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Platzsparendes Warmwasser

Die Vermieter investieren Millionen in Zauckerode. Für die Mieter wird die Versorgung mit Warmwasser komfortabler. Aber nicht nur das.

© Andreas Weihs

Von Annett Heyse

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Freital. Henryk Eismann ist im fünften Stockwerk der Heinrich-Heine-Straße 5b im Neubaugebiet Zauckerode angekommen und öffnet die Tür einer leeren Wohnung. Es geht direkt in die Küche. Da hängt das Auslaufmodell: ein Durchlauferhitzer der Firma Junkers, irgendwann in den Neunzigerjahren eingebaut. „Der kommt raus, genauso wie die Durchlauferhitzer in den anderen Wohnungen“, sagt Eismann.

Der Prokurist der Freitaler Wohnungsgesellschaft will auch gleich zeigen, wie es in Küchen und Bädern der Heinrich-Heine-Straße 5 bald aussehen soll. Im Wohnhaus auf der anderen Straßenseite hat die Zukunft bereits Einzug gehalten. Wieder die fünfte Etage, noch eine leere Wohnung. Die Warmwasserversorgung läuft hier nicht mehr über den Durchlauferhitzer. Dieser ist verschwunden, ebenso die Gasrohre und die Abluftleitung, die sichtbar durch die Küche führten. Stattdessen ist in einem Wartungsschacht im Badezimmer ein Wärmeaustauscher installiert. Die Energie kommt mittels Fernwärme an. „Das ist Stand der Technik und auch viel platzsparender“, sagt Eismann.

Fernwärme ist eigentlich keine neue Erfindung und gibt es in dem Plattenbaugebiet schon seit dessen Errichtung. Allerdings galt das bisher nicht fürs Warmwasser – das wurde in sogenannten Gasthermen erhitzt. So ist Fernwärme das neue Zauberwort in Zauckerode. „Sie ist sauberer und sicherer als Gas, energieeffizienter sowieso“, sagt Jörg Schneider, Geschäftsführer der Technischen Werke Freital (TWF). Das stadteigene Unternehmen produziert die Fernwärme für Zauckerode in einem Heizwerk an der Saalhausener Straße. Jahrelang arbeitete das kleine Kraftwerk nur im Winter, wenn die Heizungen von Wohnhäusern, Kitas und Schulen mit warmem Wasser gespeist werden mussten. Mittlerweile wird das warme Wasser während des gesamten Jahres in großen Kesseln produziert. Und die Mengen müssen gesteigert werden.

Denn nachdem im Jahr 2000 ein Pilotprojekt in der Straße der Stahlwerker 7c in zehn Wohnungen erfolgreich war, stellen die großen Vermieter in Zauckerode schrittweise die gesamte Warmwasserversorgung um. Im Zuge dessen werden auch sämtliche Gasleitungen gekappt – gekocht werden kann dann nur noch auf Elektroherden. Die Freitaler Wohnungsgenossenschaft (Gewo) war der erste Großvermieter in Zauckerode, der mit dem Umbau der Haustechnik begann.

2011 starteten die Bauarbeiten, Block für Block, Strang für Strang. Ob Straße der Stahlwerker, Oppelstraße, Schachtweg oder weitere – mittlerweile liegt schon in 545 Wohnungen der Genossenschaft komplett die Fernwärme an. „Für die Mieter bedeutet das zwar erst mal, dass wir bauen müssen. Aber die Wohnungen werden moderner, und in den Küchen ist mehr Platz, weil die Abluftrohre verschwinden“, erklärt Friederike Ebert vom Vorstand der Gewo. Bisher habe sie nur positive Resonanz von den Mietern wahrgenommen. Auch für die Gewo ist der Energie-Deal ein Vorteil, obgleich pro Mieteinheit mit etwa 5 000 Euro Baukosten zu rechnen ist. Ebert: „Die Wohnungen sind anschließend besser vermietbar. Wer will denn noch in eine Wohnung mit Durchlauferhitzer ziehen?“ Die jüngeren Leute würden dieses System doch gar nicht mehr kennen.

Nun zieht die Wohnungsgesellschaft, ein Unternehmen der Stadt Freital, nach. In diesem Jahr kommen die Wohnblocks Heinrich-Heine-Straße 5a bis e sowie die Hauseingänge 10 und 12 dran. Die Arbeiten sollen im Mai beginnen und im September abgeschlossen sein. „Wir sanieren strangweise. Die Mieter sind informiert und müssen sich auf etwa 14 Tage Bauzeit einstellen“, sagt Henryk Eismann. Dafür kommen neben Gasleitungen, Durchlauferhitzern und Gasherden auch die alten Heizkörper raus. Außerdem werden die Elektroanlagen in den Häusern erneuert. Eismann: „Wenn wir einmal bauen, dann gleich alles.“ Zu den neuen Elektroherden, die sich die Mieter kaufen müssen, gibt die WGF einen kleinen Obolus hinzu. Die Wohnungsgesellschaft investiert rund 2,3 Millionen Euro in das Vorhaben – nur in diesem Jahr.

Bis 2022 soll die Umstellung in allen 2 100 Wohnungen des Neubaugebiets abgeschlossen sein, auch alle Kitas, Schulen, Turnhallen und einige Privathäuser an der Saalhausener Straße sollen bis dahin komplett am Fernwärme-Netz hängen. Für die Technischen Werke bedeutet das, bereits in diesem Jahr die Kapazitäten zu erweitern. So soll am Heizwerk ein neues Blockheizkraftwerk errichtet werden, in dem dann nicht nur Fernwärme, sondern auch Strom produziert wird. „Den werden wir teils selbst verbrauchen, teils ins Netz einspeisen“, erklärt Geschäftsführer Schneider. Die Anlage ist in Planung, die TWF rechnet mit einer mittelgroßen sechsstelligen Investitionssumme.

Wie hoch die Einsparung an Heiz- und Warmwasserkosten pro Haushalt letztendlich ist, kann momentan keiner genau sagen. Schneider: „Fakt ist aber eins: Eine zentral hergestellte Wärmeversorgung ist trotz einiger Verluste beim Transport durch das Rohrsystem immer effektiver, zumal wir im Heizwerk moderne Anlagen haben.“