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Borkenkäfers Schlaraffenland verschwindet

Der Tannenbusch in Bad Gottleuba sieht gruselig aus. Bis er wieder richtig grün ist, dauert es viele Jahre. Revierförster Thomas Krause hat trotzdem schon jetzt gut lachen.

Revierförster Thomas Krause kennt den Wald um Bad Gottleuba seit über 40 Jahren. Nun verändert der sich grundlegend.
Revierförster Thomas Krause kennt den Wald um Bad Gottleuba seit über 40 Jahren. Nun verändert der sich grundlegend. © Egbert Kamprath

Sturm und Borkenkäfer sind ein gefährliches Duo. Am Tannenbusch oberhalb von Bad Gottleuba haben sie gemeinsam zugeschlagen. Die stürmischen Eberhardt und Friederike haben große Bäume entwurzelt und umgeworfen. Der Borkenkäfer hat sich an den gedeckten Tisch gesetzt. "Es war für ihn das reinste Schlaraffenland", sagt Thomas Krause. Er ist seit über 40 Jahren in der Region Förster und für den Gottleubaer Wald verantwortlich. Die Borkenkäfer kamen immer wieder und waren schneller als die Forstleute Ordnung schaffen und die Bäume wachsen konnten. Übrig geblieben ist Holz, das nur noch als Sägeholz oder für Hackschnitzel verkauft werden kann.

Warum der Tannenbusch gar kein Tannenbusch ist

Der Tannenbusch ist nackt, es sieht gruselig aus, und der Holzverkauf hat sich für die Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel als Eigentümer auch nicht gelohnt. Das alles soll sich ändern. Die Stadt hat als erste im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Fördermittel für den Waldumbau bekommen. Für reichlich 96.000 Euro werden auf 13 Flächen verteilt insgesamt 19,1 Hektar umgestaltet. Allein für den Tannenbusch bedeutet das 20.000 neue Bäume. Seit Mitte März kommen sie in die Erde. In der Woche nach Ostern sollen die Arbeiten beendet sein.

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Ein Wald ohne Bäume: Den Tannenbusch haben Stürme und der Borkenkäfer leergefegt und leergefressen. Nun werden neue Bäume für den Wald von morgen gepflanzt.
Ein Wald ohne Bäume: Den Tannenbusch haben Stürme und der Borkenkäfer leergefegt und leergefressen. Nun werden neue Bäume für den Wald von morgen gepflanzt. © Egbert Kamprath

Der Tannenbusch hat seinen Namen, weil für die Leute alle Nadelbäume irgendwie Tannen sind. Richtig müsste er Fichtenbusch heißen. Jedenfalls bisher. Denn jetzt werden keine Fichten mehr gepflanzt. Statt der nach dem Zweiten Weltkrieg gesetzten schnell wachsenden Fichten wird nun eine Mischung aus neun verschiedenen Laub- und drei Nadelbäumen gepflanzt. Dazu gehören Buche, Birke, Eiche, Winterlinde, Vogelbeere, Weißtanne und Lärche - sowie Spitzahorn und Esskastanie, die bisher nicht im Tannenbusch wuchsen. Und für ganz oben ist die anspruchslose Höhenkiefer vorgesehen.

Nah beieinander und tief genug werden die Pflanzen gesetzt. Zur Orientierung werden Stäbe mit rotem Rand gesteckt. Damit die Forstarbeiter in den nächsten Jahren wissen, wo die Pflänzchen in der Erde stecken. Um sie herum wird sich die Brombeere breitmachen.

Was bleibt von den jetzt gesetzten Pflanzen übrig?

  • In zehn Jahren - stehen abhängig von Trockenheit und Wildfraß noch etwa 60 Prozent der Pflanzlinge.
  • Nach 20 bis 25 Jahren - beginnt die Waldpflege. Das heißt, es werden Bäume entfernt, die andere stören oder selbst nicht optimal wachsen, also stabil, hoch und gerade.
  • Nach 50 Jahren - kann zum ersten Mal nutzbares Holz "geerntet" und verkauft werden.
  • Nach 100 Jahren - stehen noch etwa zehn Prozent der jetzt gepflanzten Bäume.

Wie die Bienen sehen von oben die Männer aus, die die Stöcke stecken und die Pflanzen setzen. Rechts und links des aktuellen Pflanzbereiches kleine Wälle aus Ästen. Die Ordnung liebenden Gottleubaer fragen immer wieder, warum denn der Wald bzw. was davon noch übrig ist und wieder werden soll, nicht aufgeräumt wird. Förster Thomas Krause kennt solche Fragen. Das, was liederlich aussieht, heißt Schloten und ist gut für den Wald, die Insekten, Salamander und das ökologische Gleichgewicht. In zwei Jahren sind die Haufen auf die Hälfe zusammengefallen, in sechs bis acht Jahren überwachsen.

Pflänzchen für Pflänzchen kommt in die Tannenbusch-Erde. Die Stöcke dienen der künftigen Orientierung und die Reihen abgestorbenen Holzes rechts und links sind keine Unordnung, sondern gut fürs ökologische Gleichgewicht.
Pflänzchen für Pflänzchen kommt in die Tannenbusch-Erde. Die Stöcke dienen der künftigen Orientierung und die Reihen abgestorbenen Holzes rechts und links sind keine Unordnung, sondern gut fürs ökologische Gleichgewicht. © Egbert Kamprath

Vom Rundweg durch den Tannenbusch, der zum Lehrpfad werden soll, hat man zwei Ausblicke: einen schönen auf Bad Gottleuba, einen weniger schönen auf die noch kahlen Flächen, zwischen denen die ausgerissenen Wurzeln der Bäume liegen. "Es sah noch viel schlimmer aus", sagt Förster Thomas Krause. Und bis der Wald wieder ein Wald ist, wird es noch sehr lange dauern. Förster sind geduldige Menschen, die für die nächsten Generationen arbeiten.

Bad Gottleuba liegt einem zu Füßen, wenn man vom Rundweg hinunter schaut. An dieser Stelle soll es künftig eine kleine Aussichtsplattform geben.
Bad Gottleuba liegt einem zu Füßen, wenn man vom Rundweg hinunter schaut. An dieser Stelle soll es künftig eine kleine Aussichtsplattform geben. © Egbert Kamprath

Auf die kleine Aussichtsplattform müssen die Gottleubaer und ihre Gäste nicht so lange warten. Sie soll links vom Rundweg mit Tisch und Bank zum Verweilen einladen, dort, wo noch eine Buche steht und man den schönsten Blick auf Gottleuba hat. Auch die nach den Stürmen zunächst provisorisch instand gesetzte Stufenanlage zum Felsentor wird neu gestaltet. Ein Stück links von der künftigen Aussicht ist eine Fläche eingezäunt. Es ist der Bereich, um den sich die Oberschüler der AG Wald kümmern. Im Moment leider nicht - nach drei Treffen zu Beginn des Schuljahres war erst mal wieder Schluss. Aber der Wald hat Geduld und wartet auf die Schüler.

Auch wenn der Tannenbusch kein Tannenbusch ist, für die Gottleubaer wird er es bleiben. Er ist für sie ein Stück Hauswald und spielt auch in ihrer Kurort- und Tourismuszukunft eine Rolle. "Der Tannenbusch ist da eine ganz große Nummer", sagt Thomas Krause.

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