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Hausen wie die Vandalen

In mehreren Städten im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nehmen die Schäden zu. Die Kosten tragen alle. Man kann gegen die Exzesse etwas tun.

Im Mai haben Vandalen im Goethe Park in Bad Gottleuba eine Statue vom Sockel gestürzt. Dabei ging die Figur teilweise kaputt.
Im Mai haben Vandalen im Goethe Park in Bad Gottleuba eine Statue vom Sockel gestürzt. Dabei ging die Figur teilweise kaputt. © Marko Förster

Vandalen stoßen eine Sandsteinfigur im Goethe-Park in Bad Gottleuba von ihrem Sockel. Im Freitaler Freibad Windi klettern Unbekannte über den Zaun, werfen Tische ins Wasser und treten Laternen aus ihrer Verankerung. An der Turnhalle der Oberschule Am Knöchel in Sebnitz prangen schwarze Schriftzeichen, ebenso an zwei Verkaufskiosken im Waldbad Polenz.

"Diese Zerstörungswut macht wütend", sagt Waldbad-Betreiber Bernd Mutscher. Nichts habe mehr Ruhe. Er hatte gehofft, dass es die Sprayer im Nachhinein doch bereuen und sich bei ihm melden oder eben selbst ihre Schriftzüge entfernen. Nichts. "Nur noch Vollidioten unterwegs", sagt der Badbetreiber.

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Vor allem an unbewohnten Gebäuden verewigen sich so Unbekannte, zerstören Fenster und Türen. Vermutet wird, dass manche der Suche nach etwas Verwertbarem wie Buntmetall sind. Auch das ist Vandalismus. Besorgniserregend sind auch jene Schäden an öffentlichen Einrichtungen. So wird zum Beispiel in Stolpen regelmäßig die Stromtankstelle am Parkplatz Bischofswerdaer Straße zerstört ebenso wie eine Bankanlage unterhalb der Burg. Von den verunstalteten Buswartehäusern ganz zu schweigen. In Neustadt werden die Pflanzen aus den Blumenkübeln am Markt oder auch der Weihnachtsschmuck geklaut. In Pirna sind vor allem Baustellen das Ziel von Vandalen. So zerstörten Unbekannte zum Beispiel Technik an Baufahrzeugen, die derzeit an Pirnas Südumfahrung im Einsatz sind. In Freital müssen vor allem Spielplätze dran glauben.

Für die Behebung der Schäden müssen jährlich mehrere Tausend Euro in den Gemeinde- und Stadtkassen eingeplant werden. Geld, das anderswo fehlt und letztlich jeder einzelne Bewohner mit bezahlen muss.

Während die Städte im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge über zunehmenden Vandalismus klagen, ist das für die Polizei kein Schwerpunkt. Vandalismus werde in der Kriminalstatistik nicht separat erfasst, heißt es. Diese Delikte fallen in der Regel unter die Kategorie der Sachbeschädigungen. "Eine Recherche ist daher nicht möglich. Nach einer Auskunft der drei Reviere im Landkreis stellt Vandalismus derzeit kein Schwerpunkt dar. Insbesondere lässt sich das vergangene Jahr schlecht vergleichen, da pandemiebedingt sehr unterschiedliche Voraussetzungen vorlagen", sagt Polizeisprecher Stefan Grohme.

Täter würden in der Regel dann bekannt, wenn bei der Polizei entsprechende Zeugenhinweise eingehen. Auf jeden Fall empfiehlt die Polizei eine Anzeige bei entsprechenden Delikten. Zum einen könne man dann ermitteln. Zum anderen ließen sich Schwerpunkte und Entwicklungen nur erkennen, wenn die Sachverhalte bekannt werden. Paradox ist allerdings, dass die betroffenen Städte ihre Schäden regelmäßig melden, Ermittlungserfolge sich jedoch kaum einstellen.

Pirna: Farbeimer im Brunnen

Die Stadt Pirna verzeichnet die hauptsächlichen Beschädigungen durch Schmierereien und durch Vandalismus an Abfallbehältern. Besonders beliebt scheint hier die Stadtbrücke. Auch ein in einen Brunnen gekippter Farbeimer war in diesem Jahr schon dabei. Das Wasser musste danach abgelassen und der Brunnen gesäubert werden. "Die Stadt Pirna erstattet in allen Fällen Anzeige gegen unbekannt. Bis jetzt wurde jedoch noch nie ein Täter ermittelt", sagt Pressesprecher Thomas Gockel. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Stadt Pirna eine Schadenssumme von etwa 4.000 Euro, 2021 waren es bis jetzt schon 3.000 Euro.

Freital: Vandalen wüten auf Spielplätzen

Im Stadtgebiet von Freital zeichnet sich bei Vandalismusschäden seit 2017 ein allgemein steigender Trend ab. Die Schadensbeseitigung wird dort unter Sondereinsätzen in der Statistik geführt. Das sind Einsätze, bei denen eine Firma mit der Beseitigung beauftragt werden muss. Trauriger Rekord war das Jahr 2020 mit einem Anstieg um 125 Prozent der Delikte. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn Schäden, die durch Straßenmeistereien oder andere Kooperationspartner beseitigt werden, kommen in der Statistik gar nicht vor.

Doch auch so ist die Liste schon lang genug. "Die Schäden sind mannigfaltig und reichen von einfachen Aufklebern über Graffiti bis hin zur Zerstörung und Entwendung von Objekten", sagt Pressesprecher Matthias Weigel.

Im Waldbad Polenz wurden zwei Verkaufsstände beschmiert.
Im Waldbad Polenz wurden zwei Verkaufsstände beschmiert. © privat
In Stolpen wurde die Stromtankstelle schon mehrere Male zerstört.
In Stolpen wurde die Stromtankstelle schon mehrere Male zerstört. © Steffen Unger
Vandalismus im Freibad "Windi" in Freital. Unbekannte haben die Beleuchtungsanlage zerstört.
Vandalismus im Freibad "Windi" in Freital. Unbekannte haben die Beleuchtungsanlage zerstört. © Technische Werke Freital

Beispiele kann er genügend aufzählen. Auf das Konto der Vandalen im Freitaler Stadtgebiet gehen: zerstörte Papierkörbe und Bänke, zerschnittene Sonnensegel, abgetretene Bretter an Spielplätzen, verbogene und entwendete Zaunfelder, verknotete Ketten an der Laufkatze einer Seilbahn, zerstörte Tischtennisplatten und Rutschen, beschmierte und zerstörte Buswartehäuser und noch anderes mehr. "Ein flächendeckendes Problem sind inzwischen zerstörte Glasflaschen, die mühselig zu beseitigen sind und ein hohes Unfallrisiko darstellen", sagt Matthias Weigel. Aus seiner Sicht wäre auch mehr Zivilcourage zur Verhinderung oder Verfolgung von Vandalismus wünschenswert.

Sebnitz: Schäden in Höhe von 45.000 Euro

Ähnlich hoch ist die Zerstörungsbilanz in der Stadt Sebnitz. Das Spektrum umfasst unter anderem Sachbeschädigungen wie mutwillige Zerstörung an Gebäuden, Verkehrsschildern, Bänken, Bäumen und Pflanzen; Schmierereien an städtischen Anlagen zum Teil auch mit verfassungsfeindlichen Symbolen bis hin zu Brandstiftung und Diebstahl. Überhand genommen hätten aber auch andere Straftaten, wie zum Beispiel der Missbrauch von Notrufen, versuchter Einbruch, Beleidigungen, das Verursachen von Lärm oder Alkoholmissbrauch. Dazu kommt ein Müllproblem.

Im Gegensatz zu anderen Städten konnten in Sebnitz mithilfe der Polizei wohl einige Täter ermittelt werden. Konkrete Angaben über die entstandenen Schäden liegen ebenfalls vor. "Allein in den vergangenen zweieinhalb Jahren sind Schäden in Höhe von 45.000 Euro aufgelaufen, Kosten, die letztlich oft dem Steuerzahler auferlegt werden", sagt Pressesprecherin Kerstin Nicklisch.

Dippoldiswalde: Einwohner weniger aggressiv

Ganz anders ist die Situation offenbar in Dippoldiswalde. Hier kam es in den vergangenen Jahren zu Vandalismus-Schäden lediglich im Bereich des Busbahnhofes. "Neue oder umfangreiche Schäden konnten in den vergangenen Wochen und Monaten nicht festgestellt werden", sagt Linda Knetsch, die Büroleiterin der Oberbürgermeisterin. Allenfalls kommt es an den Außenanlagen von Schulen zu Beschädigungen. Die Täter konnten dabei meist ermittelt werden.

Das kann man dagegen tun

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Vandalismus ist kein neues Phänomen. Nur nimmt er in einigen Städten offenbar immer mehr zu. Die Täter, die meist nicht geschnappt werden, werden zumeist im Kinder- und Jugendalter vermutet. Mit dem Thema haben sich schon viele Experten befasst. Das raten sie:

  • Attraktive Freizeitaktivitäten und Räumlichkeiten für Kinder und Jugendliche schaffen;
  • Aktive Beteiligung der Bevölkerung gegen Vandalismus;
  • Aufmerksam machen mit breit angelegten Kampagnen;
  • Infoabende und Aufklärung an Schulen.

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