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Platz für den Notfall

Für zwei Millionen Euro wird die Zufahrt zur Felsenbühne verbreitert. Die Baustelle liegt in der Kernzone des Nationalparks.

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© Kristin Richter

Von Gunnar Klehm

Kurort Rathen. Es ist eine der spektakulärsten Baumaßnahmen überhaupt, die jetzt in Kurort Rathen umgesetzt wird. Fast vier Jahre lang wurde daran geplant, verhandelt, wieder verworfen und neu entwickelt. Nun rollen zwischen Kassenhäuschen und Felsenbühne die Baufahrzeuge. Für knapp zwei Millionen Euro lassen die Landesbühnen Sachsen – die die Felsenbühne bespielen – den einzigen Zugangsweg verbreitern. „Das ist eine technische Maßnahme zur Verbesserung der Sicherheit“, sagt Andreas Gärtner, der seit 26 Jahren auf der Felsenbühne arbeitet. Es solle ja nicht erst was passieren, bevor man aktiv wird, erklärt der Veranstaltungsmanager.

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Polier Jens Peschke steht in dem feinen Sand, der den Bauplanern zu schaffen macht.
Polier Jens Peschke steht in dem feinen Sand, der den Bauplanern zu schaffen macht. © Kristin Richter

Wie der Bau abläuft

Gefahrensituation bei Evakuierung

Die schmale Zufahrt hat schon immer besondere Maßnahmen erfordert. Nur kleine Transportfahrzeuge können eingesetzt werden. Sind Fußgänger auf dem etwa 500 Meter langen Weg vom Amselgrund zur Felsenbühne unterwegs, kommt kein Fahrzeug vorbei. Bei einer eventuellen Evakuierung der Bühne mit vielen Menschen oder bei einem Rettungseinsatz unmittelbar nach Ende einer Veranstaltung, wenn alle Zuschauer gleichzeitig gen Tal strömen, könnte das verheerende Folgen haben. „Rettungswagen werden auch immer breiter, da müssen wir reagieren“, sagt Gärtner.

Bauen in Kernzone des Nationalparks

Die Situation ist seit Längerem bekannt, es gibt sogar Gutachten dazu. Doch der Weg verläuft durch die Kernzone des Nationalparks und der Baugrund ist alles andere als ideal. Deshalb ist das Bauvorhaben teuer, langwierig und kompliziert. Seit 2012 wird an der Wegverbreiterung geplant. Schließlich hat die Landesdirektion den Bau genehmigt. In der Kernzone des Nationalparks ist das in der Regel nur als Verkehrssicherungsmaßnahme erlaubt. So musste das Vorhaben auf die sicherheitsrelevanten Maßnahmen mit dem geringstmöglichen Eingriff in die Natur reduziert werden.

Baugrund ist in Bewegung

Das ist gar nicht so einfach, denn der Hang ist eine Mischung aus feinem Sand und Lehmanteilen. „Bei größerer Feuchte ist das ein rutschiges Gemisch“, erklärt Birgit Schüler, die das Bau- und Gebäudemanagement bei den Landesbühnen leitet. Deshalb musste an der neuen Ausweichstelle, die auch Standort für Rettungsfahrzeuge sein soll, Spritzbeton als Hangsicherung aufgebracht werden. Später werden noch Gabionen mit Sandstein davorgesetzt.

Neue Datenleitung bis Radebeul

Weil ein Eingriff in den Hang so aufwendig ist, wurde entschieden, den Weg mit einer kleinen Auskragung auf der Talseite zu verbreitern. Dazu wird ein Betonbalken den Weg stützen. Ein angenehmer Nebeneffekt dieser Bautechnologie ist, dass hinter dem Bauteil Leerrohre für zusätzliche Medien verlegt werden können. Das ist zum Beispiel eine Datenleitung, die die Felsenbühne mit dem Stammhaus in Radebeul vernetzt. So könnten Techniker in Rathen auf große Datenmengen zugreifen, die auf ihren Rechnern in Radebeul liegen. Außerdem wird eine neue Löschwasserleitung verlegt, die einen größeren Querschnitt hat als die, die jetzt im Weg verbaut ist.

Sicherer Abgang nach Dracula

Um die Sicherheit zu verbessern, werden kleine Lautsprecher für Notfalldurchsagen auf dem Weg angebracht. Selbst die Erneuerung der Beleuchtung erforderte einen erhöhten Aufwand. Für die ausgewählte Variante war eine naturschutzrechtliche Genehmigung erforderlich, um den Einfluss der Lichtquellen auf Insekten in der Kernzone des Nationalparks so gering wie möglich zu halten. Aus Sicherheitsgründen kann auf eine Beleuchtung aber nicht verzichtet werden, weil Spätvorstellungen wie etwa „Dracula“ weiter möglich sein sollen.

Bauarbeiten dauern bis 2018

Das Bauprojekt ist so komplex, dass es nicht in einem Ritt zu schaffen ist, ohne die Bespielbarkeit der Bühne zu beeinflussen. Deshalb sind zwei Bauabschnitte von etwa 250 Metern geplant. Ob das jeweilige Ziel planmäßig erreicht werden kann, hängt auch von der Witterung ab. Bei starkem Frost kann nicht gearbeitet werden. Zudem kann nicht bis zum Tag der ersten Vorstellung im Frühjahr gebaut werden, weil schon vor dem Termin die Zufahrt für die Vorbereitung und den Aufbau der Bühne benötigt wird. Voraussichtlich im April werden die Arbeiten dann unterbrochen und im Herbst 2017 fortgeführt. Im Frühjahr 2018 wäre der Weg dann fertig, wenn alles planmäßig verläuft und das Wetter mitspielt.

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