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SOE: Hier werden die meisten Kinder geboren

Wilsdruff und Heidenau liegen in der Statistik vorn, Bad Schandau und Glashütte hinten. Hat das etwas mit Familienfreundlichkeit zu tun?

Babyglück gibt es im Landkreis SOE immer seltener. Die Zahlen der Neugeborenen verteilen sich aber sehr ungleich auf die Orte.
Babyglück gibt es im Landkreis SOE immer seltener. Die Zahlen der Neugeborenen verteilen sich aber sehr ungleich auf die Orte. © Fabian Strauch/dpa (Symbolbild)

Das Krankenhaus zu zweit betreten und zu dritt verlassen - für viele Familien ein wunderbares, aber auch einschneidendes Erlebnis. Im Jahr 2019 haben in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt rund 780.000 Haushalte Zuwachs bekommen. Das sind rund 1,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Knapp 1.950 dieser Geburten entfielen laut dem Statistischen Landesamt Sachsen auf die Städte und Gemeinden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Die Zahl der Geburten ist aber sehr ungleich auf die 36 Städte und Gemeinden zwischen Altenberg und Sebnitz verteilt. Gibt es etwa mehr Nachwuchs in den Orten, die als familienfreundlich gelten? Sächsische.de versucht das mit dem Familienkompass in der Hand herauszufinden. Der Familienkompass 2020 eine gemeinsame Aktion der drei großen Tageszeitung in Sachsen, der Sächsischen Zeitung, der Freien Presse (Chemnitz) und der Leipziger Volkszeitung. An der großen Umfrage beteiligten sich fast 15.000 Menschen aus dem Freistaat - und vergaben für verschiedene Aspekte der Familienfreundlichkeit vor Ort Schulnoten von Eins bis Fünf. Der Landkreis erhielt eine Gesamtnote 2,9 und lag damit ziemlich genau im sächsischen Schnitt (2,8).

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Immer weniger Neugeborene im Landkreis

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge werden zunehmend weniger Kinder geboren. 2019 wurden rund 1.950 Neugeborene verzeichnet. Im Jahr davor waren es noch etwa 100 mehr. 2017 wurden sogar fast 2.100 Kinder geboren. Gleichzeitig befand sich die Bevölkerungszahl im Landkreis auf einem gleichbleibenden Niveau. Von 2017 bis 2019 waren hier rund 245.000 Menschen wohnhaft. Da die Sterbefälle nicht weniger werden, hält also der Landkreis seinen Stand vorerst dank Zuzug.

Aus der Statistik geht außerdem hervor, dass Frauen immer später Mutter werden. So lag das Durchschnittsalter der Frauen 2017 bei der Geburt noch bei rund 31,1 Jahren. Im Jahr darauf stieg der Durchschnitt auf 31,3 Jahre. 2019 erreichte das Durchschnittsalter einen Wert von 31,6 Jahren.

Die meisten Babys gibt es im Vergleich in Wilsdruff

Der Ort mit den meisten lebendgeborenen Babys ist Wilsdruff. Mit 143 Geburten im Jahr 2019 kommen dort auf 1.000 Einwohner im Schnitt Zehn Neugeborene. Im Gegensatz dazu belegt Wilsdruff im Familienkompass den letzten Platz - sachsenweit. Die 14.000-Einwohner Stadt erreicht lediglich eine Bewertung von 3,17. Und liegt damit deutlich hinter dem bei 2,93 liegenden Durchschnitt im Landkreis. Ein überraschendes Ergebnis mit Blick auf die Bemühungen des Rathauses um den Ausbau von Kitas und Schulen. Als einziger Ort weit und breit in den letzten Jahrzehnten hat Wilsdruff sogar ein eigenes Gymnasium bekommen. Und trotzdem: Viel Kritik erntet Wilsdruff im Bereich Kita-Qualität. Dort wurden vor allem die Förderung der Kinder, sowie das wenig abwechslungsreiche Nachmittagsprogramm bemängelt. 55 Prozent der Befragten beschwerten sich auch über zu hohe Elternbeiträge für die Betreuung. Auch in Puncto Schule gaben sich die Wilsdruffer unzufrieden. Die Klassen seien zu voll und das Schulessen eher schlecht.

Mit einem Gesamtwert von 3,17 schnitt Wilsdruff im Familienkompass ab. Die graue Zahl gibt den sachsenweiten durchschnitt an.
Mit einem Gesamtwert von 3,17 schnitt Wilsdruff im Familienkompass ab. Die graue Zahl gibt den sachsenweiten durchschnitt an. © Familienkompass Sachsen

Viele Kinder in Freital

Die zweitmeisten Geburten verzeichnete 2019 Dührrröhrsdorf-Dittersbach. Die Gemeinde, die etwa 4.200 Seelen zählt, bekam einen Zuwachs von 40 Neugeborenen. Damit kommen auf 1.000 Einwohner etwa 9,43 Neugeborene. Im Familienkompass findet sich Dührrröhrsdorf-Dittersbach auf dem 5. Platz. Für die Gemeinde spricht die Qualität der Schulen. Rund 67 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Kind gerne zur Schule geht.

Knapp dahinter befindet sich Heidenau. Auf rund 16.500 Einwohner kamen dort 156 Neugeborene. Das macht einen Schnitt von 9,4 Babys pro 1.000 Einwohner. Im Familienkompass belegt Heidenau mit einer Bewertung von 2,84 im Landkreis den dritten Platz. Aus Sicht der Einwohner spricht vor allem die gute ÖNVP-Anbindung und die Qualität der Kitas für ihre Heimatstadt.

Die meisten Neugeborenen überhaupt hat übrigens die Stadt Freital zu vermelden. Dort wurden im Jahr 2019 324 Kinder geboren. Auf die 39.700 Einwohner macht das rund 8,1 Neugeborene pro 1.000 Einwohner.

Verhältnismäßig wenige Kinder in Bad Schandau

Die wenigsten Kinder im Landkreis werden in Bad Schandau geboren. Auf die rund 3.600 Einwohner kamen im Jahr 2019 lediglich 17 Neugeborene. Das macht einen Schnitt von 4,7 Neugeborenen auf 1.000 Einwohner - obwohl die Stadt im Familienkompass mit einer Bewertung von 2,86 im Landkreis den vierten Platz belegen. Die Einwohner loben die geringe Entfernung zur Kita sowie das Engagement der Erzieher. 53 Prozent der Befragten geben zudem an, dass ihr Kind gut gefördert wird.

Die Einwohner Bad Schandaus bewerten ihren Wohnort mit der Note 2,86.
Die Einwohner Bad Schandaus bewerten ihren Wohnort mit der Note 2,86. © Familienkompass Sachsen

Die gleiche Anzahl an Kindern wurde in Lohmen geboren. Aufgrund der geringeren Einwohnerzahl von etwa 3.000, sind es aber rund 5,5 Neugeborene pro 1.000 Einwohner. Im Familienkompass bewegt sich die Gemeinde mit einer Bewertung von 3,0 auf den hinteren Plätzen. Die Befragten stören sich vor allem an der aus ihrer Sicht zu geringen Schulvielfalt. Auch wurde von einem Drittel der Befragten bemängelt, dass die Gemeinde wenig für Familien tun würde.

Ähnlich wenige Neugeborene verzeichnet Glashütte. In der 6.700 Einwohner Stadt wurden 2019 38 Kinder geboren. Auf 1.000 Einwohner kommen damit 5,7 Neugeborene. Mit einer Bewertung von 2,9 bewegt sich Glashütte genau im Mittelfeld im Landkreis. Positiv stechen laut der Umfrage bezahlbare Elternbeiträge bei der Betreuung hervor. Weniger positiv wurden unter anderem die Möglichkeiten bei der Freizeitgestaltung bewertet.

Fazit: Mit Familienfreundlichkeit - zumindest wie sie beim Familienkompass ermittelt wurde - hat die Fruchtbarkeitsrate einer Stadt oder Gemeinde nicht unbedingt zu tun. Es fällt dagegen auf, dass tendenziell eher Orte vorne liegen, die nicht weit weg von Dresden liegen. Sprich: Der Speckgürtel profitiert vom Zuzug junger Familien, die Kinder bekommen. Offensichtlich entspricht aber die Infrastruktur nicht immer den Vorstellungen der Zuzügler.

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