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Der alte Mann und der IPO

Der Streit um den geplanten Industriepark hat Großsedlitz längst erreicht. Jetzt sollte dazu auch Ex-Landeskonservator Glaser Stellung nehmen.

Der ehemalige Landeskonservator und Denkmalpfleger Prof. Dr. Gerhard Glaser und Schlosschefin Andrea Dietrich am Sonntag im Barockgarten.
Der ehemalige Landeskonservator und Denkmalpfleger Prof. Dr. Gerhard Glaser und Schlosschefin Andrea Dietrich am Sonntag im Barockgarten. © Daniel Förster

Es war ein Sonntag wie gemalt. Der Barockgarten ist zwar immer geöffnet und nicht nur am jährlichen Tag des offenen Denkmals, weshalb es bisher an diesem keine extra Veranstaltungen gab. Dieses Jahr war das am Sonntag anders. „Ein Denkmal in Not! Auf zum Barockgarten Großsedlitz!“ hieß das Motto von Aktivisten. Hintergrund sind die Pläne für den Industriepark Oberelbe rund um den Autobahnzubringer unweit des Barockgartens.

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Veranstalter und Organisatoren waren die "Freunde des Barockgartens". Der am Barockgarten angesiedelte Verein aber heißt "Förderverein Freundeskreis Barockgarten Großsedlitz". Ist das das Gleiche? Für den Außenstehenden oder Unbedarften macht das keinen Unterschied. Und doch ist da ein nicht ganz unwesentlicher.

Die "Freunde des Barockgartens" sind ein Teil des Vereins. Der Verein hat sich bisher in Sachen Industriepark zurückgehalten. In jüngster Vergangenheit sind zehn erklärte IPO-Gegner in den Verein eingetreten, die den Verein stärken wollen und nun als "Freunde des Barockgartens" gemeinsam mit der "Bürgerinitiative Oberelbe - IPO stoppen" zusammenarbeiten. Am Sonntag wurden für das juristische Stoppen des IPO auch Spenden gesammelt.

Sachsens Versailles und Oberelbe-Industriepark

Die Aktivisten haben am Sonntag ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm im Barockgarten organisiert. Das reichte von Musik über spazierende Damen und Herren in historischen Gewändern bis zu überdimensionalen Bilderrahmen. Sie sollten den Blick auf die Veränderungen richten, die mit dem IPO kommen könnten. Allerdings: "Die Zeiten von rauchenden und qualmenden Schloten sind vorbei", sagt Schlosschefin Andrea Dietrich. Sie meint damit, dass man vom Barockgarten aus keine Industrielandschaft sehen wird. Denn einerseits sollen die Industriepark-Gebäude in einer Senke stehen. Und andererseits kommen Betriebe heute ohne hohe Schornsteine aus.

Am Nachmittag hatten die Aktivisten den ehemaligen Landeskonservator und Denkmalpfleger Prof. Dr. Gerhard Glaser eingeladen. Der wohnte bis 2019 in Großsedlitz, im Gutsverwalterhaus unmittelbar neben dem Barockgarten. Der 84-Jährige hatte im Juli den sächsischen Verdienstorden für sein Lebenswerk erhalten und sollte darlegen, was er von der Idee hält, an „Sachsens Versailles“ einen Industriepark bauen zu wollen.

Interessanter Ausflug in die Geschichte

Was als Höhepunkt und Diskussionsrunde angekündigt war, wurde ein interessanter Ausflug in die Geschichte. Glaser plauderte unterhaltsam über das Dresdner Schloss und die Frauenkirche, über Landschloss Zuschendorf und den Barockgarten und gab Geschichten von List und Tücke zum Besten. Zum Beispiel wie das Abtragen des Schutthaufens der Frauenkirchen-Ruine verhindert wurde. Man habe den Verantwortlichen in der DDR gesagt, das würde nur anderswo dringend benötigte Baukapazität kosten. Die Erinnerung an die Rettung Zuschendorfs mit seiner einzigartigen Sammlung ist mit dem früh weinend in seinem Büro stehenden Matthias Riedel verbunden. Riedel hatte die Sammlung aufgebaut und leitet sie bis heute.

Vom Diamant und seiner Einfassung

Zum IPO äußerte sich Glaser nur kurz. Im Zusammenhang mit dem Erhalt von Sichtachsen, die wichtig für die Einbettung in die Landschaft sind, wählte er das Bild des Diamanten und der Fassung, die ihn erst richtig strahlen lässt und ihm den Wert gibt. Er habe kein Verständnis, dass das nicht so bedacht wird. "Industrie wird gebraucht, aber ob das hier richtig ist?", sagte er.

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Schlosschefin Andrea Dietrich kam am Sonntag ebenso vorbei wie Vereinsvorsitzende Simone Balsam, die eine Führung machte. So richtig glücklich sind beide nicht mit der Entwicklung und Spaltung. Andrea Dietrich will nächstes Jahr wieder eine Veranstaltung im Barockgarten am Tag des offenen Denkmals. Sie will dann Befürworter und Gegner des Industrieprojektes zusammenbringen. Das wird immer schwerer, da die Fronten verhärtet sind.

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