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SOE: Kurzarbeit rettet Tausende Jobs

Wie sich Corona auswirkt, wer die Verlierer und Gewinner sind und was mit der Ausbildung wird. Fünf aktuelle Trends vom Arbeitsmarkt.

Die Gaststätten sind wieder offen, doch in der Statistik des Arbeitsmarktes ist das noch nicht angekommen.
Die Gaststätten sind wieder offen, doch in der Statistik des Arbeitsmarktes ist das noch nicht angekommen. © Steffen Unger

Die Arbeitslosigkeit geht im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge weiter zurück, die Chancen auf einen Job steigen wieder und auch die Ausbildung ist gesichert: Die Nachrichten vom Arbeitsmarkt sind gut und besser als erwartet. "Wir sind recht gut durch Corona gekommen", sagt die Pirnaer Arbeitsagenturchefin Gerlinde Hildebrandt. Doch die Statistik hat auch noch eine andere Seite. Die SZ beleuchtet die aktuellen Zahlen und Trends.

1. Die Arbeitslosigkeit: Industrie ist der Verlierer

Weniger Arbeitslose als vor einem Jahr, aber immer noch mehr als 2019: Das ist der Juni im Landkreis SOE. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,8 Prozent und damit 5,6 Prozent unter dem Juni 2020 und 3,5 Prozent unter dem Mai 2021. Der Bereich Pirna hat nach wie vor mit 5,4 Prozent die meisten Arbeitslosen, Dippoldiswalde mit 3,5 die wenigsten. Sebnitz hat sich um 0,3 Prozentpunkte auf 4,7 verbessert und Freital profitiere mit seinen 4,5 Prozent weiter von der Nähe zu Dresden, sagt Gerlinde Hildebrand. Der Trend stimmt optimistisch, doch: Die Beschäftigungsquote sinkt das dritte Quartal in Folge.

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© SZ Grafik

Aber es sterben auch Jobs: Die meisten Verluste gibt es im verarbeitenden Gewerbe. Hier sind voriges Jahr, neuere Zahlen liegen nicht vor, 500 Jobs weggefallen. Das Gesundheits- und Sozialwesen hat dem gegenüber weniger überraschend zugelegt. Mehr Beschäftigte hat auch die öffentliche Verwaltung, was mit den zusätzlichen Mitarbeitern vor allem in den Gesundheitsbereichen zu erklären ist.

Dass auch das Gastgewerbe einen wenngleich geringen Zuwachs von 52 Beschäftigten vorweist, verwundert. Die Erklärung: Aufgrund von Kurzarbeit wurden Mitarbeiter nicht wie sonst im Herbst und Winter entlassen.

© SZ Grafik

Die sonst zwischen April und Juni übliche Frühjahrsbelebung ist in diesem Jahr zumindest in der Statistik noch ausgeblieben. Sie könnte sich im Juli bemerkbar machen, da die Auswirkungen der Corona-Lockerungen noch nicht komplett in die Juni-Zahlen einflossen.

2. Die Kurzarbeit: Tausende von Jobs gerettet

Die Kurzarbeit hat Jobs gerettet. Im Dezember 2020 waren es noch umgerechnet rund 3.500, im April 2020 sogar doppelt so viele. Aktuell haben nur noch 19 Betriebe für rund 200 Personen Kurzarbeit angezeigt. Zum Vergleich: im März/April 2020 waren es rund 31.000 Betroffene in rund 3.000 Betrieben. Im Februar, das sind die aktuellsten Zahlen, waren jeder vierte Betrieb und 11,7 Prozent der Beschäftigten im Landkreis von Kurzarbeit betroffen. Auch hier ist der Anteil im verarbeitenden Gewerbe in absoluten Zahlen am höchsten, gefolgt vom Gastgewerbe.

Nach und nach wird von der Kurzarbeit zur Vollzeit zurückgekehrt. Prinzipiell kann Kurzarbeit für 24 Monate in Anspruch genommen werden. Das ist schon ab zehn Prozent weniger Arbeit möglich. Die meisten Betriebe haben in den vergangenen Monaten etwa die Hälfte weniger gearbeitet, die wenigsten hatten Kurzarbeit null.

3. Die Langzeitarbeitslosigkeit: Rund 500 Leute länger als vier Jahre ohne Job

Wer schon vor der Corona-Krise arbeitslos war, hat es in und nach ihr noch schwerer. Zwar ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen von Mai auch gesunken, aber wieder geringer als bei anderen Personengruppen - um nur 49. Es bleiben immer noch 2.541 Menschen im Landkreis, die ein Jahr und länger arbeitslos sind. Über die Hälfte betrifft es bis zu zwei Jahre, ein Fünftel jedoch ist schon vier Jahre und länger ohne Job.

Am meisten trifft es nach wie vor Menschen mit geringerer Qualifikation sowie Minijobber. Beide Gruppen sind in der Krise auch diejenigen gewesen, die als erste entlassen worden sind. Da für Minijobber keine Kurzarbeit möglich ist, sind sie am schnellsten in die Arbeitslosigkeit gerutscht.

4. Die freien Arbeitsplätze: Warum die Gastronomie nicht auftaucht

2.077 freie Stellen werden aktuell angeboten. Das sind über ein Fünftel mehr als noch im Mai, was für den Aufschwung nach der Krise spricht - auch in der Industrie. Aus dieser Branche gibt es im Juni die meisten freien Stellen. Sie zu besetzen ist höher als im Gesundheits- und Sozialwesen, in dem es kaum noch Arbeitssuchende gibt.

Die Hotellerie und Gastronomie tauchen im Juni noch kaum als Arbeitgeber auf, die Mitarbeiter suchen. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Der eine schon genannte, dass die Lockerungen Mitte des Monats noch nicht in der Statistik angekommen sind. Der andere Grund ist, dass sich viele Betriebe in dieser Branche ohne den Umweg über die Arbeitsagentur um Mitarbeiter kümmern.

5. Die Ausbildung: Wünsche und freie Stellen sind verschieden

Berufsberatung in den Schulen hat ein Jahr lang fast nicht stattgefunden. Das erschwert die Situation. Dennoch sind bereits viele Schulabgänger versorgt. Zum Stichtag der Juni-Statistik ist die Zahl der noch Suchenden und die der freien Lehrstellen haargenau gleich: 489. Da jedoch die Wunschberufe nicht mit den freien Stellen harmonieren, ist hier in den nächsten Wochen noch viel Arbeit notwendig, sagt Gerlinde Hildebrandt. So stehen zum Beispiel den 101 Verkäufer-Wünschen nur 28 Lehrstellen gegenüber. Der Zerspanungsmechaniker taucht auf der Hitliste der Schulabgänger gar nicht auf, es gibt jedoch 28 offene Lehrstellen.

Arbeitgeber waren in den vergangenen Monaten vorsichtig, auch beim Abschluss von Lehrverträgen. Gleichzeitig seien noch nicht alle freien Stellen angezeigt worden. Der Ausbildungsbeginn ist zwar offiziell der 1. August, es ist aber unproblematisch, auch noch im September oder Oktober einzusteigen.

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