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Pirnas neue Kita hat 'nen Dachschaden

In das Haus am Reitplatz hat es massiv hineingeregnet. Der Schaden ist enorm - und es besteht die Gefahr, dass Pirna darauf sitzenbleibt.

Neubau der Kita am Reitplatz im Juli 2020: Bei den Dacharbeiten gepfuscht?
Neubau der Kita am Reitplatz im Juli 2020: Bei den Dacharbeiten gepfuscht? © Stadt Pirna

Die neue Kindertagesstätte in Pirna auf dem Gelände am Reitplatz hinter der Turnhalle des Schiller-Gymnasiums an der Seminarstraße ging erst vor einem Jahr in Betrieb, seit wenigen Tagen erst heißt das von der Diakonie Pirna betriebene Haus „Limonadenbaum“. Die Einrichtung mit 100 Plätzen entstand in nur wenigen Monaten, da das Gebäude aus vorgefertigten Modulen besteht, die auf der Baustelle zusammengefügt und komplettiert wurden. Der Zeitplan war deshalb so straff getaktet, weil Pirna die zusätzlichen Betreuungsplätze ab dem Schuljahr 2020/21 benötigte.

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Beauftragt mit dem Bau war seinerzeit eine Modulbaufirma aus Bayern, die die Elemente in Tschechien fertigen ließ. Und weil sich das Rathaus damals so vehement dafür einsetzte, konnten die vorproduzierten Kita-Bausteine trotz des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 aus dem Nachbarland nach Pirna geliefert werden.

Die Diakonie freute sich auf den baldigen Einzug, inzwischen haben Kinder das Haus längst in Beschlag genommen, den Arbeitsnamen „Reitplatz I“ gegen einen neuen ausgetauscht. Doch mittlerweile ist die ganze Freude etwas getrübt, weil offenbar schon in der Bauphase etwas gehörig schiefging.

Am Dach nicht einwandfrei gearbeitet?

Die Stadt Pirna, Bauherr der Kita, hat erst kürzlich massive Schäden am Dach festgestellt. Der Grund dafür sind nach Aussage des Rathauses fehlerhafte Verklebungen der Schweißnähte an der Dachhaut, die augenscheinlich auch von beauftragten Dachfirmen nicht erkennbar waren.

Es handelt sich um 59 Mini-Lecks, undichte Stellen, die über das ganze Dach verteilt sind. Alle befinden sich im Bereich der Schweißnähte der Abdichtungsbahnen – was den Verdacht nahelegt, dass dort nicht einwandfrei gearbeitet wurde.

Erst in einem sogenannten Strom-Impuls-Verfahren wurden die kleinen undichten Stellen entdeckt. Bis zu diesem Zeitpunkt war durch die Schadstellen schon reichlich Wasser in Gebäude gedrungen, was die Deckenplatten in Teilbereichen mächtig durchfeuchtete.

Die Lecks sind notabgedichtet

Nach Auskunft des Rathauses wurden diese schadhaften Stellen, sofort nachdem sie entdeckt wurden, notabgedichtet. Ebenso entfernten Handwerker sämtliche feuchte Deckenplatten im Innern der Kita. Zudem wurde der Schaden der Baufirma formal angezeigt.

Derzeit untersucht die Verwaltung die weiteren notwendigen Reparaturen und eruiert die dadurch entstehenden Kosten. Nach unbestätigten Schätzungen soll sich der Schaden auf über 100.000 Euro belaufen, laut der Stadt könne die Schadenssumme jedoch derzeit noch nicht genau beziffert werden. Das für die Reparatur notwendige Budget könne erst nach der genauen Kostenanalyse benannt werden.

Zusätzlich prüft die Stadt, ob und wie die entstehenden Kosten von der seinerzeit beauftragten Baufirma zurückgefordert werden können. Dabei gibt es allerdings ein Problem: Es besteht durchaus die Gefahr, dass Pirna auf den Kosten sitzenbleibt – da sich die Baufirma nach Aussage des Rathauses in Insolvenz befindet.

Pirna trennt sich von der Baufirma

Unterdessen klärt die Stadt jetzt mit der Diakonie, wie die Reparatur zeitlich eingeordnet werden kann, ohne dass es in der Kita zu großen Einschränkungen kommen muss. Derzeit könne die Einrichtung laut der Stadt aufgrund der provisorischen Abdichtung am Dach uneingeschränkt genutzt werden. Der genaue weitere Ablauf werde in den kommenden Tagen abgestimmt.

Währenddessen haben auf dem Nachbargrundstück die Bauarbeiten für eine zweite, baugleiche Kita begonnen. Hinsichtlich der Qualitätsüberwachung des neuen Modulbaus werden nun ergänzend weitere Experten für die verschiedenen Ausbaustufen eingebunden. So sollen derartige Fehler wie die am Dach der bereits bestehenden Kita vermieden werden.

Mit der damaligen Baufirma hat die Stadt die Zusammenarbeit inzwischen beendet. Den Auftrag für den Bau der zweiten Kita vergab der Stadtrat an ein anderes Unternehmen aus Bayern.

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