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Platz für neue Brauerei

Der Getränkehandel Mierisch zieht bald in einen Neubau. Im Altbau entsteht ein Sudhaus und mehr.

© Andreas Weihs

Von Verena Schulenburg

Freital. Alle warten gespannt. Bei nur einem Grad über Null und Sonne satt fällt der Richtspruch – und das leer getrunkene Glas Sekt auf den unschuldigen Beton. „Ich freue mich, dass ihr da seid“, ruft Alexander Frenzel vom Dach des Neubaus der Gästeschar zu, „nun lasst uns feiern.“

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Bei heißem Kesselgulasch, Limo, Glühwein und natürlich reichlich Bier hat der Chef des Getränkehandels Mierisch in Freital am Sonnabendnachmittag zum Richtfest geladen. Der Rohbau für seinen neuen Hofladen steht. Unmittelbar neben dem Geschäft Am Dorfplatz in Niederhäslich wächst zurzeit der Neubau in die Höhe, genau dort, wo früher etliche Volieren seines Großvaters standen. „Bring den Vogelquark weg“, soll Christian Mierisch, der damals den Getränkemarkt führte, zu seinem Enkel gesagt haben. Pläne, die Alexander Frenzel umsetzte, als er vor drei Jahren das Geschäft übernahm.

Nun soll hier, in den Neubau, das erweiterte Sortiment einziehen, auf rund 190 Quadratmetern. Platz, den der Getränkemarkt mit derzeit gut 130 Quadratmetern nicht hat. „Mitte Januar sind wir mit dem Neubau fertig“, sagt Alexander Frenzel, der auch für die Bürger für Freital im Stadtrat sitzt. Ein sportliches Vorhaben, vor allem was die Umzugspläne betrifft. Da die Fenster aus dem Altbau auch gleich im Neubau wieder verwendet werden sollen – und der Getränkemarkt nicht lange geschlossen bleiben kann – ist der Umzug des Marktes an nur einem Wochenende geplant. Rund 170 000 Euro investiert der 33-jährige Freitaler in den Neubau. Seine Pläne stoßen auf Zustimmung. „Er nimmt die Sache in die Hand, ist echt auf Zack“, sagt Marlene Heisig über den jungen Chef des Getränkehandels Mierisch. Seit Jahren kauft die Freitalerin hier ein und auch an diesem Sonnabend ist sie beim Richtfest dabei.

Wer glaubt, mit dem Neubau sei für Alexander Frenzel alles erreicht, irrt. Der Getränkehandel zieht schließlich nicht grundlos ins benachbarte Haus. Auch mit dem Altbau hat der Unternehmer Pläne: Hier will der Bierfan eine Brauerei einrichten – und natürlich den selbst gemachten Gerstensaft verkaufen. Zwar steht dazu noch eine Reihe an Genehmigungen aus, Frenzels Pläne sind hingegen schon konkret: Sudhaus, Kühlraum, ein Zimmer für die offene Gärung des Bieres und eine manuelle Abfüllanlage sollen zur Brauerei gehören. Sogar nach einem Brauer guckt sich Frenzel schon um.

„Ich könnte das Bier auch selbst brauen, aber dafür werde ich kaum Zeit haben“, sagt er. Zwei Sorten sind vorerst geplant: Das „Freitaler Stadtbier“, ein naturtrübes Pils, und ein rotes Bier namens „Rotkopf Görg“. 500 Liter soll die etwa 100 000 Euro teure Anlage mit einem Brauvorgang schaffen und das viermal pro Woche - je nachdem, wie die Nachfrage ist.

„Ich weiß, wir sind nicht in Bayern, aber auch in Freital muss wieder mehr Bier getrunken werden“, sagt Alexander Frenzel und schmunzelt. Ein bisschen Wahrheit scheint darin zu liegen. Immer mehr Gastwirtschaften schließen, auch in Freital. Ein Trend, dem Alexander Frenzel trotzen will. Die kleine Schankstube, die sich im Altbau des Getränkehandels versteckt, soll irgendwann wieder zum Leben erweckt werden, ohne große Küche, aber gemütlich und mit Biergarten. Platz dafür sieht Frenzel gleich hinter dem Neubau. Das sei aber noch Zukunftsmusik.

Fast schon greifbar ist dagegen das Sortiment, das seine Kunden im Frühjahr im Neubau erwartet: Auf dem zusätzlichen Platz, der ihm dort zur Verfügung steht, will Alexander Frenzel neben Wein, Spirituosen, Limo und den 300 Biersorten in Zukunft auch Bissfestes anbieten. Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst und Käse aus dem unmittelbaren Umland schweben ihm vor. Mit einem Somsdorfer Anbieter ist er schon über die Lieferung von Rindfleisch im Gespräch. Aber auch mit dem Weingut Pesterwitz oder der Käserei Borlas kann er sich eine Zusammenarbeit vorstellen.

„Ich bin ja ein Freund von lokalen Sachen“, erzählt der gebürtige Freitaler. Er weiß, dass auch seine Kunden so ticken. „Es gibt wieder mehr Leute, die gern regional kaufen“, sagt er. Leute, die ein Bewusstsein für regionale Produkte hätten. Der steigende Umsatz seines Getränkehandels beweise das, aber auch sein Gespür für den Einzelhandel. Und dieser hat es im Zeitalter des Massenkonsums nicht immer einfach. „Man muss sich schon etwas einfallen lassen“, sagt Alexander Frenzel – und das tut er auch.