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Pläne für die ehemalige Kinderkrippe

Das Gebäude an der Lauchhammerstraße in Riesa verfällt immer weiter. Doch der Eigentümer prüft bereits verschiedene Konzepte.

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke

Riesa. Grau und verfallen wirkt das Haus an der Lauchhammerstraße. Es ist das letzte Gebäude auf der rechten Seite, bevor es über die Hafenbrücke in Richtung Strehla geht. Inzwischen sorgt eine Gerüstkonstruktion auf dem Gehweg dafür, dass herunterfallendes Baumaterial niemanden gefährdet. Das Haus hat schon bessere Zeiten gesehen. Viele Gröbaer werden das wissen – und Kindheitserinnerungen mit dem Gebäude verknüpfen. Daher ist das Haus auch zum „Stadtteilgespräch“ geworden. Was wird mit damit? Wem gehört es?

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Ein historisches Foto zeigt das Haus im Jahr 1934 – damals war es noch Unternehmervilla.
Ein historisches Foto zeigt das Haus im Jahr 1934 – damals war es noch Unternehmervilla. © Stadtmuseum

Eigentümer sind die Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe, kurz SBO. Im Jahr 2004 hat der Hafenbetreiber das Gebäude an der Lauchhammerstraße von der Stadt Riesa gekauft. Auf die Frage hin, welche Pläne es für das Haus gibt, antwortet SBO-Sprecherin Mandy Hofmann: „Es werden derzeit verschiedene Nutzungskonzepte geprüft.“ Ob auch ein Abriss in Erwägung gezogen wird, wollte sie weder dementieren noch bestätigen. Zu den Details wolle sich die Geschäftsführung noch nicht äußern, so Hofmann.

Diesen Angaben zufolge scheint doch etwas in Bewegung gekommen zu sein. Womöglich bindet der Hafenbetreiber das Gebäude in seine geplante Betriebserweiterung ein – oder benötigt schlicht die Fläche. Häuser, die früher zwischen besagtem Gebäude und der Hafenbrücke standen (siehe historisches Fotos von 1934), sind bereits verschwunden.

Gebaut wurde das Haus als Villa des Unternehmers Schäfer. Die Firma Schäfer war laut Stadtmuseum Riesa ein Speditionsunternehmen. Museumsmitarbeiter Volker Thomas liegen etliche Angaben über das Gebäude vor: Nach dem Krieg, im Jahr 1949, wurde in dem Haus ein sogenanntes Dauerheim für Säuglinge und Kleinkinder eingerichtet – insgesamt 56 Kinder besuchten es damals. Die Einrichtung war dem Land Sachsen unterstellt. 1950 waren in der Einrichtung dann Kinder vom Babyalter bis zum zweiten Schuljahr untergebracht, oftmals von alleinerziehenden Müttern, die außerhalb von Riesa arbeiteten. Anschließend wurde in dem Gebäude eine Wochenkrippe eingerichtet, die bis 1965 bestand. Danach befand sich in dem Gebäude eine Tageskrippe. Der Träger war das Krankenhaus Riesa, später die Vereinigte Krippenverwaltung der Stadt Riesa. Im Jahr 1982 wurde die Einrichtung noch mal durch einen Anbau um 26 Plätze erweitert. Zur Wende besuchten schließlich rund 90 Kinder den Kindergarten, und der Gartenbereich wurde erweitert.

Medizinisch wurde die Einrichtung nach Informationen des Stadtmuseums von Herrn und Frau Dr. Haberland betreut. Danach von Dr. Siebert, später von Dipl.- Med. Ebert.

Bis 2001 Klub der Volkssolidarität

Als Personal arbeiteten zeitweise Erzieherinnen und Kinderkrankenschwestern in dem Gebäude. Es gab eine eigene Küche mit Köchin, Beiköchin und zwei Küchenhilfen sowie drei Reinigungskräfte.

Bis 1992 gingen also täglich Kinder in dem Gebäude ein uns aus. Doch es wurde auch danach noch genutzt: Von 1994 bis 2001 befand sich in der zweiten Etage der Klub der Volkssolidarität.