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Nach Abschiebung: "Wo ist unsere Freundin Lisa?"

Kinder und Erzieher der AWO-Kita Knirpsenland in Pirna setzen sich für die abgeschobene Familie Imerlishvili ein. Ihre Botschaft ist eindeutig.

Die Mädchen und Jungen der AWO-Kita Knirpsenland in Pirna-Sonnenstein möchten, dass ihre nach Tiflis abgeschobenen Spielfreunde wieder zurückkommen.
Die Mädchen und Jungen der AWO-Kita Knirpsenland in Pirna-Sonnenstein möchten, dass ihre nach Tiflis abgeschobenen Spielfreunde wieder zurückkommen. © privat

Vanessa ist traurig. "Nikolos fehlt mir", sagt die Fünfjährige. Sie überlegt einen Moment, dann fügt sie hinzu: "Ich habe am liebsten mit ihm immer Fangen und Verstecken gespielt." Wieder ein kurzes Schweigen. "Und ich konnte ihm zusehen, wie er Schach spielte. Das fand ich gut", sagt Vanessa. Auch der sechsjährige Abdullah vermisst seine zwei Spielkameraden, nämlich Nikolos und Gabriel. "Jetzt sind sie nicht mehr bei uns in dem Kindergarten. Das verstehe ich nicht. Ich hoffe, dass sie bald wieder kommen." Die drei sechsjährigen Mädchen Milena, Nele und Melina schließen sich diesem Wunsch an. "Wir möchten unsere Freunde wieder zurückhaben", sagen sie mit leiser Stimme.

Kita-Leiterin: Abschiebung ist völlig unverständlich

Die Freunde sind die sieben Kinder der vor Kurzem aus Pirna nach Tiflis abgeschobenen Familie Imerlishvili. Alle sieben Kinder besuchten die AWO-Kita Knirpsenland in Pirna-Sonnenstein, wo sie jetzt von ihren Spielkameraden vermisst werden.

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Kinder und Erzieher sind bestürzt über die Abschiebung. "Was macht das mit Kindern, wenn sie über Nacht von Menschen in Uniform aus dem Bett gerissen werden?", fragt Einrichtungsleiterin Ramona Fiebig, die immer noch entsetzt über das Vorgehen ist. "Für mich ist die Abschiebung völlig unverständlich. Ich denke, die Kinder, aber auch die Eltern, sind traumatisiert", sagt Fiebig.

Sorge um die nach Tiflis abgeschobenen Kinder

Über 3.000 Kilometer Entfernung liegen zwischen Pirna und der georgischen Hauptstadt Tiflis, wo die Familie Imerlishvili interimsmäßig untergekommen ist. Dennoch hält die Kita Knirpsenland Kontakt zu der Familie. Am 17. Juni war der dritte Geburtstag der jüngsten Tochter Lisa. "Wir haben im Kindergarten Luftballons aufgeblasen und darauf ,Alles Gute' geschrieben. Das Foto sandten wir dann den Eltern", berichtet Ramona Fiebig.

Sie selber habe aktuelle Bilder von den Kindern in Tiflis bekommen, die die Eltern geschickt hatten. "Das Gesicht von dem Sohn Gabriel war ganz anders und nicht mehr so voller Leben, wie wir ihn hier in Pirna erlebt haben", sagt die Erzieherin, die sich Sorgen macht.

Pirnaer Kita wendet sich an Behörden

Aber es bleibt nicht nur bei den Sorgen, sondern die Kita Knirpsenland handelt. Die Kinder haben jetzt Bilder und Plakate gemalt, auf denen sie nach ihren Freunden fragen. In einer Stellungnahme betont die Kita-Leitung, dass die Familie gut integriert war. "Wir betreuten die Kinder der Familie seit 2013 und können bezeugen, dass Herr und Frau Imerlishvili, sich innerhalb der Jahre gut integriert haben.

Insbesondere waren sie sehr bemüht, die deutsche Sprache zu lernen. Alle Kinder sprechen Deutsch, die älteste Tochter hat den Übergang aufs Gymnasium geschafft. Die Eltern engagierten sich immer in unserer Kita, kochten mit den Kindern und beteiligten sich am Kuchenbasar. Auch nahmen sie kontinuierlich an den verschiedenen Angeboten der Einrichtung teil", lautet es in dem Schreiben. Bilder und die Stellungnahme der Kita wurden jetzt an verschiedene Behörden geschickt, unter anderem an den Pirnaer Oberbürgermeister, Landrat und Landtag sowie an den Flüchtlingsrat. "Wir möchten, dass Familie Imerlishvili nach Deutschland zurückgeholt wird", betont Ramona Fiebig.

Nachbarn machen sich stark für Familie

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Familie Imerlishvili wurde in der Nacht zum 10. Juni unerwartet aus der Wohnung in Pirna geholt und vom Leipziger Flughafen aus nach Tiflis abgeschoben. Sie lebte seit über zehn Jahren in Deutschland und galt als gut integriert. Zahlreiche Hausbewohner und Nachbarn sind entsetzt. "Wir sind einfach nur fassungslos und können damit auch für die gesamte Hausgemeinschaft sprechen. Die Familie ist herzlich, entgegenkommend und hat sich in den Jahren, die sie hier wohnt, bestens integriert. Die Familie hat nichts verbrochen", betonen sie.

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