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Abriss bei der Wismut gestoppt

In Leupoldishain steht ein Plattenbau in der Landschaft, den keiner mehr braucht. Doch der längst beschlossene Rückbau lässt auf sich warten. Warum?

Dieses Gebäude der Wismut Königstein hätte längst abgerissen sein sollen.
Dieses Gebäude der Wismut Königstein hätte längst abgerissen sein sollen. © SZ/Gunnar Klehm

In dem Gebäude herrscht seit Langem Ruhe. Wie ein Fremdkörper ragt der Fünfgeschosser in Leupoldishain am Rande einer Wiese in die Höhe. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Wismut Königstein wird nicht mehr gebraucht. Der Abriss ist längst beschlossen.

Der sollte eigentlich 2020 erfolgen, zusammen mit der Werksküche mit Speisesaal, dem ehemaligen Eingangs- und Feuerwehrgebäude, dem Laborgebäude und einigen Garagen. Letzteres ist tatsächlich auch passiert. Die Flächen werden begrünt. Nur das Verwaltungsgebäude steht immer noch.

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Mehlschwalben, Fledermäuse und Hausrotschwanz

Die Abrisspläne wurden jäh gestoppt. "Die Untere Naturschutzbehörde hat Auflagen erteilt, die wir erst mal erfüllen müssen", sagt Carsten Wedekind, Wismut-Bereichsleiter Sanierung Aue/Königstein. Der Grund sind Mehlschwalben, Fledermäuse und Singvögel wie der Hausrotschwanz, die das ungenutzte Gebäude erobert haben. Für sie muss die Wismut jetzt geeignete neue Quartiere schaffen.

Das hört sich erst mal nicht so kompliziert an, dass Dutzende Nist- und Brutkästen gebaut und in der Umgebung aufgestellt werden müssen. Zudem muss eine Lehmpfütze angelegt werden, die insbesondere die Schwalben für den Nestbau brauchen.

Es reicht aber nicht, Ersatzquartiere irgendwo aufzustellen oder anzubringen. "Wir müssen auch nachweisen, dass mindestens 60 Prozent der Tiere umgezogen sind", sagt Wedekind. Das braucht Zeit. Was passiert, wenn die Zahl nicht ermittelt werden kann, will er sich gar nicht ausmalen.

Für den Erfolg müssen geeignete Stellen gefunden werden. Im März sollen die ersten Umsiedlungs-Pläne umgesetzt werden. Zählungen sind auch nur zu bestimmten Zeiten praktikabel. "Das sind alles zusätzliche Kosten und das wirft uns im Zeitplan erheblich zurück", sagt Wedekind. In diesem Jahr wird der Abriss nicht mehr umgesetzt werden können. 2022 soll dann aber alles geregelt sein.

Kontrolle durch Atomenergiebehörde

Nicht nur die deutschen Umweltbehörden gucken genau, was bei der Wismut in Königstein vor sich geht. Es gab im vergangenen Jahr auch eine Inspektion des Standortes Königstein durch Vertreter der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEA) sowie der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom).

Ein Prüffall ist der Wismut-Standort Königstein unter anderem deshalb, weil bei der Behandlung des Flutungswassers der Grube über die Prozessstufe Uranentsorgung ein verkaufsfähiges Uranzwischenprodukt angefallen ist. Deshalb unterliegt die Wismut der Kontroll- und Berichtspflicht gegenüber den europäischen und internationalen Kontrollinstitutionen.

Uranentsorgung stillgelegt

Die Inspektoren nahmen Proben und prüften die Buchhaltung der Produktion, Exporte und Bestände. "Der Wismut GmbH wurde ein ordnungsgemäßer Zustand der Anlagen sowie eine korrekte Abrechnung der Produktströme bescheinigt", teilt das Unternehmen mit.

Für die Wasserbehandlung ist inzwischen eine neue Anlage in den Probebetrieb gegangen. Noch in diesem Jahr soll sie in den "bestimmungsgemäßen Betrieb überführt" werden. Ab dem 2. Halbjahr ist außerdem ein weiterer hydraulischer Test geplant, der Erkenntnisse für die weitere Flutung der Grube bringen soll.

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Die Prozessstufe der Uranentsorgung wird gegenwärtig stillgelegt und in den kommenden Jahren rückgebaut. Der Uran-Anteil im Flutungswasser ist so gering, dass er nicht mehr gesondert entsorgt werden muss.

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