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Pirna: Wie die Sparkasse Filialschließungen erklärt

Der Vorstandsvorsitzende kam persönlich zu den Kreisräten. Das hätten sich einige früher gewünscht.

Hohnstein verliert seine Sparkassen-Filiale und auch den letzten Geldautomaten.
Hohnstein verliert seine Sparkassen-Filiale und auch den letzten Geldautomaten. © Daniel Förster

Das war ein absolutes Novum. Der Vorstandsvorsitzende der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, Joachim Hoof, hatte schon vor vielen Gremien über Unternehmensentscheidungen gesprochen. Am Montagabend rechtfertigte er insbesondere die jüngsten Filial-Schließungen erstmals vor Kreisräten, und zwar in Pirna.

"Schließungen sind nicht schön, aber betriebswirtschaftlich unausweichlich", erklärte Hoof im Kreisausschuss. Die Sitzung fand im Kreistagssaal statt, damit genügend Abstand zwischen den Anwesenden eingehalten werden konnte.

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, in virtuellen Räumen statt.

Sparkasse verzichtet auf Minuszinsen

Ausführlich erläuterte Hoof, in welcher Marktlage sich derzeit sämtliche Banken und Kreditinstitute befinden. Alles kulminiere in dem "magischen Dreieck" aus Minuszins, Digitalisierung und Regelwerken.

Immer mehr Banken verlangen Geld dafür, dass Privatkunden ihnen ihr Geld anvertrauen, sogenannte Negativ- oder Minuszinsen. Das macht die Ostsächsische Sparkasse Dresden bei Bestandskunden noch nicht. "Wir werden jetzt von Kunden-Geldern überschüttet", sagt Hoof. Die Sparkasse müsse aber aufpassen, dass sie nicht "missbraucht wird". Das ist eine Folge des negativen Einlagenzinssatzes der Europäischen Zentralbank. "Das ist eine Enteignung des Sparers", sagt Hoof.

Der Vorstandsvorsitzende der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, Joachim Hoof, rechtfertigte Unternehmensentscheidungen erstmals vor Kreisräten.
Der Vorstandsvorsitzende der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, Joachim Hoof, rechtfertigte Unternehmensentscheidungen erstmals vor Kreisräten. © Sven Ellger

Im Aufsichtsrat werde jetzt thematisiert, für Neukunden Verwahrentgelte oder Ähnliches einzuführen. "Das betrifft keine Bestandskunden", sagte Hoof.

Besseres Filialnetz als Dresden

Zwar entwickele sich das Kredit-Geschäft prächtig. Die Effektivität des Privatkunden-Geschäfts müsse aber weiter überprüft werden. Im Schnitt kämen Kunden nur noch alle 18 Monate zu einem Kundengespräch. Stattdessen wachse die Nutzung der Online-Angebote stetig.

Den Kreisräten erklärte Hoof, dass der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge auch nach den beschlossenen Schließungen einiger Filialen mit nunmehr 28 Filialen immer noch mehr hat als etwa der Landkreis Bautzen (17). Auch Dresden habe angesichts der höheren Bevölkerungszahl mit 33 Filialen ein schlechteres Netz. Dort hätte man kein Verständnis, wenn man für die Sächsische Schweiz oder das Osterzgebirge anders entscheiden würde.

Die hiesige Sparkasse sei immer behutsam mit Reduzierungen umgegangen. So ist die Zahl der Beschäftigten seit 2009 von 2.400 auf jetzt rund 1.600 abgebaut worden. "Auch das haben wir ruhig und verantwortungsbewusst umgesetzt", erklärte Hoof.

Streit um Hohnsteiner Geldautomaten

Hohnsteins Bürgermeister, Daniel Brade (SPD), zugleich Kreisrat, kritisierte jedoch, wie die jüngsten Schließungen von der Sparkasse kommuniziert wurden. "Das stört mich. Es ist außerdem schade, dass Sie unser Angebot für den Geldautomaten nicht angenommen haben", sagte Brade an Hoof gerichtet. Die Stadt hatte angeboten, einen Automaten in der Tourist-Info zu integrieren und Kosten zu übernehmen.

Hoof erklärte, dass bei aller Entlastung weiter hohe Versicherungs- und Betriebskosten anfallen würden. "Ein Geldautomat rechnet sich erst ab einem Mindestabsatz von 80.000 Euro im Jahr", sagte er. Bei denen, die jetzt im Landkreis abgebaut werden, sei es aber nicht mal die Hälfte gewesen. Solche Informationen hätte sich Brade früher gewünscht.

Auch das Argument, dass man den Automat in Hohnstein für Touristen brauche, ließ Hoof nicht gelten. Es habe lediglich noch zehn "touristische Verfügungen" pro Monat gegeben. Seine Erfahrung sei, dass es für Gäste der Region heutzutage viel wichtiger ist, dass sie möglichst überall bargeldlos bezahlen könnten.

Bäcker und Fleischer schlagen Kooperation aus

Hoof verwies darauf, dass immer noch das Sparkassen-Mobil regelmäßig zahlreiche Standorte im Landkreis anfährt. "Das wird gut angenommen. Die Kunden sind dankbar dafür", sagte er. Die Sparkasse habe zudem versucht, mit Bäckern oder Fleischern eine Kooperation einzugehen. Wenn die zur gleichen Zeit mit mobilen Verkaufsständen vor Ort wären, hätte man eine Art Markt-Atmosphäre initiieren können.

Darauf seien Bäcker oder Fleischer aber nicht eingegangen. Für Hoof sei das nicht nur bedauerlich, dass die Sparkassenmobile weiter allein fahren. Das ist auch ein Beispiel dafür, dass in allen Branchen gilt, dass das Kundenverhalten entscheidet.

Trotz aller Einsicht in die Betriebswirtschaftlichkeit bat auch Stolpens Bürgermeister Uwe Steglich (FDP) im Kreisausschuss darum, wenigstens für Hohnstein die Entscheidung noch mal zu überdenken. Darauf ging Hoof aber nicht ein.

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