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Die neue Uranwaschmaschine der Wismut

Bei der Sanierung der ehemaligen Uran-Grube Königstein geht es ein Schrittchen weiter zur kompletten Flutung - unter strenger Überwachung.

Ulf Jenk an einer neuen Versuchsanlage der Wismut bei Leupoldishain, die 250 Meter in die Tiefe reicht.
Ulf Jenk an einer neuen Versuchsanlage der Wismut bei Leupoldishain, die 250 Meter in die Tiefe reicht. © Steffen Unger

Mitten auf einem Feld bei Leupoldishain geht Dr. Ulf Jenk an ein Gitter, öffnet das Schloss an der Metallkette und betritt den matschigen Boden rund um eine ganz neue Versuchsanlage. Zwei mannshohe Tanks, einen Labor-Container sowie Apparate für eine Pumpe hat die Wismut GmbH dort aufgestellt. Das ist die Verbindung, die 250 Meter in die Tiefe reicht und neue Erkenntnisse bringen soll.

Dort unten befinden sich die alten Stollen der Uran-Grube Königstein, die bis 1990 betrieben wurde. Seitdem wird an der Sanierung gearbeitet. Doch die ist kompliziert. In den 1980er-Jahren wurden gigantische Mengen Chemikalien in die Grube eingebracht, um das Uran aus dem Gestein zu lösen. Die giftige Suppe wird nun zum Problem.

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Schadstoffe im Grubenwasser

Eine Flutung der Grube wäre das übliche Verfahren nach Ende des Abbaus. Doch auch unterirdisch fließt das Wasser. Damit die Schadstoffe nicht ins Grundwasser gelangen und Richtung Elbe abfließen, wird das kontaminierte Grubenwasser nunmehr seit Jahrzehnten auf dem angestammten Wismut-Gelände hochgepumpt, entschlammt, speziell gereinigt und wieder unterirdisch Richtung Elbe geleitet.

Das könnte ein Ewigkeits-Projekt sein. Doch die Techniker und Ingenieure der Wismut haben andere Pläne, um der Gesellschaft diese Dauerkosten zu ersparen. So brachten mehrjährige Laborversuche erfolgversprechende Ergebnisse, wie das Grubenwasser derart hydrochemisch beeinflusst werden kann, dass es ohne Gefahr fürs Grundwasser in der Erde verbleiben kann. Dieses Verfahren wird nun erstmals praktisch auf einem begrenzten Raum direkt in der Grube angewendet.

Wismut-Versuch dauert 35 Wochen

Alle sieben Tage kommen Wismut-Mitarbeiter nun auf die Versuchsanlage auf der Wiese. Dann werden etwa zehn Kubikmeter Grubenwasser hochgepumpt und darin die reaktive Lösung hergestellt, die dann wieder in die Grube abgelassen wird. Sieben Tage sorgt diese unterirdisch für die gewünschten hydrochemischen Reaktionen. Dann wird das Procedere wiederholt. Auf 35 Wochen ist der Versuch angelegt.

"Das Grundprinzip besteht darin, durch Zugabe von Natron-Lauge das saure Flutungswasser zu neutralisieren. Durch gleichzeitige Zugabe des organischen Substrats Butanol werden Reduktionsprozesse angeregt", erklärt Wismut-Wissenschaftler Jenk. So wird die Säure abgebaut. Reste von Uran und andere Schwermetalle werden ausgefällt.

Die Projektverantwortlichen gehen davon aus, dass diese Stoffe dann tief unten in der Grube verbleiben und ein Ausschwämmen irgendwann nur noch in natürlicher Konzentration erfolgt, wie es sie auch vor dem Bergbau schon gab.

Nichts Gefährliches im Grundwasser gemessen

Ob das tatsächlich der Fall ist, sollen ein weiterer Test und noch mehr Messstellen in den verschiedenen Grundwasserleitern nachweisen. Bisher wurden nur zwei Drittel der Grube geflutet, auf einen Füllstand von 140 Metern. In einem zweiten Feldversuch wurde der Füllstand für sechs Monate auf 150 Meter angehoben. Drei Monate brauchten die Pumpen danach, den Wasserstand in der Grube wieder um zehn Meter zu senken.

"Es hat keine Übertritte von Grubenwasser in andere Grundwasserleiter gegeben", sagt Carsten Wedekind, Bereichsleiter Sanierung bei der Wismut GmbH. Das ist genau jenes Risiko, das die Umweltbehörden davon abhält, eine komplette Flutung der Uran-Grube Königstein zu genehmigen. "Wir haben den Käfig jetzt mal aufgemacht", sagt Wedekind dazu. Dass dabei irgendetwas Gefährliches entwichen ist, konnte an keiner Messstelle nachgewiesen werden. "Das ist das, was wir vermutet haben", sagt Wedekind.

Corona: Pumpen-Mannschaft darf nicht ausfallen

Die Ergebnisse wurden von den Behörden bereits wohlwollend zur Kenntnis genommen. Insgesamt wurden für die Sanierung bereits mehr als 300 wissenschaftliche Studien angefertigt. Die Wismut GmbH will nun im nächsten Jahr den Wasserstand in der Grube dauerhaft auf 150 Meter anheben. Das ist aber nur ein kleiner, aber eben ein weiterer Schritt hin zur Endstufe der Flutung bei 190 bis 200 Metern. Geht es nicht irgendwann schneller voran als jetzt, wird noch länger als die nächsten 20 Jahre Grubenwasser gepumpt werden.

Das passiert rund um die Uhr - zum Schutz des Grundwassers und in der längeren Folge dann auch des Wassers der Elbe, in deren Richtung alles unterirdisch fließt. In drei Schichten arbeiten die Wismut-Mitarbeiter. "Die Pumpen-Mannschaft darf nicht ausfallen", sagt Wedekind. Weil die Arbeit nicht trivial ist, können die Beschäftigten auch nicht einfach so ausgetauscht werden.

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Das ist in Corona-Zeiten eine besondere Herausforderung. Bisher konnten Ausfälle von Personal wegen Krankheit oder Quarantäne ausgeglichen werden. "Aber natürlich haben wir auch Pläne für den Notfall aufgestellt", sagt Wedekind.

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