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So soll die Mafa zu Heidenaus Mitte werden

Die Stadt bekommt einen neuen Stadtteil für bis zu 1.700 Einwohner. Der Entwurf stammt von einem der wichtigsten Architekten Deutschlands.

Von der Industriefläche zum neuen Heidenauer Quartier: Das Areal der ehemaligen Maschinenfabrik.
Von der Industriefläche zum neuen Heidenauer Quartier: Das Areal der ehemaligen Maschinenfabrik. © Architekt: Peter Kulka

Heidenau hatte schon einmal mit einer Architektur von sich Reden gemacht. Damals war es der Neubau der Saegeling-Medizintechnik. Jetzt ist das Vorhaben noch ein paar Nummern größer. Es geht um das Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik. Nachdem es fast zwei Jahrzehnte vor sich verkam, geht es seit dem Verkauf im Rahmen der Zwangsversteigerung im vergangenen November recht schnell. Nachdem im Februar die Formalitäten erledigt waren, begann die Beräumung. Und nun gibt es bereits einen ersten groben Entwurf für die Gestaltung des Areals. 

So sieht es derzeit aus: Noch ist schwer vorstellbar, dass hier auf dem Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik Heidenau die neue Mitte der Stadt entstehen soll. Doch die ersten Schritte sind getan.
So sieht es derzeit aus: Noch ist schwer vorstellbar, dass hier auf dem Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik Heidenau die neue Mitte der Stadt entstehen soll. Doch die ersten Schritte sind getan. © Daniel Schäfer

Drei Architekturbüros waren an dem Werkstattverfahren beteiligt worden. Alle drei renommiert, sagt Dr. Thomas Stern, Vorstand der MEIAG Sächsische Immobilien AG. Er und die Dresden Haus GmbH & CoKG bilden die Projektgesellschaft BEST MARK Projektgesellschaft mbH & CoKG, die das Vorhaben Mafa umsetzen will. 

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Alle drei Entwürfe wurden begutachtet, fachlich, von den Investoren sowie von der Stadt Heidenau. Der einstimmige Sieger ist kein geringerer als Peter Kulka. Der 83-jährige Architekt hat öffentliche Gebäude wie Universitäten und Museen in ganz Deutschland entworfen und auch den Sächsischen Landtag. Sein Entwurf für Heidenaus neue Mitte ist für die Entscheider die ideale Verbindung des historisch Erhaltenswerten mit dem  weiterführenden Neuen. Es wird von 70 Prozent Wohnen, 20 Prozent Handel, Gastronomie und Wirtschaft und zehn Prozent öffentliche Einrichtungen ausgegangen.

Was heißt das im Einzelnen?

  • Entlang der Bahnlinie zur Seite der Ernst-Thälmann-Straße stehen große Gebäude, sogenannte Wohnbausteine. Das sind noch keine endgültigen und kompletten Planungen, sondern Gestaltungseinheiten.
  • Die Häuser im Bereich zur Heinrich-Heine-Straße orientieren sich an den dort vorhandenen Häusern.
  • Das Konzept beinhaltet den Erhalt eines großen Teils der bestehenden denkmalgeschützten und denkmalwürdigen Gebäude.
  • Eine Schule wird im Bereich der denkmalwürdigen Hallen in Verbindung mit einem Neubau an der Thomas-Mann-Straße gesehen.
  • Die zentrale Industriehalle soll öffentlich genutzt werden, als Festhalle bzw. Veranstaltungsort und kann Bücherei, Ausstellungen sowie Gastronomie beherbergen.
  • Innerhalb der historischen Umfassungsmauern der Industriehalle soll ein weiterer Wohnturm symbolisch seinen Platz finden. Die Höhen bzw. Geschossigkeiten der Türme und Häuser sind noch festzulegen.
  • Der Mühlgraben wird als Gestaltungselement genutzt, um den sich Schulhof, Fabrik- und Spielplatz fügen.
  • Gewächshäuser und baumbestandene Dächer lockern die Atmosphäre auf. 

Die Wohnungen sollen im Schnitt ein Fünftel günstiger als in Dresden sein. Wie viele Eigentums- und Anlegerwohnungen es gibt, hängt davon ab, wer sie baut und wie die Nachfrage ist. Bis zu etwa 1.700 Menschen könnten in Heidenaus neuer Mitte leben. Das heißt jedoch nicht, dass die Zahl der Einwohner um so viele steigt, sagt Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU). Perspektivisch wird damit der Rückgang der Einwohnerzahl aufgehalten. Dennoch ist das neue Quartier in mehrerlei Hinsicht eine Chance für Heidenau. Die Stadt kann damit über die Kreisgrenzen hinaus auf sich aufmerksam machen. Wegen der Architektur, wegen der Gestaltung einer Brache, wegen der Verbindung von Wohnen und Wirtschaft - und vielleicht auch wegen einer neuen Schulform. 

Eine neue Schule

Der Entwurf enthält nämlich auch eine Schule. Ob sie tatsächlich gebaut wird, hängt davon ab, wer in das neue Gebiet zieht und wie sich die Einwohner in der gesamten Stadt entwickeln. Es muss auch nicht unbedingt eine öffentliche  Schule sein, sagt Opitz. Es kann auch eine Freie Schule sein, zum Beispiel eine Waldorfschule. Interessenten dafür waren schon mal da. Zudem würde so eine Schule die Schullandschaft Heidenaus erweitern und die Stadt wieder für eine andere Zielgruppe von  Einwohnern interessant machen. 

Auch Platz für Pflegeeinrichtungen bzw. Betreutes Wohnen ist. In welchem Maß diese Einrichtungen gebaut werden, hängt vom Mix der in Heidenaus neue Mitte ziehenden Menschen ab. Stadt, Investoren und Architekt wollen einen breiten Mix. Also Junge und Alte, Familie und Singles. Das erst macht ein Viertel lebendig. Dazu gehören dann auch Geschäfte, Gaststätten etc. Aktuell haben es die Betreiber beider in Heidenau, bis auf einige wenige Ausnahmen, schwer. Stern will jetzt für sein Projekt die Nachfrage erzeugen, die dann das Angebot schafft.  

Die nächsten Schritte

Der nächste Schritt ist ein städtebaulicher Entwurf. Erst danach folgt die detailliertere Planung. Hinzu kommen formelle Schritte zwischen Investor, Stadt, Landratsamt und weiteren Beteiligten. Ende nächsten Jahres könnte, wenn es so schnell weiter geht, Baurecht bestehen. Ziel ist es, 2022 mit dem Bauen zu beginnen, sagt Stern. Nicht alles auf einmal und auch nicht alles unbedingt durch die Projektgesellschaft. Das geplante Investitionsvolumen inklusive des Ankaufs und der Erschließungen beträgt für das gesamte Areal rund 40 Millionen Euro. 

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Am 6. Oktober, 18.30 Uhr, werden die Pläne in einer Informationsveranstaltung in der Aula der Oberschule vorgestellt. Im Anschluss werden die  Ergebnisse und das Vorhaben im Oktober in der Bibliothek zu sehen sein. 

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