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Planenschlitzer auf der Anklagebank

Fünf Polen haben bundesweit Waren von Lkw gestohlen – auch in Roßwein. In Chemnitz wird ihnen der Prozess gemacht.

© Harry Haertel

Von Tina Soltysiak

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Chemnitz/Roßwein. Fünf Polen müssen sich seit Dienstag vor dem Landgericht Chemnitz wegen schweren Bandendiebstahls verantworten. Den vier Männern und einer Frau wird vorgeworfen, in der Zeit zwischen Februar 2016 und Mai 2017 die Waren von mehr als 35 Lastwagen, die an Raststätten entlang der Autobahnen 14, 38, 72, 10 und 13 abgestellt waren, entwendet zu haben. Von Kaffee, über Babywindeln und Star-Wars-Figuren bis hin zu Reifen – sie haben alles gestohlen, was sich zu Geld machen ließ. Das Diebesgut hat einen Gesamtwert von einigen Hunderttausend Euro.

Die Männer sollen dabei die Lastwagen ausgekundschaftet haben. Sobald sie wussten, was die Lkw geladen hatten, haben die Männer, so steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Chemnitz, die Frau kontaktiert, ob sich die Ladung verkaufen lässt. Die 22-Jährige soll sich um den Vertrieb gekümmert haben. Die Bande agierte deutschlandweit. Im Januar 2017 entwendete sie von einem polnischen Laster, der am A14-Rastplatz Hansens Holz bei Roßwein abgestellt war, zehn Solarmodule im Wert von rund 2 000 Euro.

Die Polizei war den fünf Angeklagten dabei schon länger auf der Spur, wie Staatsanwältin Schubert auf DA-Nachfrage sagte. Die Männer wurden am 19. Mai 2017 auf frischer Tat gestellt, als sie im brandenburgischen Brieselang Kaffee von einem Sattelauflieger stehlen wollten. Seit dem 20. Mai sitzen sie in verschiedenen sächsischen Gefängnissen in Untersuchungshaft. Die Frau wurde am 9. Juni 2017 festgenommen, sitzt seitdem in Chemnitz in U-Haft.

Vor dem Gericht liegt ein langer Prozess. Es sind 14 Fortsetzungstermine angesetzt. Ein Urteil wird nicht vor April erwartet. Aufgrund dessen wurden jedem der fünf Angeklagten zwei Pflichtverteidiger zur Seite gestellt. 124 Zeugen sollen gehört werden. Darunter werden Polizisten sowie Lastwagenfahrer sein, die bemerkt haben, wie sich die Männer an den Fahrzeugen zu schaffen machten.

Sven Fritzsche vom Kraftfahrerkreis Chemnitz-Zwickau saß im Zuschauerraum und verfolgte das Verfahren. „Wir sind ein Zusammenschluss von Berufskraftfahrern und treffen uns vier Mal im Jahr. Ziel ist, das Ansehen unseres Berufes ins rechte Licht zu rücken. Und wir möchten den Kollegen Wissen über ihre Rechte vermitteln“, sagte er. Der 47-Jährige arbeitet für eine Zwickauer Spedition. „Da gibt es die Empfehlung, dass sich Fahrer, die mitbekommen, dass sich Diebe an der Ladung zu schaffen machen, nicht in Gefahr bringen sollen. Lieber im Führerhaus einschließen, die Polizei rufen und abwarten. Es gab auch Vorfälle, da haben Diebe Betäubungsgas eingeleitet“, schilderte er in einer der zahlreichen Verhandlungsunterbrechungen.

Organisiertes Vorgehen

Das organisierte Vorgehen der fünf Angeklagten überraschte ihn nicht. „Die wissen zum Teil ganz genau, welcher Laster was geladen hat.“ Auch die Plane seines Lasters sei bereits aufgeschlitzt worden. „Geklaut wurde aber Gott sei Dank nichts.“ In Sachsen gebe es zwei weitere solcher Kraftfahrerkreise, die von der Gewerkschaft Verdi unterstützt werden: Großenhain-Dresden und Halle-Leipzig. Zu welchem Kreis sich die Fahrer aus dem Raum Döbeln zugehörig fühlen, konnte er aus dem Stegreif nicht sagen.

Die Angeklagten wollten sich zu den Tatvorwürfen nicht äußern. Kopf der Bande sollen laut Staatsanwaltschaft der 41-Jährige und die 22-Jährige sein. Auf ihr Konto gehen die meisten Beutezüge. Der Angeklagte war immer mit Komplizen unterwegs, darunter dem 40 Jahre alten Bruder der Angeklagten. Die Frau agierte von Polen aus im Hintergrund.

Spätestens seit dem 20. April 2017 sollen sich der 23-jährige und der 42-jährige Angeklagte an den Diebstählen beteiligt haben. Zuletzt reisten sie regelmäßig über den Grenzübergang Frankfurt/Oder nach Deutschland ein, steuerten verschiedene Rastplätze und Industriegebiete unter anderem in Sachsen und Brandenburg an, klauten die Waren und verließen die BRD über den Grenzübergang in Sebnitz. Der Prozess wird am Dienstag, 6. März, fortgesetzt.