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Dohna: Scheitert die Druckguss-Rettung?

Die Investoren-Lösung ist vom Tisch. Bis Ende 2022 wird noch weitergearbeitet. Was dann kommt, hängt von einer einzigen Frage ab.

Von Heike Sabel
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Rückschlag im Kampf um Druckguss: Der Investor zieht sich zurück.
Rückschlag im Kampf um Druckguss: Der Investor zieht sich zurück. © Norbert Millauer

Der Interessent hatte schon eine Firma eintragen lassen. Doch jetzt sind die Verhandlungen zwischen ihm und dem Insolvenzverwalter zum Druckguss Dohna gescheitert. Der potenzielle Investor und die Kunden konnten sich nicht auf die Eckpunkte einer künftigen Lieferbeziehung einigen, sagt Verwalter Franz-Ludwig Danko. Der nächste Schritt ist die Ausproduktion. Das heißt, die vorhandenen Aufträge werden abgearbeitet, bis Ende nächsten Jahres geben die Druckguss-Kunden ihre neuen Aufträge aber an andere Kunden. Bedeutet das das Ende von Druckguss und damit für 287 Dohnaer Mitarbeiter den Verlust ihres Arbeitsplatzes?

Ohne Investor ja. Aus eigener Kraft und ohne einen finanzstarken Investor ist die DGH-Gruppe nicht überlebensfähig, sagt Danko. Die wirtschaftliche Situation von Druckguss sei nach wie vor prekär. "In der Automobilzulieferer-Branche findet ein harter Verdrängungswettbewerb statt." Danko will erreichen, dass möglichst viele Beschäftigte bis 31. Dezember 2022 weiter beschäftigt werden können. „Die Kunden haben ein großes Interesse daran, dass wir bis zuletzt voll lieferfähig bleiben.“

Was danach mit den Mitarbeitern wird, ist derzeit offen. Nachdem es noch im Sommer optimistisch aussah, sind Beschäftigte wie Insolvenzverwalter jetzt enttäuscht. Dass die Produktion trotz der widrigen Umstände stabilisiert und weitergeführt werden konnte, sei ein Erfolg gewesen. Es waren etliche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt, Prozesse verbessert, und Reparaturen nachgeholt worden. Die Produktivität wurde gesteigert, der Ausschuss gesenkt. Doch am Ende hat alles nicht gereicht, den Investor und die Kunden zu überzeugen.

Chancen sinken

Die Unternehmen der DGH-Group gingen im Juni vergangenen Jahres zum zweiten Mal in Insolvenz. Nach der ersten Rettung 2013 sank der Umsatz in den letzten Jahren weiter erheblich. Die Corona-Krise verschärfte die Situation. Hinzu kamen fehlende Investitionen, die das Unternehmen belasten. Insbesondere die Immobilie am Standort Dohna ist in einem schlechten Zustand. Dass auch der Standort mitten im Wohngebiet nicht optimal ist, ist schon seit Jahren klar. Doch ein Umzug bei unsicherer wirtschaftlicher Jahre war und ist keine Option. Das alles macht die Suche nach einem Investor nicht leichter.

Drei Firmen, ein Problem

Mehr Glück hatte da die Pirnaer KTSN. Sie ging an die Eissmann-Group. Veritas mit Betrieben auch in Neustadt und Polenz steht dazwischen. Hier gibt es zwar einen Interessenten, der auch schon den Vertrag unterschrieben hat. Nur ist bisher das Geld aus Amerika nicht geflossen. Der Insolvenzverwalter hofft hier zwar weiter darauf und damit die Rettung der Unternehmensgruppe, sucht aber sicherheitshalber weiter nach einem neuen Investor.

Dass alle drei Firmen fast zeitgleich im vergangenen Frühjahr ins Straucheln kamen, ist kein Zufall. Die Krise der Automobilbranche und Corona kamen zusammen. Dabei war das Straucheln der Branche schon länger vorher absehbar. Das hatten auch vorherige Geschäftsführer bei Druckguss erkannt, doch nicht konsequent genug darauf reagiert. Die Rechnung dafür müssen nun unter Umständen die Mitarbeiter bezahlen.

Ein Jahr ist jetzt noch Zeit, das zu verhindern. Ein Jahr, das auch die Gefahr birgt, dass sich Mitarbeiter verständlicherweise woanders umschauen. Einige sind schon gegangen. Noch aber hielt sich das in Grenzen.