merken
PLUS Pirna

Pirna: Wie Firmen um junge Leute werben

Beim 20. Tag der Ausbildung in Pirna wurden 141 verschiedene Berufe vorgestellt. Helfen Prämien und Geschenke, den richtigen zu finden?

Hier läuft's rund: Dennis Neumann hat bei Gerodur seine Lehrstelle gefunden, für die es monatlich bis zu 143,33 Euro zum Lehrlingsgeld dazu gibt. Ein Angebot, mit dem Personalleiterin Susann Blut auch am Sonnabend warb.
Hier läuft's rund: Dennis Neumann hat bei Gerodur seine Lehrstelle gefunden, für die es monatlich bis zu 143,33 Euro zum Lehrlingsgeld dazu gibt. Ein Angebot, mit dem Personalleiterin Susann Blut auch am Sonnabend warb. © Marko Förster

Die Zeiten haben sich geändert. Statt dass junge Leute den Lehrstellen hinterherlaufen, werden sie von den Betrieben umworben. Es ist wie überall, die Nachfrage regelt den Preis. Und der bedeutet in diesem Fall Prämien und Geschenke. Welche Rolle spielen die, was sich Firmen einfallen lassen und wie junge Leute darauf reagieren? Drei Beispiele vom 20. Tag der Ausbildung des Kreises am Sonnabend im Berufsschulzentrum Pirna, auf dem sich rund 130 Aussteller mit 141 verschiedenen Berufen und Aktionen vorstellten.

Bis zu 143,33 Euro monatlich mehr

Wer bei Gerodur in Neustadt mit einer Lehre beginnt, startet mit 700 Euro monatlich. Dieser Betrag wurde im vergangenen Jahr erhöht. Wahrscheinlich folgt bald eine weitere Erhöhung, sagt Personalleiterin Susann Blut. Hinzukommen 45 Euro Fahrgeld. Und das ist noch nicht alles. Wer nicht krank ist, erhält monatlich eine Anwesenheitsprämie von 33,33 Euro. Als Leistungsanreiz sind bis zu 110 Euro im Monat drin, 35 Euro für die Leistung im Unternehmen, 75 Euro für die Noten besser als eine Zwei. Und schon wer sich nur für einen Blick hinter die Kulissen interessiert, erhält einen 15-Euro-Dankeschön-Warengutschein. Den gibt es seit etwa einem Vierteljahr, zehnmal wurde er bisher vergeben.

Küchenzentrum Dresden
Küchen-Profis aus Leidenschaft
Küchen-Profis aus Leidenschaft

Das Team des Küchenzentrums Dresden vereint Kompetenz, Erfahrung und Dienstleistung – und punktet mit besonderen Highlights.

Trotz allem, die jungen Leute rennen Gerodur nicht die Tür ein. Von den in diesem Lehrjahr insgesamt zehn Lehrstellen in verschiedenen Berufen sind nur vier besetzt. Für Susann Blut eine Corona-Folge. Ihr fehlten die Besuche direkt in den Schulen, und den Schülern die Möglichkeit der Betriebsbesuche. Die Konsequenz: Es machen mehr junge Leute ein Berufsvorbereitungsjahr, weil ihnen die Vorstellung von Berufen fehlt.

Für Dennis Neumann, Gerodur-Lehrling im dritten Jahr, waren die Prämien nicht das Ausschlaggebende für seine Entscheidung. Es war das Praktikum, das den Ausschlag gab und die Nähe - er wohnt in Neustadt. Schon am ersten Praktikumstag wusste er, Verfahrensmechaniker, das ist er. Zunächst hat er nur die zweijährige Ausbildung begonnen, dann lief es so gut, dass er ein Jahr für den besseren Abschluss draufsetzte.

Mit neuem Laptop in die Lehre starten

Ein Laptop zum Lehrstart? Nicht schlecht. Fünf Azubis hat der ASB Neustadt damit für ihre Entscheidung einer Pflegefach-Ausbildung im vergangenen Jahr belohnt. Die Nachfrage für diesen Bereich ist gering, sagt Öffentlichkeitsarbeiterin Kristina Lorenz-Weber. Homeschooling kam im vergangenen Jahr noch dazu. Da war der Laptop nicht einfach so ein Geschenk, sondern sollte helfen, die härteren Bedingungen zu meistern.

Mit einem neuen Laptop in die Pflege-Lehre starten? Beim ASB in Neustadt ist das möglich. Aber auch ohne Geschenk hat Sabrina Thamm ihre Wahl getroffen und versucht, mit Kristina Lorenz-Weber (r.) weiter für die Berufe in der Pflege zu werben.
Mit einem neuen Laptop in die Pflege-Lehre starten? Beim ASB in Neustadt ist das möglich. Aber auch ohne Geschenk hat Sabrina Thamm ihre Wahl getroffen und versucht, mit Kristina Lorenz-Weber (r.) weiter für die Berufe in der Pflege zu werben. © Marko Förster

Sabrina Thamm ist bereits im dritten Lehrjahr. Als sie begann, gab es die Laptops noch nicht. Sie ist weder jetzt traurig, noch hätte das vor drei Jahren ihre Entscheidung beeinflusst, sagt sie. Die Arbeit mit Älteren mache sie mit Herz. Es sei schön, so viel Dankbarkeit zu erhalten. Doch den Job bis zur Rente zu machen, das kann sich Sabrina Thamm eher nicht vorstellen. "Es ist eben auch eine körperlich schwere Tätigkeit."

Die Nachfrage nach den Pflegeberufen ist gering, trotz Laptop, sagt Lorenz-Weber. Das zeigt, dass die Geschenke ein schönes Plus sind, aber keine Entscheidung beeinflussen. Wer einen Beruf lernen will, lernt ihn, so oder so und wem der Beruf nicht zusagt, den überzeugt auch ein Laptop nicht.

50 Euro für ein Praktikum

Wer ein Schüler-Praktikum macht, arbeitet umsonst, weil er ja was lernen soll. Wer sich dafür jedoch bei der Neuland-Zeitreisen GmbH entscheidet, startet mit einem 50 Euro-Gutschein. Der Vorteil eines Praktikums in diesem Unternehmen, zu dem unter anderem das Biohotel Schmilka und die Restauration Festung Königstein gehören, ist die Vielfalt. Ob Koch, Restaurant- oder Hotelfachleute oder Veranstaltungsmanager, alle Berufe werden angeboten und können im Praktikum beschnuppert werden. Die Chance und der Gutschein werden gut genutzt, sagt Personalchefin Peggy Schindler.

Kilian Hoyer hat den Schwung raus. Er lernt Koch im Biohotel Schmilka. Für die Bereiche der Neuland-Zeitreisen winkt Personalchefin Peggy Schindler mit einem Praktikumsgutschein.
Kilian Hoyer hat den Schwung raus. Er lernt Koch im Biohotel Schmilka. Für die Bereiche der Neuland-Zeitreisen winkt Personalchefin Peggy Schindler mit einem Praktikumsgutschein. © Marko Förster

Ihr Ziel ist es, jedes Jahr in jedem Beruf einen Lehrling einzustellen, auch Studenten gehören dazu. Die Praktikumsvielfalt führt dazu, dass Peggy Schindler unter den Bewerbern die Besten auswählen kann. Dafür lohnen sich die 50-Euro-Gutscheine.

Weiterführende Artikel

Pirna: Partnerbörse für die Zukunft

Pirna: Partnerbörse für die Zukunft

Am Sonnabend legen sich Firmen ins Zeug, damit sie im nächsten Lehrjahr nicht leer ausgehen. Jugendliche haben die Wahl.

Auch Kilian Hoyer aus Leipzig hat vor seiner Koch-Lehre ein Praktikum gemacht. Er hat seinen Traumberuf im Biohotel in Schmilka gefunden und ist bereits im zweiten Lehrjahr. Die Pfanne kann er schon wie ein erfahrener Koch schwenken. Das überzeugt am Ende mehr als ein Gutschein, auch wenn 50 Euro schon viel Geld sind.

Mehr zum Thema Pirna