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Belgier interessiert sich für Druckguss Dohna

Der Betrieb kämpft seit vorigem Jahr um eine Zukunft nach der Insolvenz. Wie ernst es ein Interessent meint und warum sich ein ehemaliger Mitarbeiter einmischt.

Gehört seit 100 Jahren zu Dohna: der Druckguss. Doch wie sieht die Zukunft des Unternehmens aus?
Gehört seit 100 Jahren zu Dohna: der Druckguss. Doch wie sieht die Zukunft des Unternehmens aus? © Oberthür

Die Branche der Druckguss-Firmen ist klein. Da kennt einer den anderen. Dass der Druckguss Dohna zum zweiten Mal insolvent ist, machte da voriges Jahr im Frühjahr schnell die Runde. Koen Beckers ist neu in der kleinen Familie, zumindest als Geschäftsführer der AE Group in Gerstungen. Seit Mai ist der Belgier in dieser Funktion. Und er interessiert sich für Dohna. Nachdem zunächst von einer Geheimhaltungsvereinbarung die Rede war, sprach Beckers dann persönlich doch mit sächsische.de.

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Ob es Druckguss-Insolvenzverwalter Danko oder Beckers Vorgänger war, der den Kontakt aufnahm, weiß Beckers nicht. Es ist auch nicht wichtig. Klar ist, Druckguss Dohna würde perfekt zu AE passen. Deshalb führt man auch Gespräche und hat schon mal entsprechende Gesellschaften gegründet und ins Handelsregister eintragen lassen. Das ist nicht ungewöhnlich, sondern durchaus üblich, um im Falle eines Falles schnell handlungsfähig zu sein. Nicht mehr und nicht weniger. "Es ist ein Marathonlauf und noch keine Richtung klar", sagt Beckers.

Aufträge bis Ende 2022

Die entscheidende Frage wird dabei ohne Druckguss geklärt. Es ist die der Konditionen künftiger Verträge. Dazu müssen sich der, der Druckguss übernimmt, und die Kunden einigen. Und so weit ist es noch nicht. "Die Verhandlungen ziehen sich weiter hin, wir haben nach wie vor kein eindeutiges Signal des potenziellen Investors", sagt Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko. An seiner Linie und an der mittelfristigen Perspektive für den Standort ändert sich dadurch nichts. "Wir haben weiter Aufträge bis Ende 2022, die wir in jedem Fall fertigen werden – ob mit einem Investor oder ohne", sagt Danko.

Was einen Professor mit Dohna verbindet

Einer, der sich auch Gedanken um Druckguss macht, ist Prof. Eberhard Ambos. Der 84-Jährige hat in Heidenau gelebt und besuchte von 1951 bis 1955 die Oberschule in Pirna. Nachdem er mehrfach im Druckguss in den Ferien gearbeitet hatte, studierte er ab 1956 an der Bergakademie Freiberg Gießereitechnik. Der Druckguss Dohna war danach die erste Station seiner beruflichen Tätigkeit, in deren Verlauf er sich zwei Doktortitel erarbeitete und Professor wurde. Seine erste Dissertation schrieb er 1964 in Dohna. In den späteren Jahren blieb er dem Betrieb verbunden und verfolgt auch heute das aktuelle Geschehen aus Samswegen in Sachsen-Anhalt.

Erinnerungen an ersten Chef nach der Wende

Er erinnert sich auch an Peter Schuchardt, den Druckguss-Eigentümer und Chef nach der Wende. Beide habe eine intensive Forschungstätigkeit verbunden, sagt Ambos. Höhepunkt sei das gemeinsame Auftreten bei den großen Automobilherstellern VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler gewesen. Mittelpunkt der Aktivitäten war die Verbesserung der Qualität der Bauteile für den Automobilbau. "Im Gegensatz zu anderen Untersuchungen wurde bei der DGH unter produktionsgleichen Bedingungen geforscht, also nicht unter den Bedingungen eines eingeschränkten Laborbetriebes." Fachleute interessierten sich deshalb besonders für die Ergebnisse. Sie wurden auch von der internationalen Fachpresse anerkannt.

Zwei Ursachen für die Probleme

Der Knackpunkt aus Sicht von Ambos war dann die fehlende Bereitschaft der Geschäftsführung, die Ergebnisse in die Produktion umzusetzen. Zudem habe man es nicht verstanden, besonders erfahrene und leistungsstarke Fachkräfte ausreichend zu unterstützen. So habe zum Beispiel der international hoch angesehene Entwicklungsleiter wegen Differenzen in strategischen Fragen den Betrieb verlassen.

Das alles ist Vergangenheit und nur zum Teil Ursache für die Dohnaer Probleme. Ambos hat nach wie vor Interesse an "seinem alten" Betrieb. Jetzt hat er Kontakt zur AE in Gerstungen aufgenommen, die er bereits aus seiner Zeit als Lehrstuhlleiter an der Magdeburger Universität kennt.

Kein Erfolg ist keine Option

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