekt bei dieser sächsischen Präventionsstrategie.

Welches Ziel hat die Umfrage?

Aus Sicht von Candy Sommer, Leiter des Pirnaer Polizeireviers, sei die Umfrage ein Meilenstein in Sachen Prävention. In den Jahren 2018 und 2019 habe man aufgrund der kriminellen Vorfälle oft anlassbezogen mit der Stadt zusammengesessen, um die Brennpunkte zu entschärfen. Das sei auch weitgehend gelungen.

Allerdings wolle man laut Sommer in Zukunft nicht nur anlassbezogen reagieren, sondern es bedürfe einer grundlegenden Strategie, damit solche Situationen erst gar nicht entstehen. Die Umfrage helfe nun, das subjektive Sicherheitsgefühl der Pirnaer auszuloten und Problemfelder zu identifizieren, um künftig schon im Vorfeld mögliche Störquellen auszuschließen. "Wir wollen schließlich präventiv tätig sein, um den Pirnaern ein sicheres Lebensgefühl zu geben", sagt auch Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos). Als Basis dafür soll die wissenschaftliche statistische Erhebung dienen. Ziel der Umfrage sei laut Felix Pöhland, Koordinator für kommunale Prävention im Rathaus, eine ganz gezielte Präventionsstrategie zu entwickeln. "Letztendlich geht es darum, die Kriminalität sowie die Kriminalitätsfurcht der Einwohner zu minimieren", sagt Pöhland.

Was beinhaltet die Umfrage?

In die Präventionsstrategie sollen die Einwohner von Beginn an mit eingebunden werden. Daher soll die Umfrage zunächst einmal die allgemeine Lebensqualität sowie die gefühlte Sicherheit in der Stadt ergründen. Der Fragebogen umfasst insgesamt 15 Seiten. Dabei können sich die Pirnaer beispielsweise äußern, wie zufrieden sie mit ihrer eigenen Lebens- und Wohnsituation zufrieden sind. Sie können die Arbeit und Präsenz der Sicherheitskräfte beurteilen, wie sie Kriminalität wahrnehmen, wie sie ihr persönliches Sicherheitsgefühl einstufen oder wie sich die Corona-Pandemie auf das persönliche Sicherheitsempfinden auswirkt.

Wie läuft die Umfrage?

Für die Umfrage wurden 1.100 Pirnaer ausgewählt, grundsätzlich zufällig, aber doch so, dass sie die Pirnaer Bevölkerungsstruktur - beispielsweise nach Altersgruppen, Geschlecht und Stadtteilen - widerspiegeln. Die Fragebögen landen am 18. Februar bei den ausgewählten Haushalten. Sie können sowohl auf dem Papier als auch online ausgefüllt werden. Die Ausfüll-Frist endet am 10. März 2021.

Damit der Rücklauf möglichst hoch ist, verschickt Felix Pöhland 14 Tage nach Zugang der Fragebögen noch mal eine Erinnerung. Nach dem Ende der Frist wird die Umfrage ausgewertet, Pirna rechnet Ende April/Mitte Mai mit den ersten Ergebnissen. Die Umfrage entsteht gemeinsam mit dem Landespräventionsrat Sachsen und den Firmen Neue Köhler Managementgesellschaft mbH, Berlin, KMG), Brandenburgisches Institut für Gesellschaft und Sicherheit gGmbH, Potsdam, (BIGS) und der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH, Dresden, (IABG). Laut Johannes Rieckmann von der Potsdamer BIGS laufe die Analyse und die Auswertung der Umfrage vollkommen anonym. "Es lassen sich keinerlei Rückschlüsse auf die Teilnehmer ziehen", sagt Rieckmann.

Welchen Anreiz gibt es für Teilnehmer?

Um möglichst viele Pirnaer zu animieren, sich an der Umfrage zu beteiligen, gibt es einen kleinen Anreiz. Die Stadt verlost nach Abschluss der Umfrage unter allen Teilnehmern zehn Pirna-Einkaufsgutscheine im Wert von je 50 Euro.

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