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Platz für Bautzens neue Grundschule gefunden

Eine Untersuchung zeigt, dass die Perfecta-Brache beste Bedingungen bietet. Mit der Entscheidung könnte die Stadt gleich zwei Probleme lösen.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

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Bautzen. Gras, Unkraut, Schotterwege: Um das mit Maschendraht umzäunte Gelände der Perfecta-Brache ist es in den vergangenen Jahren ruhig geworden. Doch nun rückt die bekannte Bautzener Brachfläche erneut ins Blickfeld. Seit Monaten sucht die Stadt nach einem Platz für eine neue Grundschule. 14 verschiedene Standorte im Stadtgebiet hat sich die Verwaltung angesehen. Doch eigentlich kommt nur das freie Areal an der Jordanstraße infrage.

Platz für Wohnhäuser oder eine Blumenwiese? Für die Perfecta-Brache an der Jordanstraße in Bautzen gab es in den vergangenen Jahren schon viele Ideen. Doch nun hat die Stadt das Areal als Standort für eine Grundschule ins Auge gefasst.
Platz für Wohnhäuser oder eine Blumenwiese? Für die Perfecta-Brache an der Jordanstraße in Bautzen gab es in den vergangenen Jahren schon viele Ideen. Doch nun hat die Stadt das Areal als Standort für eine Grundschule ins Auge gefasst.

Gelände der Brache ist bestens geeignet

Warum das so ist, weiß Holger Sieg. Der Projektarchitekt von der Firma Bauplanung Bautzen hat sich im Auftrag der Stadt die drei Favoriten angesehen. Bei der Brache an der Jordanstraße kommt er zu dem Urteil: „Das Gelände ist vollumfänglich geeignet, um der gestellten Aufgabe gerecht zu werden.“ Zunächst hat er ermittelt, ob die Brache überhaupt groß genug ist. Das Ergebnis ist eindeutig. Das freie Gelände ist sogar so riesig, dass nach dem Bau der Schule noch eine Fläche übrig bleibt. Ein weiterer Vorteil: Weil der Stadt das Areal gehört, fällt auch kein Kaufpreis an.

Und noch ein Faktor ist entscheidend. Der Architekt hat bei der Perfecta-Brache den Boden untersucht. Jetzt weiß er, dass der Untergrund bei den Bauarbeiten keine Probleme machen wird. Anders ist es auf dem Areal an der Schlachthofstraße. Das stand ebenfalls als Standort auf der Wunschliste der Stadt. „Diese Fläche ist allerdings nicht frei von Altlasten und Schadstoffen“, erklärt Holger Sieg. Dabei gelten bei dem Bau einer Schule besonders strenge Regeln. Die Schadstoffe müssten in jedem Fall beseitigt werden. Das wiederum treibt nicht nur die Kosten in die Höhe. Auch die Bauzeit verlängert sich dadurch.

Ein noch vernichtenderes Urteil fällt Holger Sieg für den dritten Favoriten der Stadt: den Standort an der Löbauer Straße. Finanzbürgermeister Robert Böhmer hatte das Gebäude ins Gespräch gebracht. Man könne es kostengünstig und schnell sanieren, argumentierte er. Der Architekt sieht das anders. Das Haus, das aktuell noch dem Landkreis gehört, steht unter Denkmalschutz. Das allein ist aber noch kein K.-o.-Kriterium. Problematisch ist vielmehr, dass die gewünschte Zahl der Klassenzimmer gar nicht im Gebäude unterkommt.

Das heißt, die Stadt müsste noch einen Anbau planen. Zwar gibt es eine freie Fläche auf dem Grundstück, die bebaut werden könnte. „Doch weil sich ein Steinbruch unter dem Areal befindet, wäre eine Bebauung schwierig“, erklärt Holger Sieg und zählt noch einmal die Zahlen auf. Bei der Perfecta-Brache rechnet er mit einer Investition in Höhe von 19 Millionen Euro. So viel würde auch die Sanierung des Gebäudes an der Löbauer Straße kosten, wobei diese Summe aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse noch steigen könne. 22 Millionen müsste man bei dem Gelände an der Schlachthofstraße einplanen.

Gemischte Gefühle bei Architekten-Entscheidung

Die Empfehlung des Architekten löst bei Bautzens Oberbürgermeister gemischte Gefühle aus. Zwar ist die Sache für Alexander Ahrens (SPD) damit ziemlich klar, doch er bedauert auch: „Die Perfecta-Brache wäre auch als Wohnstandort hervorragend geeignet gewesen.“ Eine Meinung, die auch Steffen Tech teilt, der für das Bautzener Bürgerbündnis im Stadtrat sitzt. Bei allen anderen Stadträten kommt der Vorschlag hingegen sehr gut an. CDU-Stadtrat Karsten Vogt lobt die Lage. In diesem Bereich der Stadt gäbe es noch keine Grundschule, argumentiert er. Auch Mike Hauschild (FDP) ist sich sicher, dass der zentral gelegene Standort bei den Eltern gut ankommt. Für SPD-Stadtrat Roland Fleischer ist die Perfecta-Brache eine gute Wahl, weil sich in der Gegend schon mehrere Kitas befinden und das Gelände gut mit Bus und Bahn erreichbar ist.

Die Stadt benötigt eine weitere Grundschule, weil es immer mehr Schüler gibt. Obwohl die Zahl junger Frauen in Bautzen langsam sinkt, liegen die Geburtenzahlen auf einem hohen Niveau. Erst im vergangenen Jahr kamen 376 kleine Bautzener zur Welt. 2016 zählte die Stadt sogar 432 Neugeborene. Eine Entwicklung mit Konsequenzen: In den vier städtischen Grundschulen geht es schon jetzt eng zu. Thomas Groß, Bautzens Amtsleiter für Bildung und Soziales, wünscht sich deshalb ein neues Gebäude mit Turnhalle und Hort, das Platz für etwa 330 Schüler bietet.

Bis die Schule steht, dauert es noch Jahre

Und wie geht es jetzt weiter? Nach der Sommerpause müssen die Stadträte den Standort beschließen. Danach kann die Stadt Bautzen zum Beispiel einen Architekten-Wettbewerb ausloben. Bis die Schule aber tatsächlich steht, werden noch einige Jahre vergehen. Ohnehin muss noch eine wichtige Frage geklärt werden.

Der mehr als eine Million teure Abriss der ehemaligen Gießerei samt Entsorgung der Altlasten wurde 2010 durch EU-Gelder gefördert. An der Förderung hing jedoch eine Bedingung: Bis 2023 darf die Fläche nicht neu bebaut werden – sonst muss Bautzen Geld zurückzahlen. Die Stadt prüft nun, welche Ausnahmeregeln es für die Errichtung von Schulen gibt.