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Weniger Jugendliche wollen in den Verkauf

Verkäufer oder Verkäuferin ist weiterhin Wunschberuf Nummer 1, hat aber an Attraktivität bei Jugendlichen verloren. Handwerksberufe liegen im Trend.

Der Beruf als Verkäuferin ist bei Jugendlichen nicht mehr ganz so beliebt wie früher.
Der Beruf als Verkäuferin ist bei Jugendlichen nicht mehr ganz so beliebt wie früher. © dpa

Was sind krisensichere Berufe? Diese Frage wurde zu jeder Zeit etwas anders beantwortet. Einen Hinweis auf die Antwort geben jedes Jahr die Zahlen der Wunschberufe, um deren Lehrstellen sich die Jugendlichen bewerben. Da hat es im Ausbildungsjahr, das im Herbst 2020 begann, erhebliche Verschiebungen gegeben.

"Plötzlich merken die Leute, dass es durchaus krisensichere Jobs gibt", sagte kürzlich Jörg Dittrich, Präsident der Dresdner Handwerkskammer, zu der auch der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gehört.

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Welche Auswirkungen hat das Corona-Jahr?

Der beliebteste Handwerksberuf im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist weiterhin der Kfz-Mechatroniker. 55 Bewerber gab es für die 26 angebotenen Lehrstellen. Noch beliebter waren nur die Berufe des Verkäufers beziehungsweise der Verkäuferin mit 107 Bewerbern sowie der Kaufmann/ die Kauffrau (68) im Einzelhandel.

Die Berufe im Verkauf haben allerdings erheblich an Attraktivität eingebüßt, und zwar um fast ein Viertel bei den Verkäufern und bei den Kaufleuten um mehr als acht Prozent. Die größte Motivation bei den Jugendlichen für eine Bewerbung war bisher, eine berufliche Funktion im Gesamtkomplex "Shoppingerlebnis" einzunehmen.

Das hat im Corona-Jahr 2020 aber einen erheblichen Knacks bekommen. Auch die Diskussion über die Schließung von Karstadt-Filialen in Deutschland könnte eine Rolle spielen. Dennoch war die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber doppelt so groß wie die Zahl der angebotenen Lehrstellen für den Verkäufer-Beruf.

© SZ Grafik

Welche Berufe sind im Kommen?

Am meisten an Attraktivität zugelegt hat der Beruf des Kochs beziehungsweise der Köchin. Mit 26 Bewerbern hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Dazu dürfte beigetragen haben, dass es viele freie Arbeitsstellen gibt. Auch der Corona-Lockdown hat hier kaum abgeschreckt. Rein rechnerisch gab es für jede Lehrstelle einen Bewerber im Landkreis.

Zuwachsraten bei interessierten Jugendlichen verzeichneten auch die Berufe Industriekaufmann (plus 35 Prozent) und Tischler (plus 23 Prozent). „Der hohe Fachkräftebedarf und die damit verbundene Jobsicherheit trägt entscheidend dazu bei, dass das Handwerk auch in Krisenzeiten bei vielen jungen Berufseinsteigern als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wird“, erklärt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden.

Zur Rangliste der fünf beliebtesten Ausbildungsberufe im ostsächsischen Handwerk zählen neben dem Tischler auch noch die Berufe Elektroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Maler und Lackierer.

In welchen Branchen wird Nachwuchs gesucht?

Zwei Auffälligkeiten gibt es jedoch im Landkreis. Deutschlandweit gehörte zum einen der Beruf Fachlagerist nicht zu den Top 10 der vergangenen Jahre. In der Region von Wilsdruff bis Sebnitz liegt er dagegen auf Platz vier der Berufswünsche. Die Anzahl der Bewerber war fast doppelt so hoch wie die der freien Lehrstellen.

Zum anderen ist der Beruf des Fachinformatikers bundesweit auf dem Vormarsch. Deutschlandweit liegt er schon auf Platz sechs. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist der Beruf dagegen weder bei den Wünschen noch bei den Angeboten auf einem vorderen Rang zu finden.

Wesentlich weniger Bewerber als Lehrstellen gab es im Landkreis bei den Berufen Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik sowie Zerspanungsmechaniker und Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandel/Bäckerei.

Insgesamt wurden mehr als 130 verschiedene Ausbildungsberufe in der Region über die Arbeitsagentur angeboten. "Mehr als jede dritte Lehrstelle kam von Firmen des Verarbeitenden Gewerbes. Aber auch im Baugewerbe und Handel wird dringend Fachkräftenachwuchs benötigt", erklärt Gerlinde Hildebrand, die Pirnaer Arbeitsagenturchefin.

Wo gibt es die meisten Lehrstellen?

Im Vergleich zu 2019 ist im vorigen Jahr sowohl die Zahl der Bewerber (minus 39) als auch der angebotenen Lehrstellen (minus 108) im Landkreis gesunken. Besonders groß war der Rückgang an Ausbildungsstellen in der Region Dippoldiswalde mit einem Minus von 20,3 Prozent.

Dennoch ist die Situation für Jugendliche dort weiterhin am besten. Weil sich auch die Zahl der Bewerber ungefähr in dieser Dimension reduziert hat, gibt es dort wie schon in den Vorjahren weiterhin mehr Lehrstellen als Bewerber. Das heißt für die Betriebe, überregional nach ausreichend Fachkräftenachwuchs suchen zu müssen.

Mit 448 Lehrstellen wurden die meisten in der Region Pirna angeboten, gefolgt von Freital (319), Dippoldiswalde (153) und Sebnitz (88). Rund 90 Jugendliche im Landkreis blieben zum Beginn des Ausbildungsjahres noch unversorgt. Das waren 22 mehr als im vergangenen Jahr.

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Demgegenüber standen aber auch mehr als 100 unbesetzte Lehrstellen. Das waren mehr als 2019. Laut Arbeitsagentur betraf das insbesondere die technischen Berufe und welche im Gastgewerbe.

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