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Platz da!

Mit dem Flur fängt das Wohnen an. Klug durchdachte Einbaumodule vereinen Empfang, Wohnküche und Garderobe in einem Raum.

Eichenholz und weiße Schieberfronten sorgen für den optischen Zusammenhalt. Die konisch zulaufende Form nutzt den Platz aus und harmonisiert die Treppen nach oben und in den Keller.
Eichenholz und weiße Schieberfronten sorgen für den optischen Zusammenhalt. Die konisch zulaufende Form nutzt den Platz aus und harmonisiert die Treppen nach oben und in den Keller. © Bild: René Jungnickel

Die neuen Besitzer hatten das alte Haus im Erdgeschoss von allen Wänden befreit. Übrig blieb ein Raum, in dem sich alles abspielen sollte: ankommen, Jacken ablegen, kochen, essen, arbeiten, spielen, den Kaminofen heizen, in den Keller gehen, auf die Terrasse treten, ins Obergeschoss verschwinden. Der Platz war da. Was fehlte, waren Wände, um Schränke dran zu stellen. 

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Reibungspunkte vermeiden

Markus Prodehl ist Architekt – und Einbaumodule sind für ihn die logische Fortsetzung beim Entwurf eines Hauses. Es geht zwar um andere Materialien, doch die Konstruktion ragt ebenfalls dreidimensional in den Raum, folgt den Gesetzen der Statik und soll gut aussehen: „Wenn alle denken, dass so ein Einbau schon immer da war, erfüllt er seinen Zweck am besten.“ Im Idealfall hat er das Haus bereits projektiert und die Winkel und Nischen schon in Richtung Einbau weitergedacht. Im Fall des entkernten Erdgeschosses nutzte der Dresdner die Wand, die um den Kaminschornstein herum stehen blieb, um Stauraum zu schaffen. „Vorher habe ich mir angeschaut, wie die Proportionen des Raums sind, wo das Licht einfällt und wo die Hauptlaufzonen liegen“, sagt er. Mit seinen Auftraggebern einigte er sich auf kreuzverleimte Multiplex-Platten für die Fronten. Sie ermöglichen einen schmalen Querschnitt bei viel Festigkeit und sind mit einem abriebfesten, UV-beständigen Kunstharz beschichtet. Die oberen Schranktüren lassen sich mittels Antippen öffnen. Unten könnten die Hausbewohner sie öfter im Vorbeigehen anstoßen. Die Tip-on-Technik wäre also ebenso fehl am Platz wie Griffe: „Das sind immer wieder Reibungspunkte.“

"Ich überlege eher, was dem Ort gut tut"

In Zusammenarbeit mit der Dresdner Tischlerei Echtma fräste Prodehl die Griffmulden ein und hinterlegte sie mit gekantetem Kupferblech. Die offenen Abstellflächen sind in Eichenvollholz ausgeführt, so dass sie bei zu starken Gebrauchsspuren nachbearbeitet werden können. Handskizzen fertigt Markus Prodehl schon während der ersten Ortsbegehung. Später visualisiert er die Situation am Computer in 3D: „So lässt sich jede Ecke kontrollieren.“ Besonders wichtig wurde diese 3D-Sicht bei einem anderen Projekt mit komplizierter Statik: Eine Küchenfront sollte unter einer Treppe Platz finden. Die Raumabmaße machten einen zu steilen Anstiegswinkel nötig, und auf dem Küchenunterbau konnte die Treppe nicht lasten. „Als Architekt versuche ich mich am Beginn meiner Arbeit nicht zu sehr den Zwängen des Materials zu widmen, sondern überlege eher, was dem Ort gut tut“, sagt Prodehl. Die Treppe entwickelte er als im Treppenauge abgehängte Faltwerktreppe aus Eiche. So ließ sich der komplette Raum darunter ausreizen. Den steilen Anstieg milderte er mit einem dunkleren Podest aus Thermobuche ab. Hinter der flächenbündigen rot-schwarzen Front aus brünierten Schwarzblech und Kunstharzbeschichteten Platten verbergen sich Schubläden, vertikale Auszüge, Kühlschrank und Backofen. „Meine Einbauten sollen das Leben der Bewohner begleiten“, sagt Prodehl. Auch das eine Frage der Nachhaltigkeit – und der Architektenehre. sik

https://www.echtma-tischler.de/ 

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