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Ist Druckguss Dohna gerettet?

Drei Automobilzulieferer wurden 2020 insolvent. Zwei sind gerettet. Um Dohna wird noch gekämpft. Wie Verwalter und Betriebsrat die Chancen sehen.

Die Lage von Druckguss mitten in Dohna ist eines der Probleme des Betriebes.
Die Lage von Druckguss mitten in Dohna ist eines der Probleme des Betriebes. © Norbert Millauer

Auf den ersten Blick ist alles wie immer. Es wird gearbeitet, manchmal sogar mit Überstunden. Doch nach wie vor hat der Insolvenzverwalter das Sagen. Der Autozulieferer Druckguss Dohna ist seit über einem Jahr zum zweiten Mal nach 2013 in dieser Situation. Wie lange noch und was kommt danach? Was sind die Ursachen und was die Aussichten? Sächsische.de sprach dazu mit dem Insolvenzverwalter Dr. Franz-Ludwig Danko und dem Betriebsratsvorsitzenden Jens Kaulfuß.

Dohnas drei großen Probleme

Die Druckguss-Probleme haben ihren Ursprung zum Teil in der älteren Geschichte, andere in der jüngeren. Das Zusammenspiel dieser verschiedenen Probleme machen es insgesamt nicht leichter und sind keinesfalls auf einmal zu lösen.

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Erstes Problem: Die Lage. Mitten im Wohngebiet, das hat schon oft zu Ärger auf beiden Seiten geführt. Es ist laut, manchmal stinkt es, der Verkehr bei Schichtende sowie der Ab- und Antransport durch Lkw stören. Gleichzeitig gibt es keine Fläche mehr zum Erweitern. Das Lage-Problem ist aber auch das Problem, das am schwersten und schon gar nicht von heute auf morgen zu lösen ist. Offenbar wurde in den vergangenen Jahren versäumt, nach Alternativen zu suchen. Zwar hatte man mal den einstigen Praktiker als Lager im Blick, draus geworden aber ist nichts. Nach der ersten Insolvenz 2013 hatte man andere Sorgen und ein Neubau rückte in weitere Ferne.

Zweites Problem: Die Auftragslage. Das ist der Kern jeder Schwierigkeit insolventer Betriebe, die ja sonst nicht in diese Situation gekommen wären. Zwar ist das, was Druckguss gemacht, selten und deshalb gefragt, aber das reicht eben nicht auf Dauer. Die Konzentration auf Verbrennungsmotoren hat dem Unternehmen die Probleme bereitet. Viele Jahre war das die richtige Strategie, doch es fehlte der Weitblick, die Trendwende nicht nur zu erkennen, sondern eben auch darauf zu reagieren. Die extreme Abhängigkeit von VW - etwa 80 Prozent der Aufträge kommen von dem Autobauer - ist äußerst ungesund, sagt Danko.

Drittes Problem: Das ist das ausschlaggebende Problem und hängt mit dem zweiten zusammen. Es wurde nicht ausreichend investiert. So gibt es unter den 17 Maschinen einige, die nicht ausgelastet sind, während andere auf Hochtouren arbeiten. Doch Maschinen nicht arbeiten zu lassen, kann sich keiner leisten.

Welche Chancen hat Dohna?

Das große Plus sind die Mitarbeiter. Darin sind sich Danko und Kaulfuß einig. Entgegen den Befürchtungen und sonst üblichen Reaktionen bei Insolvenzen ist zum Beispiel der Krankenstand nicht gestiegen. Natürlich haben Mitarbeiter von allen Ebenen und Bereichen den Betrieb verlassen. Die Gebliebenen machen weiter. Doch gute Arbeit allein reicht nicht, sagt Danko. Sein Job ist es, dafür zu sorgen, dass die gute Arbeit auch wieder so viel einspielt, dass der Betrieb weitergeführt werden kann.

Investoren stehen nicht Schlange. Aktuell sind es Danko zufolge zwei potenzielle. Ein Name macht jetzt die Runde. Druckguss-Mitarbeiter haben im Handelsregister die AE Group Heidenau GmbH gefunden, eingetragen von der AE Group. Das Unternehmen mit Sitz im thüringischen Gerstungen wurde 1993 gegründet, hat vier Standorte in Deutschland und Polen. Der Automobilzulieferer produziert Aluminiumgussteile für den Fahrzeugbau. Passt also perfekt. Doch bedeutet die Eintragung schon die Entscheidung?

Nein. Die Eintragung solcher Vorratsgesellschaften ist üblich, um im Falle eines Vertragsabschlusses schneller handeln zu können. Noch aber wird darauf gewartet, dass sich die AE Group mit den Kunden über die Konditionen der künftigen Verträge einigt. Die Immobilien in Dohna und am zweiten Standort in Hof wurden bereits über eine nahestehende Firma gekauft. Damit gibt es zwar einen ernsthaften Interessenten, aber noch keine Erfolgsmeldung.

Wann fällt die Entscheidung?

Eine positive kann jederzeit fallen. Bekennt sich ein vom Kunden akzeptierter Investor, ist Druckguss schnell gerettet. Ein Investor plus neue Aufträge, das ist die optimale Variante. Die schlimmste ist das Gegenteil: Kein Investor, keine Aufträge, Verlagerung der Produktion. Das geht zwar nicht in einer Hauruckaktion über Nacht, aber auch nicht vor Mitte, Ende nächsten Jahres. Bis dahin wird auf jeden Fall produziert, sagt Danko. Und was dann, wenn es keine Rettung gibt?

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Diese Frage hört Danko oft und Kaulfuß noch viel öfter. "Es ist schwierig, mit den Leuten zu reden, weil es im Moment noch keine befriedigende Antwort gibt", sagt Kaulfuß. Seit 20 Jahren ist der Werkzeugmechaniker im Betrieb, seit 18 Jahren im Betriebsrat, seit zwei Jahren ihr Chef. Im September soll es eine Feier geben. Nachträglich zum 100-jährigen Bestehen von Druckguss. Dieser Anlass soll nicht so sang- und klanglos vorübergehen. Vielleicht gibt es ja dann noch einen Grund zum Feiern.

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